Online: 19.05.2015 - ePaper: 20.05.2015

Was aus einer Geburtstagsidee in Quickborn geworden ist, hätte sich Sigrid Thürey nie träumen lassen: Mittlerweile sind die Wohnzimmerkonzerte fester Bestandteil der Kulturellen Landpartie (KLP). Und mittlerweile sind die Quickborner damit auch an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen.

KLP-Erfolgsgeschichte: Was aus der Idee eines Wohnzimmerkonzertes geworden ist

ZoomDraußen Garten, drinnen Musik: Sigrid Thürey (links), die Erfinderin der Quickborner Wohnzimmerkonzerte, zusammen mit ihrem Mann Wolfgang und Birgitt Harms, in deren Wohnzimmer dieser Tage ebenfalls zwei Konzerte stattfinden.

Sigrid Thürey hat die erfolgreichen Quickborner Wohnzimmerkonzerte erfunden

bp Quickborn. Was einmal aus ihrer Idee werden würde, das hätte sich die Quickbornerin Sigrid Thürey vor ein paar Jahren sicher nicht vorstellen können. Eigentlich hatte sie nur den Einfall gehabt, dass eine Band an ihrem Geburtstag in ihrem Wohnzimmer spielen könnte. Daraus wurde nichts, es entwickelte sich aber die Idee, Wohnzimmerkonzerte während der Kulturellen Landpartie (KLP) zu veranstalten. Der gestrenge Rat der KLP zeigte sich von der Idee zuerst wenig angetan. Dann aber weitete Thürey ihre Idee aus, fragte andere Quickborner mit großen Wohnzimmern, bekam viel Zustimmung und schließlich auch ihr Konzept bei der KLP durch.

Nun öffnen vier Quickborner Familien bereits zum dritten Mal während der KLP ihre Häuser. Und nicht allein die Konzerte sind es, die die Menschen anlocken. "Wir gewähren einen kleinen Einblick in unser Leben", heißt es im KLP-Reisebegleiter. Die 66-Jährige hat die Erfahrung gemacht: "Viele finden es spannend, zu sehen, wie Menschen leben." Die Wohnzimmerkonzerte schlagen insofern zwei Fliegen mit einer Klappe. Und dann ist da noch die intime Atmosphäre: "Die Besucher haben das Gefühl, dass die Musiker nur für sie spielen und die Künstler erzählen auch immer viel aus ihrem Leben", erläutert Wolfgang Thürey. Anschließend gehen nicht alle Zuhörer gleich wieder nach Hause, sondern bleiben, setzen sich auf die Terrasse, unterhalten sich miteinander und mit den Musikern. "Das würde man bei einem Konzert auf der Wiese so nicht haben", ist sich Birgitt Harms sicher, in deren Wohnzimmer ebenfalls zwei Konzerte stattfinden.

In diesem Jahr spielen drei Musikgruppen. Das Duo "Töne im Tee" besteht aus den einheimischen Kira Dreyer-Deward und Heike Tuttas, hat sich vor drei Jahren extra für die Wohnzimmerkonzerte ein gemeinsames Programm erarbeitet. Außerdem spielen die auswärtige Gruppe Tworna und der Musiker "Krish'n Kype". Ist es nicht schwer, Musiker zu engagieren? Längst nicht mehr: "Nach der letzten KLP haben sich neun Bands gemeldet, die bei uns spielen wollten", erinnert sich Wolfang Thürey. Das Konzept hat sich herumgesprochen. Sogar bis in kirchliche Kreise hinein. In Damnatz gibt es im Winter Wohnzimmergottesdienste - inspiriert von den Wohnzimmerkonzerten.

Von denen gab es vor zwei Jahren vier, vor einem Jahr sechs und in diesem Jahr acht. "Aber da ist jetzt auch die Grenze unserer Leistungsfähigkeit", hat Wolfgang Thürey festgestellt. Denn es gebe viel zu organisieren. Seine Frau und er haben 20 Plastikstühle gekauft, die das Sitzangebot in den Wohnzimmern erweitern und die von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort gefahren werden, Wegweiser sind aufzustellen, GEMA-Dokumente auszufüllen. "Ohne den guten Zusammenhalt im Ort würde das nicht gehen", meint Sigird Thürey.

Das Schönste ist für sie, "wenn die Leute begeistert gehen". Ist ein Konzert mau besucht, kommen 20, am Wochenende waren es 46 Gäste. "Da musste ich sogar eine Tür aushängen, damit die Leute im Flur etwas mitbekommen", berichtet Wolfgang Thürey. 46 Gäste im Wohnzimmer: Für den ein oder anderen vielleicht ein Albtraum - für die Thüreys ein einziger Genuss.

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