Online: 19.06.2015 - ePaper: 20.06.2015

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie NaDan(n) stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurückgezogen sind. Wilhelm Schulte und Christa Janßen aus Laasche sind begeistert von den Potenzialen Lüchow-Dannenbergs..

Wilhelm Schulte und Christa Janßen: Begeistert von den Potenzialen in Lüchow-Dannenberg

ZoomWilhelm Schulte und Christa Janßen in ihrem Haus in Laasche vor einem Bild des Malers Werner Götz, der einer ihrer ersten Bekannten im Landkreis war.

by Laasche. Vor zehn Jahren sind Wilhelm Schulte und Christa Janßen zum ersten Mal in den Landkreis gekommen, eingeladen von einer Freundin, der Ehefrau des Künstlers Werner Götz. Das Wendland gefiel ihnen auf Anhieb, sie fanden schnell viele neue Freunde, kamen fortan regelmäßig her, verbrachten viele Urlaube. Die Begeisterung hielt an, so dass sie vor knapp zwei Jahren in Laasche - "ein Elbdorf, den Dorfbewohnern ist diese Bezeichnung wichtig und wir halten uns daran" - ein Haus kauften. Dass zweimal am Tag die Kühe vorbeigeführt werden, kann sie immer wieder begeistern: Er kommt von einem Bauernhof im Westfälischen, sie ist die Tochter eines Molkereidirektors in Ostfriesland. Gelebt haben beide aber in Berlin und Hamburg.

Sie war politische Redakteurin bei der taz und später im Verlagsmarketing der Zeitschrift Merian beschäftigt. Er ist Stadt- und Regionalplaner und war bis zu seiner Pensionierung Leiter des Amtes für Landes- und Landschaftsplanung der Hansestadt Hamburg. Da gehörte das Engagement für die Metropolregion zum Amt, Schulte war Vorsitzender des Lenkungsausschusses, kennt also den hiesigen Landrat und die Bürgermeister schon länger und ist auch mit manchen weiter in Kontakt.

Ihre neuer Wohnsitz Laasche liegt im "Garten der Metropolen", sagt Wilhelm Schulte. Garten zu sein, sei auch eine Chance für diesen Raum - erst recht angesichts der schönen Landschaft und der kulturellen Vielfalt, wie es sie kaum woanders gebe. Schulte findet, dass die Politiker für diesen Garten Position beziehen sollten, anstatt neidisch auf die Metropolen und das, was angeblich hier fehlt, zu schauen.

Seinen Stadt- und Regionalplaner-Blick auf sein Umfeld hat Schulte mit der Pensionierung nicht abgelegt - und seit dem er und seine Frau hier nun leben, ist er noch begeisterter von den Potenzialen dieses Raumes. Der Landkreis punkte bisher mit Landschaft, Landwirtschaft und Kultur: Alle drei Bereiche könne man für einen hier aufzubauenden Gesundheitssektor nutzbar machen, die Reha-Klientel wolle nicht nur gesundheitliche Fürsorge, sondern auch eine schöne, ruhige Umgebung und abwechslungsreiche Kultur.

Doch was der Landkreis zu bieten habe, sei leider immer noch Insiderwissen. Wer weiß, dass es sich lohnt, hierher zu kommen, weiß es von anderen - so ist es auch ihnen ergangen. Gerade das so individualisierte Engagement sei auch der Grund dafür, warum es an Schlagkraft nach außen fehlte, Schulte bedauert das. Um die potenziellen Zielgruppen anzusprechen, brauche man vielleicht doch eine Agentur, kommentiert er die aktuellen Vermarktungs-Bemühungen und -Auseinandersetzungen.

Schulte fällt auf Anhieb einiges ein, was das Leben in Lüchow-Dannenberg noch lebenswerter machen würde. Zum Beispiel: Warum nehmen die Leute sich nicht gegenseitig mit und verschaffen sich als Solidargemeinschaft mehr Mobilität? Es fahren so viele Viersitzer durch den Kreis, würden sie andere, also Anhalter, gegen eine Spende mitnehmen, sei das eine Win-Win-Situation für beide: "Das ist Lebensqualität, die man sich selber schaffen kann." Anderes Beispiel: Um die kleinen Grundschulen zu erhalten, könnte man doch Kinder aus Metropolen hier als Gastschüler aufzunehmen. In der Woche zum Beispiel leben sie in hiesigen Familien, am Wochenende wieder in Hamburg. In der Metropole gebe es viele Menschen, die froh wären, wenn ihre Kinder auf dem Land aufwachsen und gut versorgt würden in Klassen, in denen man in Hamburg nur träumen könne. Und Schulte ist sicher, dass die Eltern gerne nachkommen würden. Um sich das Leben besser zu machen, brauche es Willen und Engagement, in Lüchow-Dannenberg seien die Voraussetzungen dafür gut, "weil es hier schon so viel Engagement gibt".

Wilhelm Schulte und Christa Janßen kommen im Gespräch immer wieder auf die Kultur zu sprechen. Das Angebot und das Niveau seien "unglaublich, richtig großstädtisch", sagt sie. "Die tollsten Bands aus Skandinavien kommen nach Reitze, in Hamburg muss man lange danach suchen", staunt er. Beide genießen nicht nur ihren neuen Lebensort, sondern engagieren sich auch. Christa Janßen hat sich, kaum war sie hier, als Mentorin für das Projekt "Jung und Alt gemeinsam" ausbilden lassen und begleitet nun Jugendliche der Gartower Schule auf ihrem Weg der Berufsfindung. Sie ist auch Mitglied bei den Landfrauen geworden. Beide haben den Verein Wendische Dialoge mitgegründet, schieben Aufsichten in den Ausstellungen des Westwendischen Kunstvereins. Und er erzählt, wen immer er trifft, begeistert von der Gastschul-Idee. "Vielleicht entwickelt sich ja eine Initiative", die dann auf seine Mitarbeit setzen kann. Bis dahin gilt: "Funken springen über - oder auch nicht, man kann nichts erzwingen und manchmal dauert es auch."

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