Online: 10.03.2015 - ePaper: 11.03.2015

Es klingt paradox: Die Schauspielerin Jeannette Arndt sagt eine spontan angebotene Hauptrolle in der ZDF-Serie "Das Traumschiff" ab, damit sie zusammen mit ihrem Kollegen Lennart Müller von der Freien Bühne Wendland das Theaterstück "Zwei wie Bonnie und Clyde" weiterspielen kann. Im EJZ-Interview erklärt sie, warum.

Schauspielerin Jeannette Arndt sagt für Theaterstück in Lüchow spontan angebotene TV-Hauptrolle ab

ZoomSie brennt für das Projekt der Freien Bühne Wendland 'Zwei wie Bonnie und Clyde' und sagte dafür sogar ein Angebot für eine Hauptrolle im ZDF-Traumschiff ab: die gelernte und 44 Jahre alte Schauspielerin Jeannette Arndt.

tl Lüchow. Welcher Schauspieler träumt nicht von einer Hauptrolle in einer großen Fernsehproduktion? Jeannette Arndt von der Freien Bühne Wendland hätte das nun haben können. Nach einem Dreh für die ZDF-Serie "Engel der Gerechtigkeit" kam ein Angebot für eine Hauptrolle im ZDF-Traumschiff. Doch das hat sie ausgeschlagen - auch, weil das Angebot zu spontan wegen einer Produktionsumplanung kam -, um für weitere drei Wochen zusammen mit Lennart Müller das Theaterstück "Zwei wie Bonnie und Clyde" im Lüchower Kaufhaus Hettig zu spielen - ab Donnerstag geht's weiter.

 

EJZ: Frau Arndt, Sie hätten im Februar in einer wunderschönen Kulisse auf dem ZDF-Traumschiff mitreisen und eine Hauptrolle übernehmen können. Stattdessen wollen Sie "Zwei wie Bonnie und Clyde" in Lüchow weiterspielen. Das müssen Sie erklären.

 

Jeannette Arndt: Bonnie und Clyde ist nur ein Teil meines Lebens hier im Wendland. Wir haben hier ein Projekt angeleiert, und ich habe von außerhalb parallel das Angebot bekommen. Es ist nicht unbedingt einfach, im Wendland immer einen interessanten Job als Schauspielerin zu finden, aber ich will hier leben. Und ich betreue ein Schulprojekt, das habe ich auch selbst angeleiert. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, zu den Kindern zu gehen und ihnen zu sagen: Ich kann jetzt gerade nicht, ich kann fett Kohle machen. Dieses Gesamtpaket ist der Grund, warum ich nicht gleich zusagen wollte.

 

EJZ: Ihnen ist das persönliche Theater wichtiger, als eine gut bezahlte Rolle im Fernsehen mit möglichen Folgerollen?

Arndt: Ja, natürlich. Eindeutig. Ich habe des Öfteren überlegen müssen, was ich als Alternative machen kann, wenn ich keine Aussicht auf einen Job hatte. Und da bin ich immer wieder zum Theater zurückgekehrt. Es macht einfach riesigen Spaß, was ich da alles machen darf, das bockt.

EJZ: Um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben: Was bockt denn am meisten bei "Zwei wie Bonnie und Clyde"?

 

Arndt: Dass ich doof sein darf, denn ursprünglich komme ich aus dem ernsteren Fach, das hieß zum Beispiel Familiendrama oder politisches Theater. Aber dieses alberne Rumhopsen und einen auf den Latz kriegen, das gefällt mir. Das wollte ich auch mal machen. Bonnie und Clyde geht so ein bisschen in diese Richtung. Eigentlich sind wir zwei Clowns in dem Theaterstück. Ich bin halt die doofe Tusse, die liebenswerte dumme Tusse.

 

EJZ: Wie lief es bisher bei Bonnie und Clyde?

 

Arndt: Bisher ist es sehr gut gelaufen, bis auf drei Tage. War zum Teil ausverkauft. Dass wir alles umgeworfen haben und in Lüchow bleiben, macht das Ganze nochmal spannend. Wir werden uns in die Zahlen kämpfen.

 

EJZ: Kämpfen ist ein gutes Stichwort: Hatten Sie mit dem Kaufhaus als Bühne auch zu kämpfen? Das ist ja immerhin nicht die klassische Theaterbühne.

Arndt: Wir haben diesen Raum annektiert. Das ist jetzt unser Raum! Es ist so einfach gewesen, sich dort einzurichten. Wir haben so viel Hilfe bekommen, von der Stadt, von Hettig, wir haben lauter Requisiten im Laden gefunden, eine Matratze, ein Palmenbild und vieles mehr - ist halt Hettig.

EJZ: Klingt, als hätten Sie das Ganze spontan ausgestaltet. Ist es vielleicht das, was Sie mehr ans Theater fesselt, als an durchgeplante Fernsehrollen?

 

Arndt: Fernsehen ist in jedem Fall spannend und macht Spaß, Theater verlangt einem ganz andere Dinge ab. Es beschenkt einen reicher. Es hat mehr mit einem selbst zu tun. Beim Drehen spiele ich viel mehr eine Rolle als im Theater. Da spiele ich zwar auch eine Rolle, aber in der steckt viel mehr von mir drin. Auch, weil ich näher am Publikum bin.

 

EJZ: Wie geht es mit Bonnie und Clyde weiter?

 

Arndt: Wir spielen den März in Lüchow zu Ende. Danach fangen schon die Vorbereitungen für Aufführungen auf der Kulturellen Landpartie in Mammoißel an. Und wenn die Aufführungen zu Ende sein werden, denke ich, dass wir auch einen geeigneten Spielort für Dannenberg gefunden haben werden.

 

EJZ: Und danach ist auch wieder Zeit für eine Fernsehrolle?

Arndt: Auf jeden Fall. Wenn alles gelaufen ist, dann rufe ich den Produzenten an und frage: Du, wie sieht's denn aus? Bei ihm kann man das machen.

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