Online: 08.05.2015 - ePaper: 09.05.2015

Die Goldschmiedin Anja Sanchez ist in ihren 33 Lebensjahren in der Welt weit herumgekommen und lebt nach vielen Umzügen seit gut einem Jahr in Neu Tramm. Zum ersten Mal habe sie nicht das Bedürfnis, woanders wohnen zu wollen, sagt sie.

Die Goldschmiedin Anja Sanchez lebt nach vielen Umzügen jetzt im Wendland

ZoomIn ihrem Atelier fühlt sich die Goldschmiedin Anja Sanchez aus Neu Tramm richtig wohl. In der dörflichen Atmosphäre mit zeitweise gut besuchten Veranstaltungen im benachbarten Raum 2 vermisst sie die Großstadt überhaupt nicht.

Ihr gefällt die Mischung "aus Landleben, Kultur, Kreativität und sympathischer Verrücktheit der Menschen"

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt viele Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 14: Anja Sanchez aus Neu Tramm.

fb Neu Tramm. Es gibt Menschen, die sowohl das Leben in der Großstadt als auch das Dorfleben lieben und brauchen. Wo leben diese Menschen dann? In einer Kleinstadt? In einem ländlichen Vorort einer Großstadt? Anja Sanchez ist ein solcher Mensch. Und sie hat sich vor gut einem Jahr für Neu Tramm als Wohnort entschieden. Für Außenstehende hat dieser kleine Ort zwischen Dannenberg und Lüchow sicherlich nicht im Entferntesten etwas mit dem Leben in einer Großstadt zu tun.

Anja Sanchez sieht das anders: "Ich glaube, ich bin hierher gezogen, weil Neu Tramm für mich eine gute Mischung darstellt." Sie genieße das Landleben, brauche aber auch viel Action in ihrem Leben, erklärt die 33-Jährige. Durch die vielen Veranstaltungen des Kulturvereins Raum 2 sei in Neu Tramm immer etwas los. Deshalb verspüre sie kein Bedürfnis, in eine Großstadt zu ziehen, betont Sanchez. Die Mitglieder des Kulturvereins seien genau wie sie - "kreativ, bunt und sympathisch verrückt". Das mache für Anja Sanchez die Menschen in Lüchow-Dannenberg aus.

Und auch beruflich passt der Ort Neu Tramm gut: Auf dem Vereinsgelände hat Anja Sanchez, die gelernte Goldschmiedin ist, ihre eigene Werkstatt. Für sie ist das ein absolutes Novum. Nach ihrer Ausbildung in Braunschweig hat sie anderthalb Jahre lang in Spanien auf einem Segelboot gelebt und gearbeitet: "Die Sachen für die Goldschmiede hatte ich in Kartons dabei und musste sie nach dem Arbeiten wieder wegpacken", erzählt die handwerklich Begabte. Ähnlich erging es ihr auch in der Nähe von Lüneburg. Dort lebte sie nach ihrem Spanien-Aufenthalt bei einer Freundin in einem Bauwagen. Wieder musste sie auf engstem Raum Arbeit und Wohnen verbinden. "Das ist jetzt anders, Arbeit und Privates sind jetzt endlich getrennt."

Überhaupt hat sich für Anja Sanchez durch den Umzug ins Wendland einiges geändert. Zum ersten Mal habe sie nicht das Bedürfnis, woanders zu wohnen, sagt sie und geht sogar noch einen Schritt weiter: "Ich kann mir im Moment gar nicht mehr vorstellen, woanders zu leben." Richtig fest ist ihr Wohnsitz aber trotzdem nicht. Auf dem Vereinsgelände wohnt sie in einem Bauwagen. Der ist motorisiert. Die Flexibilität und Mobilität seien ihr schon immer sehr wichtig gewesen, und das wolle sie auch beibehalten, betont Sanchez.

Wie wichtig die Mobilität für sie ist, zeigt ein Blick in ihre Vergangenheit: Geboren in Hamburg, mit sechs Jahren aufs Land gezogen, mit 17 Jahren für ein Jahr in der Schweiz, danach wieder nach Hamburg. Nach dem nachgeholten Abitur geht's zwei Jahre auf Weltreise, sie bereist vier Kontinente: Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa. Es folgt die Ausbildung in Braunschweig, ehe sie nach Spanien und anschließend nach Lüneburg geht. Sie sei eigentlich immer unterwegs gewesen: "In Neu Tramm kann ich das Erlebte gut verarbeiten und durch meine Kunst umsetzen." So entstand auch der Kontakt ins Wendland. Seit 2011 stellt Anja Sanchez ihre Arbeiten bei der Kulturellen Landpartie aus: "Deshalb kannte ich die Menschen beim Kulturverein schon, bevor ich hergezogen bin", erklärt sie.

Kultur und Kunst sind für die Goldschmiedin auch zwei zentrale Aspekte, die Lüchow-Dannenberg so attraktiv machen: "Die Mischung aus Landleben, Kultur, Kreativität und sympathischer Verrücktheit der Menschen gefällt mir." Sie sehe im Wendland keinesfalls eine ausblutende Region.

Stattdessen sei es viel mehr so, dass die Welt dorthin kommt. Viele, die sie dort kennengelernt hat, sind nicht in Lüchow-Dannenberg geboren: "Ich habe schon Leute aus vielen Regionen hier kennengelernt - Ruhrpott, Berlin, Hamburg, sogar Frankreich und Spanien." Ähnlich wie in deutschen Großstädten.

^ Seitenanfang