Online: 03.07.2015 - ePaper: 04.07.2015

Auch die Gymnasiasten des Fritz-Reuter-Gymnasiums Dannenberg und der KGS Clenze haben ihre Abiturzeugnisse erhalten. Doch bei aller Fröhlichkeit gab es auch ein wenig Ärger: Weil ein Lehrerpasswort in die Hände von Schülern geriet, wurden vier Abiturienten nicht auf die Bühne gerufen.

Viele Abizeugnisse und ein paar Querelen

ZoomUnter anderem diese Schülerinnen und Schüler erhielten Auszeichnungen für besonders gute Leistungen in ihren Abiturprüfungen: Charlotta Richter (von links), Daniel Schmidt, Matthias Hüppner, Sarah Krüger, Jacob Nilius und Leonora Albrecht.

tl Dannenberg. Die Abiturientinnen und Abiturienten hinterlassen eine große Lücke am Fritz-Reuter-Gymnasium Dannenberg und der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Clenze. Das wurde am Donnerstagabend bei der gemeinsamen Entlassungsfeier der kooperierenden Schulen im Verdo Hitzacker einmal mehr deutlich. Nicht nur die Big-Band der KGS, sondern auch das Instrumentalensemble und der Chor II des FRG verlieren zum Teil die Hälfte der Musiker.

Doch über dem Abschiedswehmut standen vor allem die guten und zum Teil lustigen Erinnerungen an die Schulzeit. Schülervertreterinnen aus Clenze erinnerten an lustige Stunden im Oberstufenraum, von täglichen Reiseberichten eines Lehrers, von der Kuchentradition jeden Freitag, vom frühen Aufstehen, schweren Klausuren, langweiligen Themen und dennoch einem entspannten Schulalltag. "Danke, dass Sie nie aufgegeben haben", richteten die Schülerinnen ihr Wort an ihre Lehrer. Das alles seien Momentaufnahmen, im Unterricht habe man oft "nur Wissen, das sich in unserem Hirn gesammelt hat", erlangt. "Viel wichtiger ist: Wir haben gelernt, wer wir sind und was wir wollen", fuhren die Schülerinnen fort. "Und wir sind bereit, neue Fragen zu stellen. Kant hätte gesagt: Wir sind mündig geworden." Das mache sie dazu bereit, die Welt zu verändern, sagten die beiden Schülerinnen.

Elternratsvorsitzender Carl-Ulrich Bauer sprach im Zuge des Abiturs nach acht Jahren am Gymnasium von einem "gewonnenen Jahr". Bauer forderte die Abiturientinnen und Abiturienten auf, dieses Jahr aktiv zu nutzen, sich zu orientieren. Und Bauer appellierte: "Fällt Entscheidungen, die ihr mit euren Werten vertreten könnt." Anstand, Großzügigkeit, Nächstenliebe waren nur einige Begriffe, die fielen.

Clenzes Schulleiterin Ulrike Marx wertete den mittlerweile dritten gemeinsamen Abijahrgang mit Dannenberg als Zeichen eines Kooperationserfolges. "Es ist ein denkwürdiger Tag in Ihrem bisherigen Leben." Jutta Weingarten, die Leiterin des FRG, sprach von ihrem Stolz auf die guten Leistungen der Schülerinnen und Schüler.

Neunmal die 1 vor dem Komma

"Ich bin wirklich beeindruckt von den tollen Leistungen", sagte sie. Von gut 80 Abiturienten schafften neun (FRG: sechs, KGS: drei) eine eins vor dem Komma. Musikalische Unterhaltung boten zwischendurch die Big-Band der KGS, das Instrumentalensemble sowie der Chor II.

Richtig unterhaltsam wurde es, als Hendrik Seide, der Schülervertreter des FRG, vom Oberstufenraum sprach, wo "jegliche Reinigungskraft es vermied, ihn unnötig zu betreten". Er bedankte sich bei den Lehrern für die Kursfahrten: "Danke, dass es das bei uns noch gegeben hat." Und als er auf das Thema Facharbeiten zu sprechen kam, fiel ihm ein: "Manche Schüler haben sich besonders auf dem Feld der Procrastination weitergebildet. Wir hatten mehrere Monate Zeit, um unsere Facharbeit zu schreiben. Doch was macht der gescheite Gymnasiast? Erstmal überhaupt nichts." Und er habe erfahren, dass im Fach Deutsch ein richtig gutes Buch so lange zerpflückt werden könne, bis es absolut uninteressant werde. Seine und die Rede der Clenzer Schülervertretung sorgten jeweils für viele Lacher.

Doch Hendrik Seide ließ es sich nicht nehmen, auch von dem "Zusammenprall" auf den letzten Metern zwischen Lehrern und Schülern zu sprechen (siehe Artikel unten). Um die Stimmung aber nicht auf einen Tiefpunkt zu fahren, leitete er geschickt humorvoll über: "Aber was wäre das Leben ohne solche Komplikationen? Richtig, einfacher."

Was war passiert? Ein betroffener Schüler berichtet, dass Schüler vor mehr als einem Jahr an ein Lehrerpasswort gekommen seien, das auf einer Mappe eines Lehrers gestanden habe. Dieses Passwort machte die Runde unter den Schülern. Herausgekommen ist dieses Leck im Schulserver, als mehrere Schüler weit vor Bekanntgabe an ihre Abinoten kamen. "Dann wurden wir von der Überreichung ausgeladen", erklärt der Schüler. Jutta Weingarten, die Schulleiterin des FRG, betont: "Die betroffenen Schüler waren zur Entlassung ausdrücklich eingeladen. Sie durften nur nicht auf die Bühne." Sie spricht von einem Verstoß gegen die Datenschutzbestimmungen, nennt das als Grund für den Ausschluss. Die Schüler finden, das stünde nicht gut in der Öffentlichkeit dar, Schülern kein Zeugnis zu überreichen.

Genauere Angaben will die Schulleiterin nicht machen, "damit weder ein Lehrer, noch ein Schüler einen Nachteil davon hat". Hendrik Seide fand diese Lösung jedenfalls nicht die richtige, betonte er bei seiner Rede und bekam dafür spontanen Applaus aus dem Publikum. Es war nicht das erste Mal, dass es am FRG Querelen zwischen Abi-Jahrgang und Lehrern gab. Vor zehn Jahren eskalierte ein Streit um Äußerungen im Abi-Buch. Der damalige Schulleiter schmiss die Zeugnisse nur in den Raum. Und 2012 gab's sogar einen Rechtsstreit um Äußerungen im Abi-Buch.

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