Online: 14.05.2015 - ePaper: 15.05.2015

Über 100 Punkte bietet die Kulturelle Landpartie (KLP) in diesem Jahr. Die Besucher haben die Qual der Wahl. Einige Ausstellungen setzen sich auch mit dem Thema Flüchtlinge auseinander.

Unterwegs am ersten Tag der KLP: Nicht nur Kommerz, auch Politik

Zoom„Was sie zurückließen“ heißt diese Installation von Lili Vollmer in Neritz aus alten Musikinstrumenten und Koffern.

by Lüchow. Man kann die Kulturelle Landpartie an den Punkten beginnen, an denen der Bär brummt. Das bedeutet für die Autofahrer oft, erstmal ein längeres Stück Fussweg zu gehen, dann kommt man auf einen gut gefüllten Hof, auf dem es Musik gibt, auf dem man Bekannte trifft, die man dort auch erwartete. Und neue Leute lernt man dann beim Anstehen für Getränke oder Essen kennen. Oder man fährt ganz woanders hin, wo es ruhiger ist.

Zum Beispiel nach Groß Wittfeitzen. Dort hat der Fotograf Jörg Fischer die Idee gehabt, den an Fotografie-Interessierten etwas mehr zu bieten. Er lud seine beiden Kollegen Jürgen Volkmann und Thorsten Ulonska ein, ihre Fotos zu zeigen, und auch die digitale Fotodatenbank Wendland-Archiv von Burghard Kulow und Thorsten Schoepe ist dabei, zeigt historische Aufnahmen vom bäuerlichen Leben in wendländischen Rundlingen. Und für alle, die mehr wissen wollen, gibt es täglich um 17 Uhr Vorträge zu fotografischen Themen. Von hier aus startet auch Familie Lorenz aus Lüneburg die KLP, das Autos steht irgendwo am Wegesrand, sie sind nun per Rad unterwegs. Bis Diahren wollen sie - auch der Pommes wegen.

Ruhiger, das trifft für Hitzackers Vielharmonie vielleicht nicht ganz zu. Es ist eng, die Besucher müssen sich gegenseitig Platz machen, aber die Stimmung ist völlig entspannt. Ursula Pehlke hat in den ersten beiden Stunden schon mehrmals die Frage nach einer besonderen lilafarbenen Pflanze beantwortet, eine Akebie ist es. Schon vor 11 Uhr drängten die ersten aufs Grundstück. Pehlke stellte sich "nur für eine Sekunde" die Frage: "So viele fremde Leute, habe ich die alle eingeladen?", um sich dann doch über die Gäste zu freuen, die papierne Drahtfiguren basteln, oder sich für das Thema Flüchtlinge im Landkreis interessieren.

"ZuFlucht Wendland" ist auch Thema in Sipnitz. Zum Beispiel in den Fotos von Hiba Alrahal aus Syrien. Sie hat ihre Stadt Khattab vor und nach der Zerstörung fotografiert, die letzten beiden Bilder zeigen ihre Familie im Wendland. Ihnen ging es gut in Syrien, ohne den Krieg wären sie niemals auf einem 14 Meter langen Boot mit über 200 anderen Menschen nach Deutschland geflohen.

Menschen, denen die Toten im Mittelmeer nicht egal sind, können sich eine schwarz-blaue Schleife anstecken, als Zeichen, dass die, die im Mittelmeer ertrinken, nicht "die Anderen" sind, sondern "unsere Toten".

Als Lili Vollmer vor wenigen Jahren ihr altes Bauernhaus in Neritz kaufte, wurden ihr Zimmer im Obergeschoss mit den Worten: "Das sind die Flüchtlingsräume" vorgestellt. Auch das war für sie Anlass, sich in einer Installation mit der Frage auseinanderzusetzen, was man mit auf die Flucht nehmen kann und was man bei anderen unterstellt, um es sich später zu holen. In der großen Scheune des Hofes, in der HipHop-Workshops und Konzerte mit Jugendbands stattfinden werden, hängen Bilder heimischer Künstler.

In Breese in der Marsch ist Himmelfahrt immer auch Schützenfest. So ein Umzug reizt die, die Männer mit Federbüschen auf dem Kopf und Holzgewehr übern Arm dort, wo sie wohnen, eher nicht über den Weg laufen. In den vergangenen Wochen hatte das Team vom dortigen KLP-Punkt Mengen an Gulasch und Spätzle vorgekocht und eingefroren. Die für gestern aufgetaute Menge war schnell verzehrt, dann gab es nur noch Gemüsebratlinge. Das Thema Gorleben, das an manch anderen Punkten im Kommerz unterzugehen scheint, war an diesem Punkt nah am Castor-Verladekran immer aktuell. Werner und Ingrid Lowin haben sogenannte Kundenstopper mit ihren Fotos beklebt und in der Laufstrecke verteilt, interessiert bleiben die Besucher davor stehen und schauen. Und auch die Ausstellung mit Plakaten aus fast 40 Jahren Gorleben-Geschichte findet viele Besucher.

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