Online: 12.06.2015 - ePaper: 13.06.2015

Will ich wirklich auf dem Land leben? Diese Frage hat sich Ina Pape gestellt, bevor sie im Jahr 2011 aus der Großstadt Essen ins beschauliche Bussau zog. Im Ruhrgebiet lebte sie viele Jahre lang direkt an der A40: "Ich habe mich einfach nach Ruhe gesehnt", erzählt sie.

Ina Pape ist aus dem hektischen Ruhrgebiet ins beschauliche Bussau gezogen

ZoomDie Lehrerin Ina Pape ist vor vier Jahren aus Essen nach Bussau gezogen. Die Frage, ob sie wirklich auf dem Land leben will, hat die Hobby-Malerin damals in diesem Bild verarbeitet.

Ina Pape zog vor vier Jahren nach Bussau - nach 16 Jahren im Ruhrpott

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 19: Ina Pape aus Bussau.

 

fb Bussau. Will ich wirklich auf dem Land leben? Diese und weitere Fragen hatte sich Ina Pape gestellt, bevor sie im Jahr 2011 aus der Großstadt Essen ins beschauliche Bussau zog. In Essen lebte sie viele Jahre lang direkt an der A40. Der Ruhrpott mit den vielen Menschen war für die 56-Jährige interessant, aber eben auch hektisch und anstrengend: "Ich habe mich einfach nach Ruhe gesehnt", erzählt sie. Ruhe hat Pape in Bussau reichlich, sie wohnt in einer Wohnung gegenüber der alten Wassermühle. Ein Haus wolle sie weder bauen noch kaufen.

Durch den Umzug nach Bussau ist Ina Pape auch ihrer Heimat wieder ein Stück näher gekommen. Aufgewachsen ist sie in Suhlendorf im Kreis Uelzen, ihre Mutter und ihr Bruder leben immer noch dort: "Meine Mutter ist seit ein paar Jahren pflegebedürftig", sagt Pape. Um ihrem Bruder bei der Pflege helfen zu können, ist sie zumindest in die Nähe von Suhlendorf gezogen. Im Kreis Uelzen wollte sie aber nicht wohnen. Bussau passe insgesamt sehr gut, weil sie eine Stelle an der Gesamtschule in Clenze bekommen hat, erzählt die Sport- und Französisch-Lehrerin.

Ihr jetziger Beruf sei nie wirklich ihr Ziel gewesen, gesteht die geschiedene Mutter dreier erwachsener Töchter und Söhne: "Man hat damals halt die Fächer studiert, die einem in der Schule Spaß gemacht haben, aber ohne genau zu wissen, dass Lehramt die einzige echte Möglichkeit danach ist." Ihr Lehramt-Studium in den Fächern Sport und Französisch absolvierte Ina Pape in Göttingen, Gießen und Toulouse, das anschließende Referendariat in Salzgitter. Vor zwanzig Jahren zog sie dann mit ihren drei Kindern nach Essen in den Ruhrpott. "Dort habe ich nicht sofort einen Lehrer-Job bekommen, sondern zunächst zwei Jahre in einer Behinderten-Werkstatt gearbeitet", berichtet Pape fröhlich. Diese Arbeit habe ihr viel Spaß gemacht. Nebenbei habe sie zudem Gesundheitssportkurse an der Universität gegeben. Im Alter von 40 Jahren nahm Pape dann eine Stelle als Lehrerin an einer Grund- und Hauptschule an. Sie habe diesen Job als "meine letzte Chance, im Schulwesen Fuß zu fassen", gesehen.

Seitdem ist sie Lehrerin, mittlerweile eben in Clenze. Dort unterrichtet sie neben ihren studierten Fächern Sport und Französisch auch noch Religion. Eins steht für sie aber fest: "Ich will mich in dem Beruf nicht komplett auspowern, sondern im Anschluss gerne noch einmal mit Behinderten arbeiten", blickt sie voraus - gerne auch in Lüchow-Dannenberg, denn sie könne sich vorstellen, "hier alt zu werden". Besonders die abwechslungsreiche Landschaft hat es der 56-Jährigen angetan: "Es ist ein Traum, Wiesen und Wälder vor der Haustür zu haben", schwärmt sie. Die Region mit der schönen Natur sei für sie ein großes Stück Lebensqualität.

Die Menschen in Bussau seien sehr freundlich, erzählt Pape: "Hier wohnen ein paar Leute, die auch schon woanders gewohnt haben. Da hat man immer Gesprächsthemen." Sie singt im Kirchenchor in Lüchow und engagiert sich im Kirchenvorstand in Clenze - dadurch seien auch einige "nette Kontakte" entstanden. Dennoch finde sie es manchmal schwierig, alleine im Wendland zu leben, weil sie aus Essen viel mehr Kontakt mit verschiedenen Menschen gewohnt sei.

Dafür findet Ina Pape in Bussau genügend Ruhe, um einem ihrer Hobbys nachzugehen: dem Malen. Sie würde sich selbst nicht als Künstlerin bezeichnen: "Ich male nicht, um die Bilder zu verkaufen." Sie male keine schönen Landschaften oder Blumen, sondern verarbeite in ihren Bildern Dinge, die sie bewegen - die Trennung von ihrem Mann, den Tod einer Freundin. "Ich habe sogar ein Bild von einer Frau gemalt, die überlegt, ob sie wirklich auf dem Land leben will oder nicht", erzählt die Hobby-Malerin lachend. Sie hat sich für die Ruhe auf dem Land entschieden.

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