Online: 17.05.2015 - ePaper: 18.05.2015

Viel Kunst, Natur und Geschichte und auch was für junge Leute: Eine Tour zu den KLP-Punkten in Penkefitz, Damnatz, Höhbeck, Prezier und Bülitz.

Zu neuen Punkten der Kulturellen Landpartie im Norden, Osten und Süden

ZoomEin Stillleben aus Moos, Zweigen und Wasser hat Linda Herrmann in Bülitz gestaltet und manch einer kann sich daran nicht satt sehen.

by Lüchow. Stefan Reinschs "Artenreich" hoch auf dem Höhbeck und damit hoch über dem Salzstock Gorleben ist ein wahrlich verwunschener Ort. Das 70 Jahre eingezäunte Gelände, auf dem einst der gesprengte Funkturm stand, ist "ein kleines Stück richtiger Nationalpark", sagt Stefan Reinsch, 4000 Orchideen hat er gezählt, dazu 300 verschiedene Pflanzenarten, in diesem Sommer will er die Fauna erfassen. Die Besucher werden nicht auf den Asphaltwegen, sondern durch einen Märchenwald auf das Gelände geleitet. Der Besuch an den ersten beiden Tagen war noch verhalten, aber wer kam, blieb lange, informierte sich in Führungen über Geschichte und Natur dieses Ortes und über Reinschs Pläne, die Wertschöpfungsketten aus der Landschaftspflege wieder in Gang zu bringen. Auch das Café Salix ist hier wiederauferstanden. Dass er sein "Artenreich", in dem er seinen Lebenstraum verwirklicht, für die KLP geöffnet hat, war keine Frage, denn hier lässt sich zeigen, was der Salzstock jenseits von Gorleben alles bewirkt hat: So wäre der Höhbeck heute nicht der artenreichste Fleck, Karl der Große nicht hier gewesen und die Funktürme gäbe es auch nicht.

Das Kunstbunker genannte Gebäude im Artenreich liegt oberirdisch, beherbergte einst die Sendeanlagen des ZDF, jetzt lagert Anna Lilly Götz hier die Arbeiten ihres vor zwei Jahren verstorbenen Vaters, des Künstlers Werner Götz. Es ist ein Lagerraum, keine Galerie, "die Masse, der kreative Wust, erschlägt die Leute durchaus", ist sich die Tochter bewusst. Schließlich sind hier fünf Jahrzehnte Kunstschaffen versammelt. Die Besucher sind eher schüchtern, dabei dürfen sie die Kunst durchaus anfassen, müssen es sogar, wenn sie die hochkant in den Regalen stehenden Bilder überhaupt betrachten wollen. Die Kinder sind da mutiger.

In Prezier ist ein weiteres Künstlerkind bei der KLP dabei: Rasmus Herbrich Barfod hat das Haus und die Arbeiten seines 2008 verstorbenen Vaters, des Bildhauers Peter Herbrich geerbt. Vor vier Jahren war er schon einmal bei einer KLP dabei, dann ging er nach Leipzig, um Geld zu verdienen, um hier wieder weiterzumachen: "Jetzt ist wieder das Wendland dran", sagt er, der selbst malt und in diesen Tagen vor allem Pizza backt. Der Skulpturengarten mit den großformatigen Arbeiten seines Vaters ist das Fundament. Seine Mitaussteller - "wir haben einander gefunden" -, bieten unter anderem Seelenarbeit, Naturmode, Gebrauchskreamik und Geschichten und Mythen an der Feuerstelle.

Die Familie Gerdes ist in den vergangenen Jahren als KLP-Nutzer viel herumgereist. Und irgendwann war auch die Idee da, selbst mitzumachen, um für die Fahrradfahrer die Lücke zwischen Hitzacker, Damnatz und Breese zu schließen. Den schönen und großen Hof hat man. Kreative Familienmitglieder und Freunde gibt es auch. Gerd Gerdes etwa hat seine Holzskulpturen bislang eher für sich gemacht, bis ihm andere Mut machten, seine Stelen zu zeigen. Während der KLP stehen sie nun in einer Remise vor und neben den Gemälden seiner Schwester Katharina Behrens. Weitere Bilder und Fotografien hängen in einem Kunsthaus. Als Freund ist Josef Haps dabei, der arbeitet im Hauptberuf in Lüchow als Metallbauer. Das Schmieden von schönen Dingen, die man nicht notwendig braucht, kommt dabei zu seinem Bedauern zu kurz. Jetzt hat er sich zusammen mit seinen Lehrlingen daran gemacht und Schalen mit Goldrand oder Kerzenhalter geschmiedet, die man zum Beispiel in Bäume hängen kann. Für Hildegund Fathmann-Gerdes ist das Schöne am eigenen KLP-Punkt, "dass man was zusammen macht", dass Freunde der Kinder Musik machen oder die Nachbarin im Dorf die Torten backt.

Nebenan, am Ortsrand von Damnatz, hat Michael Baumeister seine Galerie im Nebengebäude, kurz: GIN, eröffnet. Der Begriff Selbsthilfe-Galerie bedeutet, "dass sich der Künstler hier selbst geholfen hat", wie einst in Berlin in der Potsdamer Akademie. Der 60-jährige Berliner Künstler kennt das Dorf seit 50 Jahren, seit Vater hatte einst die Jagd gepachtet, nun wohnt er dort dauerhaft. Er macht Kunst "durch Fotografie", wie er sagt. Vorbild für seine Pixel-Bilder aus der Vorpixel-Zeit aus Farbe und Licht ist das Zeitungsraster, in dem verschiedene Grautöne für die Bilder sorgen. Seine neueren Arbeiten sind bewusst unscharfe Fotos.

In Bülitz gibt es wieder einen dritten KLP-Punkt: Mariska Koelewijn will angesichts der vielen auswärtigen Aussteller die Landpartie für junge Menschen neu erfahrbar machen und "den wendländischen kreativen Kindern einen Platz geben". Ihren Punkt versteht sie als Einladung, eine Wahrnehmungs-Reise für alle Sinne zu machen, und auf sich selbst, das eigene Können, die eigene Schönheit zu vertrauen. Wer will, kann seine Gefühle, derer er auf dem Hof bewusst wurde, auf einer Postkarte an sich selbst notieren und in einen Kasten stecken. Diese Karten will Mariska Koelewijn in einem halben Jahr an ihre Empfänger schicken. Eine Attraktion auf dem Hof ist neben dem RotGrünBlau-Raum auch Linda Herrmanns wachsendes Stillleben in einem alten Stall. Von dem mögen sich viele Besucher gar nicht trennen. Und im plätschernden Bach landet manche Münze für heimliche Wünsche.

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