Online: 04.04.2017 - ePaper: 05.04.2017

29 Verletzte an der Bernhard-Varenius-Schule in Hitzacker nach Pfefferspray-Attacke

Gasalarm im Schulviertel

ZoomFeuerwehr und Polizei hatten die Hitzackeraner Haupt- und Realschule abgesperrt, Experten des Umweltzuges der Kreisfeuerwehr evakuierten die Schule und belüfteten die Toilette, in der das Pfefferspray versprüht worden war.

von Rouven Groß

Hitzacker. Blaulicht, Martinshorn, Einsatzkräfte unter Atemschutz, weinende Schülerinnen und Schüler: Die Szenerie ist gespenstisch am Dienstagvormittag an der Bernhard-Varenius-Schule in Hitzacker. Schüler hatten gegen 9.30 Uhr vor einer der Toiletten des Schulgebäudes einen beißenden Geruch bemerkt, mehrere klagten daraufhin über Atemwegsreizungen, brennende Augen und Übelkeit, die Schule alarmierte sofort die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte evakuierten unmittelbar nach ihrem Eintreffen das gesamte Schulgebäude inklusive einer Einliegerwohnung und alarmierten den Rettungsdienst, der mit einem Großaufgebot anrückte, um sich um die verletzten Schülerinnen und Schüler zu kümmern. 29 Jungen und Mädchen mussten ärztlich behandelt werden, zehn von ihnen wurden zu weiteren Untersuchungen und Behandlungen in die Dannenberger Capio Elbe-Jeetzel-Klinik gebracht. Um die große Anzahl an Verletzten bewältigen und abtransportieren zu können, waren zusätzlich zu den Lüchow-Dannenberger Rettungswagen auch mehrere Fahrzeuge aus den Nachbarkreisen hinzugerufen worden.

Ausgelöst hatte den Großeinsatz von mehr als 100 Feuerwehrleuten und dutzenden Rettungskräften von DRK und anderen Rettungsdiensten ein Schüler der Bernhard-Varenius-Schule. Er hatte in einer der Schultoiletten große Mengen Pfefferspray versprüht und die Dose anschließend im Mülleimer der Toilette entsorgt. Schüler, die sich zum Zeitpunkt der Attacke auf der Toilette befanden, erlitten Reizungen der Augen und der Atemwege, ebenso Schüler, die an der Toilette vorbeigingen oder hineineilten, um anderen zu helfen, hieß es von Rettungskräften. Die unmittelbar nach der Feuerwehr eintreffende Polizei nahm den Schüler, der die Tat den Beamten gegenüber einräumte, in Gewahrsam, übergab ihn später an seine Eltern. "Die weiteren strafrechtlichen Ermittlungen dauern an", so Polizeisprecher Kai Richter. Ermittelt werde unter anderem wegen Körperverletzung.

Der Umweltzug der Kreisfeuerwehr belüftete die Toilette, nachdem die Schule teilweise unter Atemschutz evakuiert und auf mögliche weitere Reizgasquellen abgesucht worden war, musste das Entfernen des an die Wände des Schulklos gesprühten Pfeffersprays jedoch einer Spezialfirma überlassen. Daher sei auch noch unklar, ob am heutigen Mittwoch wieder Unterricht stattfinden könne, so Schulleiterin Sabrina Lumpe. "Allerdings gehe ich davon aus, dass es am Mittwoch weitergehen kann", so Lumpe. Ein großes Lob sprach sie den Einsatzkräften aus, die die Lage ruhig und besonnen abgewickelt hätten. "Dadurch waren auch die Schülerinnen und Schüler und natürlich auch die Lehrer ruhiger und alles hat gut funktioniert." Viele der Schülerinnen und Schüler waren nach der Evakuierung von ihren Eltern abgeholt worden, andere wurden bis zur Abfahrt der Schulbusse um 13 Uhr von den Lehrern rund um die abgesperrte Schule betreut. Für die große Zahl der Verletzten war auf dem Gelände der Hitzackeraner Rettungswache eine Betreuung eingerichtet worden, in der ein Arzt alle Schülerinnen und Schüler untersuchte, bevor sie von ihren Eltern in Empfang genommen werden konnten.

Von einem Anschlag könne man nicht sprechen, heißt es von der Polizei. Es sei wohl eher die unüberlegte Tat eines Heranwachsenden gewesen. Dafür spreche auch, dass der Junge den Einsatzkräften bereitwillig Auskunft über die versprühte Flüssigkeit erteilt habe, so Elbtalaues Gemeindebrandmeister Andreas Meyer. "Dadurch konnten wir deutlich gezielter arbeiten und mussten nicht erst durch aufwändige Untersuchungen den Reizstoff aufspüren." Und dadurch sei auch schnell klar gewesen, dass der Einsatzort auf das Schulgebäude begrenzt bleiben und keine weiteren Evakuierungen nötig sein würden, so Meyer.

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