Online: 20.05.2015 - ePaper: 21.05.2015

Mit Fremden per Du - die Freundlichkeit und die Offenheit, mit der sich bei der Kulturellen Landpartie Menschen begegnen, ist beeindruckend. Auch sonst bin ich von den Veranstaltungen und Ausstellungen bei der KLP begeistert.

Meine erste Kulturelle Landpartie: ein Praktikant erzählt

ZoomVilla Wendland Güstritz

Florian Beye kommt aus dem Landkreis Uelzen - mit seiner Freundin war er das erste Mal bei der KLP

fb Lüchow-Dannenberg. Es ist Regen angesagt. Von meiner Oma leihen wir uns einen riesigen Regenschirm. Schwarz, mit blauen, gelben und roten Punkten. Wir, das sind meine Freundin Maren und ich. Unser Ziel: die Kulturelle Landpartie (KLP). Weder sie noch ich waren je bei der KLP, obwohl wir im Nachbarkreis Uelzen wohnen. Ohne konkrete Vorstellungen oder Erwartungen starten wir in unseren ersten KLP-Tag.

 

Diahren kannte ich vorher nur dem Namen nach, weil ich morgens auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeifahre. Jetzt bewege ich mich zum ersten Mal innerhalb des Dorfes. Das erste Ziel: Zirkus Knopf. Der Zirkus findet auf dem Dachboden einer großen Scheune statt. Vor der Scheune verkaufen Frauen Kuchen, Kaffee und warme Speisen wie Quiche. Hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern stehen dort und warten ungeduldig darauf, dass der Zirkus beginnt. "Wollen wir da wirklich reingehen", frage ich Maren. Sie nickt lächelnd. Langsam gehen wir die Treppe hoch auf den Dachboden. Die improvisierte Deko ist bunt und grell. Ich nehme auf einem alten Stuhl mit Polsterkissen Platz. Die Federn des Kissens sind deutlich zu spüren. Dann geht's los. Die Show dauert eine Stunde, die beiden Vorführenden, ein Mann und eine Frau, beziehen das Publikum immer wieder mit ein. Zwei Erwachsene und drei Kinder müssen eine Pyramide auf der Bühne bauen. Ich darf zum Glück sitzen bleiben. Wir lachen viel. Ein guter Start.

 

Wegen des schlechten Wetters sind Maren und ich mit dem Auto unterwegs. Gut einen Kilometer vor Kussebode steht schon alles voll mit Autos. Wir parken, gehen den Rest zu Fuß. "Ich habe Hunger, hättest du nicht dichter dran parken können", sagt Maren etwas genervt vom langen Fußmarsch. Im Ort angekommen gehen wir zielstrebig Richtung Brauerei. Es riecht nach Essen - Fisch, Bratwurst, diverse Gewürze. Eine Band spielt hawaiianische Musik.

Die Stimmung ist gut, viele Menschen essen, trinken, unterhalten sich. Wir steuern geradewegs auf die Stände zu, an denen Essen verkauft wird - Maren isst Kippeling, ein holländisches Fischgericht; ich einen Teller Wildchili. Anschließend wandeln wir gemütlich durch die verschiedenen Ausstellungen.

Kaufen wollen wir nichts, nur gucken. Skulpturen, Holzarbeiten, Textilwaren, Schmuck in verschiedenen Formen und Farben - alles schön, aber auch teuer. Auf dem Weg zum Auto regnet es. Aber wir haben ja den Regenschirm.

 

Wir kommen genau zur richtigen Zeit. Es hat aufgehört zu regnen und das für 14.30 Uhr angekündigte Chaos-Varieté beginnt mit Verspätung. Ich setze mich mit Maren zu einer Gruppe Frauen mit Kindern. Jonglage, Gaukelei und Pantomime begeistern. Eine wirklich tolle Show und das ohne Eintritt. Ich unterhalte mich mit verschiedenen Leuten.

Kerstin aus Wunstorf erzählt, dass sie schon zum achten Mal bei der KLP sei, und gibt uns Tipps, wo wir noch hingehen sollten: "Bülitz ist sehr schön und hier um die Ecke." Da wir keinen festen Plan haben, machen wir uns dorthin auf. Erst trinken wir aber an der Villa Wendland frischgepressten Orangensaft. Es beginnt wieder zu regnen, ich öffne den Regenschirm. Während viele im Regen stehen, laufen wir trockenen Kopfes von Stand zu Stand. Die Künstler bieten ähnliche Dinge an wie in Kussebode - auch hier ist alles schön, aber wieder sehr teuer.

Es hat aufgehört zu regnen. Wir betreten einen Hof. Zwei junge Mädchen singen "Numb" von Linkin Park, unterstützt von Schlagzeug, Gitarre und Saxofon.

Drei Zuschauerinnen tanzen dazu. Sie tragen bunte, weite Klamotten und genießen die Musik. Männer und Frauen sitzen auf Bänken und Sofas unter dem Vordach einer Scheune. Sie rauchen, trinken, essen, reden. Hinter der Scheune stehen Zelte und Wohnwagen. Die Stimmung ist entspannt, ausgelassen, locker - so wie auch an den Orten zuvor.

Fremde Menschen, die ich mit "Sie" anspreche, wirken fast schon beleidigt und bestehen sofort auf das Du. An den großen Esstischen wünscht man nicht nur seinen Begleitern, sondern allen einen guten Appetit. Egal, wo wir uns aufhalten, begegnen sich die Menschen mit Freundlichkeit und Offenheit. Mit dieser Erkenntnis geht unser erster KLP-Tag zu Ende.

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