Online: 27.03.2015 - ePaper: 28.03.2015

Felix Wolf hat es vom Kreuzfahrtschiff herunter nach Hitzacker und beruflich ins Gildehaus Lüchow verschlagen. Offenbar auch eine Entscheidung des Herzens, wie er der EJZ verriet.

Hitzackeraner Felix Wolf: Vom Kreuzfahrtschiff ins Lüchower Gildehaus

ZoomVom Kreuzfahrtschiff ins Gildehaus: Hotelbetriebswirt Felix Wolf war als Restaurantleiter eineinhalb Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. In Lüchow ist er nun Geschäftsführer.

Was zieht Menschen nach Lüchow-Dannenberg? Eine EJZ-Serie

bp Lüchow/Hitzacker. Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt viele Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 9: Felix Wolf aus Hitzacker.

 

Felix Wolf ist für seine 28 Jahre schon ganz schön herum gekommen. Der gelernte Koch sowie Hotelfachmann und studierte Hotelbetriebswirt ist mit 16 Jahren von Thüringen aus zur Ausbildung und zum Studium nach Österreich gezogen, war anschließend mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Dass ihn die Liebe einmal nach Lüchow-Dannenberg, von dem er vor Kurzem noch kaum wusste, dass es existiert, verschlagen würde, konnte er nicht ahnen. Und hätte er auf einem Schiff der "Mein Schiff"-Flotte nicht Köchin Viona Hübner kennengelernt, wäre es höchstwahrscheinlich auch nie dazu gekommen.

Während Amouröses unter Reisenden auf Kreuzfahrschiffen sicher keine Seltenheit ist, hat die Crew während der Reisen wenig Zeit, an anderes als ans Arbeiten zu denken. Die Verträge laufen gewöhnlich für sechs Monate, was bedeutet: Sechs Monate lang Arbeit an sieben Tagen in der Woche, zehn bis zwölf Stunden am Tag, dann zwei Monate Urlaub, dann ein neuer Sechs-Monats-Vertrag. "Der Arbeitsrhythmus an Bord wäre an Land gar nicht vorstellbar, aber weil jeder an Bord so arbeitet, herrscht ein eigener Spirit, außerdem ein hoher Grad an Organisation und Hierarchie", erklärt Wolf. Es gehe ein bisschen zu wie beim Militär, anders sei ein schwimmendes Hotel mit 1000 Besatzungsmitgliedern aus 48 Nationen auch gar nicht zu organisieren. "Erst das macht die Gesellschaft an Bord lebensfähig", ist er, der dort als Chefsommelier und Restaurantleiter tätig war, überzeugt. Doch trotz der langen Arbeitstage blieb für Viona Hübner und Felix Wolf offenbar genügend Zeit, um zueinander zu finden.

Trotz des Knochenjobs sei die Arbeit auf dem Schiff unter maltesischer Flagge sehr attraktiv, denn man verdiene durch zypriotische Arbeitsverträge netto wie brutto, habe an Bord ohnehin kaum Gelegenheit, Geld auszugeben und müsse in Deutschland keine Sozialabgaben entrichten. Doch attraktiver Verdienst hin oder her, "irgendwann gibt es einen Punkt, an dem man merkt, dass man sich immer mehr von der Realität entfremdet und dann muss man Prioritäten setzen und sich entscheiden", findet der gebürtige Thüringer.

Das haben er und seine Freundin getan. Vom Kreuzfahrtschiff ging es für das Paar im Juni nach der laut Wolf "coolen Erfahrung" und insgesamt eineinhalb Jahren an Bord direkt nach Hitzacker. Sie stiegen ab, wie es in der Sprache der Seeleute heißt. Ein Abstieg ohne Abstieg. Hübner hatte das Angebot angenommen, in Hitzackers Inselküche zu kochen, Wolf entschloss sich, mit nach Lüchow-Dannenberg zu ziehen. Seine Freundin, die aus Lüneburg stammt, hatte ihre Ausbildung im früheren Hitzackeraner Restaurant Ausstellungshaus absolviert und kannte die Elbestadt daher bereits.

Wolf nicht, doch er fühlt sich bisher sehr wohl: "Hier gibt es genau das, was man sich nach einer langen Zeit auf einem Schiff wünscht, ein ruhiges Plätzchen, einen Ort, an dem man sich zurückziehen kann." Während der Kreuzfahrten seien 3500 Menschen auf engstem Raum zusammen, es gebe "nur ganz wenig Platz für Privatsphäre". Da seien Hitzacker und Lüchow-Dannenberg ein sehr willkommener Gegenpol, etwas Schöneres könne er sich im Augenblick gar nicht vorstellen, zumal seine Freundin und er im Mai einen Sohn erwarten. "Und wenn man Bock auf Trubel hat, dann ist man in einer Stunde in Hamburg", findet der 28-Jährige, der bereits Vater eines sechsjährigen Sohnes aus einer früheren Beziehung ist.

Und auch beruflich hat er gleich Fuß gefasst, ist seit einigen Monaten Geschäftsführer des Lüchower Gildehauses. Ihm schwebt so einiges vor, um das große Haus wieder zu mehr Leben zu erwecken. Konkret sprechen möchte Wolf über die Visionen aber noch nicht: "Wir sind gerade in der Findungsphase." In jedem Falle solle das Restaurant mittelfristig reaktiviert und erweitert werden, das Gildehaus insgesamt neu ausgerichtet und strategisch breiter aufgestellt werden. Wenn alles nach Plan läuft, wird man vom ehemaligen Kreuzfahrer also noch einiges hören.

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