Online: 15.05.2015 - ePaper: 16.05.2015

Altersarmut thematisieren Frauen zwischen 64 und 86 Jahren derzeit mit Theater in Hitzacker: bei den dortigen Stadtspielen. "Elder Hood" heißt das Stück, das am Donnerstag im Rahmen der Kulturellen Landpartie (KLP) Premiere hatte.

KLP: Premiere für "Elder Hood" bei den Hitzackeraner Stadtspielen

ZoomMal mit dem Zeigefinger, mal unterschwellig üben die Darstellerinnen der Hitzacker-Stadt-Spiele in ihrem neuen Stück „Elder Hood“ Kritik an der Altersarmut. Gleichsam erarbeiten sie Lösungsstrategien dazu. Donnerstag war Premiere in der „Elbvielharmonie“. Noch drei Mal wird das Stück im Rahmen der Kulturellen Landpartie gezeigt.

Stadt-Spiele thematisieren Altersarmut

rs Hitzacker. "Sie haben so viel erlebt; sie können eine Menge erzählen. Altentheater ist unglaublich spannend", berichtet Ursula Pehlke, Regisseurin der Hitzacker-Stadt-Spiele, am Morgen nach der Premiere von "Elder Hood". Über die Erfahrung von 911 Lebensjahren verfügen die zwölf Laienschauspielerinnen der Stadt-Spiele, die es in marginal wechselnder Besetzung seit acht Jahren, seit der 750-Jahr-Feier der Elbestadt, gibt. Und die Frauen zwischen 64 und 86 Jahren haben etwas mitzuteilen: Denn die Geschichte von "Elder Hood" ist ein Stück weit die ihre und könnte die des Publikums werden. Es geht in dem anderthalbstündigen multimedialen Stück, dem vierten der Stadt-Spiele, um Altersarmut, um Magerrente am Existenzminimum, darum, wie die Alten selbstbestimmt Lösungsstrategien dazu entwickeln. Sie gründen nolens volens eine "kriminell-gemeinnützige Umverteilungsselbsthilfeorganisation" mit dem Namen "Elder Hood" - frei nach: "Wenn Robin Hood heute leben würde, wäre er alt und eine Frau."

Doch bis es im Freilufttheater der "Elbvielharmonie" final zum Banküberfall kommt und die stetig wachsende Organisation den "Omatrick" - der Enkeltrick andersherum - anwendet, zeigen die Darstellerinnen bei der ausverkauften Premiere am Himmelfahrtstag berührend Schicksale älterer Frauen, die sich unter anderem durch das Sammeln von Leergut knapp über dem Existenzminimum halten. Mal senil-renitent, mal aufmüpfig, mal sozialkritisch agieren die zwölf Frauen zwischen Realität und Utopie, geben der Legende von Robin Hood in ihrer Version einen sozialistischen Ansatz. Ja, es ist der Ansatz der Darstellerinnen. Denn das performative Stück, das rund ein Jahr als Gemeinschaftsprodukt bei Proben im Kulturbahnhof wuchs, enthält die Anregungen und Ideen aller Beteiligten. "Es wurde dabei gedacht, gelacht, philosophiert, gesammelt und wieder entfernt, gefilmt und vertont", erinnert sich Ursula Pehlke, die mit ihrem Mann Hauke Stichling-Pehlke, der die Texte schrieb, genau darauf achtete, dass sich die Dialoge und Rollen mit den Darstellerinnen im Einklang befinden. "Damit es einfacher für die Frauen wird, es authentischer wirkt", erläutert die Regisseurin.

Obwohl es ein Stück eines Laientheaters ist, in welchem ausschließlich ältere Frauen agieren, verfügt "Elder Hood" über Dynamik. Das liegt zum einen an den Schauspielerinnen selbst, die gut zu improvisieren verstehen, zum anderen daran, dass zwei Filmsequenzen das Theater ergänzen, inhaltlich und räumlich erweitern, zum weiteren daran, dass nicht ausschließlich frontal gespielt wird, das heißt auch die Galerie und der Innenhof der "Elbvielharmonie" genutzt werden.

Noch drei Mal ist "Elder Hood" in der "Elbvielharmonie" an Hitzackers Deichstraße zu sehen. Heute, am 23. und am 25. Mai jeweils ab 20 Uhr. Kartenvorbestellung unter (05862) 985079 wird dringend empfohlen.

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