Online: 02.07.2015 - ePaper: 03.07.2015

Feuerwehren in der Elbtalaue kommen kaum zur Ruhe - Polizei ermittelt Richtung Brandstiftung

ZoomBis auf die Grundmauern ist dieses leerstehende Fachwerkhaus in Streetz am Mittwochabend abgebrannt. Die Polizei ermittelt auch in Richtung Brandstiftung.

tl Streetz. Die gute Nachricht vorweg: Weitere Brände gab es in der Nacht zu Donnerstag nicht. Dennoch: Es ist nur ein schwacher Trost für die Feuerwehren in der Elbtalaue. Denn am Mittwochabend ist ein leerstehendes Wohnhaus in Streetz bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Den Schaden schätzt die Polizei auf gut 100 000 Euro. Es war der sechste Brand in der Elbtalaue binnen 24 Stunden. Bis in die späten Abendstunden kämpften die Feuerwehrleute gegen das Feuer. Das Haus war jedoch nicht mehr zu retten. Die Straße nach Hitzacker war stundenlang gesperrt.
Wie bei den Bränden zuvor vermuten viele Leute in und um Streetz herum, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte und auch dieser Brand mit der Serie der Feuer in der Elbtalaue zusammenhängen könnte. Anwohner wollen gesehen haben, wie kurz vor Bemerken des Brandes ein Mensch fluchtartig das leerstehende Objekt verlassen haben soll. Polizeisprecher Kai Richter formuliert das Ganze noch etwas vorsichtiger: „Grundsätzlich können wir im Moment noch nicht fest sagen, dass ein Zusammenhang zwischen den Bränden besteht. Es ist aber schon merkwürdig, dass es in so kurzer Zeit so oft in einer Region brennt.“ Auch die Brandstiftung könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen. „Wir ermitteln in alle Richtungen, auch bei den Bränden zuvor.“ Der Gedanke an einen Feuerteufel hält nicht nur die Polizei, sondern auch die Feuerwehr in Atem. Ein Rückblick:
Mittwoch, 1 Uhr: Feueralarm in der Gemeinde Langendorf. Ein leerstehendes Wohnhaus, die ehemalige Gaststätte in Pretzetze, soll brennen. Feuerwehrleute eilen zum Brandort und löschen das Feuer schnell, bevor es sich unter dem Dach weiter ausbreiten konnte. Den Schaden schätzt die Polizei auf 15 000 Euro. Verletzt wurde niemand.
Mittwoch, kurz nach 1 Uhr: Auf der Anfahrt zum Brand findet die Feuerwehr Siemen ein brennendes Beregnungsaggregat in der Feldmark bei Siemen. Sie löscht das Feuer, der Schaden beträgt mehrere hundert Euro.
Mittwoch, 4 Uhr: Alarm für mehrere Feuerwehren der Alt-Samtgemeinde Dannenberg. Eine Scheune soll in Thunpadel neben einem unbewohnten Haus brennen. Durch das schnelle Eingreifen können die Einsatzkräfte Schlimmeres verhindern. An drei Stellen brannte es in dem Gebäude. Alles sieht nach Brandstiftung aus. Schaden: rund 15 000 Euro.
Mittwoch, 14.04 Uhr: Wieder brennen Rundballen bei Thunpadel. Dazu stehen ein paar Dutzend Quadratmeter Grasfläche in Flammen. Das Feuer ist schnell unter Kontrolle.
Mittwochnachmittag: In der Nähe des Gutes Meudelfitz stehen 500 Quadratmeter Waldfläche in Flammen. Da der Brandort auf einem Hügel im Wald liegt, haben die 65 Einsatzkräfte große Mühe, das Feuer zu ersticken. Sie sind den gesamten Nachmittag mit den Löscharbeiten beschäftigt.
Mittwoch, 18.45 Uhr: Und schließlich brennt das leerstehende Haus in Streetz. Bei dem Feuer wurde niemand verletzt. Vom Schadensbild ist es der bisher traurige Höhepunkt der Brandserie.
Bei einzelnen Bränden könnten möglicherweise verdächtige Personen gesehen worden sein. Polizeisprecher Kai Richter spricht von Kennzeichen, Gesichtern, „aber noch nichts Konkretes, mit dem wir an die Öffentlichkeit gehen können“. Er erinnert auch an das Feuer vor wenigen Tagen in der Göhrde. Dabei brannte ein ehemaliges Hotel im Dachstuhl aus. Die Ermittler konnten dort Reste von Brandbeschleunigern nachweisen. Soweit sind die Ermittlungen bei den neusten Bränden noch nicht. Und ob ein Zusammenhang besteht, werde geprüft, sagt Richter. Und hofft, dass die Brandserie nicht weitergeht. Hinweise nehmen die Ermittler jederzeit entgegen: Telefon (0 58 41) 12 20.
Kreisbrandmeister Claus Bauck hält sich aus der Diskussion, ob Brandstiftung, ob nicht, „dezent zurück“. Das herauszufinden sei Aufgabe der Kripo. „Es ist aber schon mehr als merkwürdig, dass sich solche Brände häufen“, sagt Bauck. Die letzte Brandserie sei im vergangenen Jahr im Südkreis gewesen, als lauter Strohmieten gebrannt hatten, erinnert der Kreisbrandmeister.
Unterdessen ist für Lüchow-Dannenberg aufgrund der anhaltenden Trockenheit und Hitze die Waldbrandgefahrenstufe fünf ausgerufen worden – die höchste. Deshalb dreht der Feuwehrflugdienst seit gestern wieder täglich Runden auch über Lüchow-Dannenberg.

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