Online: 15.05.2015 - ePaper: 16.05.2015

Sie ist in gewisser Weise ein Gegenpunkt zur Kulturellen Landpartie (KLP): die Mützingenta. Mit ihrer entspannten und dennoch hochpolitischen Atmosphäre ist sie für viele neben der KLP ein Muss zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.

Heiratsantrag vor der Bühne auf der Mützingenta

ZoomFalafel in Fladenbrot ist eines von vielen kulinarischen Angeboten bei der Mützingenta.

 

pw Mützingen. Lars ist ein gutes Beispiel dafür, dass man bei der Mützingenta die Zeit vergisst: Als sein Name aufgerufen wird, damit er seine vor etwa 20 Minuten bestellte Pizza abholt, taucht er erst nach mehrmaligem lauten Rufen vor der Theke auf, an der sich die hungrigen Besucher drängen. Stressig ist in Mützingen allenfalls die Parkplatzsuche, doch wenn man erst einmal das Gelände an der Alten Ziegelei betreten hat, wird es entspannt. Das Areal ist so groß, dass sich die rund 60 Aussteller von Schmuck, Keramik, Taschen, Mode und vielem mehr, die Anbieter von gastronomischen Leckereien wie Falafel, Pasta, Hamburgern oder Kräuter-Gemüse-Shakes ebenso mühelos verteilen wie die tausenden Besucher, die während der zwölf Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten nach Mützingen kommen.

Viele davon sind klein und begeistert von der riesigen Murmelbahn, die Spielzeug-Aussteller Kurt Lotzen eigens für die Mützingenta gebaut hat. Auf mehreren Ebenen können die Jungen und Mädchen am Beispiel der Golfbälle, die anstelle von Murmeln durch die Holzrinnen rollen, physikalische Gesetze kennenlernen. Das mit Muskelkraft betriebene Karussell mit rosa Holzschweinchen ist ein von vielen Kindern schon in den Tagen vor der Mützingenta heiß erwarteter Klassiker.

Bei den Erwachsenen ist es ähnlich: Viele Aussteller kommen schon seit Jahren, und so kann man sich ziemlich sicher sein, etwa eine zerbrochene Tasse nachzubekommen, verloren gegangene Pfeile nachkaufen zu können oder auch zumindest eine so ähnliche Handtasche kaufen zu können, wie die, die man im Vorjahr bewundert, aber eben nicht gekauft hat - was man den Rest des Jahres bedauert hat. Aber es gibt auch immer Neuheiten, etwa die alten Sammeltassen, die zu originellen Hängelampen, Seifenschalen oder Garderobenhaken umfunktioniert worden sind. Die kann man in aller Ruhe betrachten, weil der Nachwuchs auf der Mützingenta eigentlich immer zufrieden und beschäftigt ist. Und überall trifft man Bekannte und Freunde.

Rosi Schoppe hat von der entspannten Atmosphäre, für die die Mützingenta bekannt ist und in der Barbourjackenträger neben jungen Leuten mit Rastalocken und Haremshosen für einen Orangensaft anstehen, am Eröffnungstag zunächst einmal wenig: "Stromausfall, Wasserpumpenausfall, alles auf einmal. Heute Mittag habe ich gesagt, ich fühle mich wie Ende Castor", sagt die Inhaberin der Alten Ziegelei am Himmelfahrtstag. Doch diese Startschwierigkeiten sind schnell behoben und "alle gut drauf", stellt Rosi Schoppe zufrieden fest.

Das merkt man auch am rund viertelstündigen Soundcheck der Band Shamrock, bei dem die ersten Besucher bereits anfangen, vor der Bühne zu tanzen. "20 Uhr, 20 Uhr", rufen ihnen die Musiker zu, als sie nach einigen Songs aufhören. Anfüttern nennt man so etwas. Und das ausgesprochen erfolgreich, wie sich am Abend herausstellt: Ein Besucher macht seiner Freundin während des Konzerts einen Heiratsantrag. Als sie diesen annimmt, entert ein Bekannter die Bühne und gibt die große Neuigkeit per Lautsprecher allen Besuchern bekannt.

^ Seitenanfang