Online: 07.08.2015 - ePaper: 08.08.2015

Als in Ägypten die Revolution an Fahrt aufnahm, beschlossen Tina Hülsebus und ihr Mann Ahmed Elhalafawy, mit ihren Kindern Hana und Leonardo nach Lüchow zu ziehen. Warum gerade Lüchow und was sie über den Landkreis denken, erzählen sie im 26. Teil der EJZ-Serie "Na DAN(N)".

Tina Hülsebus zog mit ihrer Familie aus Alexandria nach Lüchow

ZoomAus Ägypten ins Wendland: Tina Hülsebus zog 2013 mit ihrem Mann Ahmed Elhalafawy und den gemeinsamen Kindern Hana und Leonardo von ägyptischen Metropole Alexandria nach Lüchow.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 26: Tina Hülsebus und Ahmed Elhalafawy aus Lüchow.

 

fb Lüchow. Was für eine Umstellung: von Ägypten ins Wendland. Aus der Vier-Millionen-Metropole Alexandria ins beschauliche Lüchow mit knapp 10000 Einwohnern. Diesen Weg ist Tina Hülsebus mit ihrem Mann Ahmed Elhalafawy und den beiden gemeinsamen Kindern Hana und Leonardo gegangen. Seit gut zwei Jahren lebt die Familie nun in Lüchow. Die Kinder seien der wichtigste Faktor bei der Entscheidung gewesen, betont Hülsebus: "Wir wollten für unsere Kinder eine sichere Zukunft, und die war in Ägypten mit der Revolution nicht mehr gegeben."

Lange haben sie überlegt, was sie tun und wohin sie gehen sollten, schildert Hülsebus. Sie selbst wollte nicht ohne berufliche Perspektive zurück nach Deutschland. Die studierte Theologin hatte in Niedersachsen bei der Kirche im Fundraising gearbeitet, bevor sie 2000 zu ihrem Mann nach Ägypten gezogen war. Dort arbeitete sie ehrenamtlich als Pastorin und unterrichtete an einer deutschen Schule. "Ich habe mich dann an die niedersächsische Landeskirche gewandt, um nach freien Stellen zu fragen", sagt Hülsebus. Und so kam sie dann auf Lüchow. An den Berufsbildenden Schulen war eine Stelle als Schulpastorin zu vergeben. Also zog die Familie 2013 in die Kreisstadt.

"Das war schon eine schwere Entscheidung, meine Heimat zu verlassen", gibt Elhalafawy zu. Die ersten Monate habe er gebraucht, um sich im Wendland zurechtzufinden. Sowohl menschlich und kulturell als auch beruflich. In Ägypten war der 45-jährige Moslem mit einem Tourismus-Unternehmen selbstständig, verlieh Quads, Motorräder und mehr. Auch in Lüchow hat sich der Ägypter eine eigene Existenz aufgebaut: "Ich bin als Autopolierer selbstständig in Lüchow." Auch privat komme er immer besser im Wendland an. Unter anderem ein Verdienst seines Sohnes: "Leonardo ist begeisterter Fußballspieler, und ich bin einer der Trainer", sagt Elhalafawy stolz.

Für die Kinder sei die Integration ohnehin einfacher als für sie selbst, meint Tina Hülsebus. Leonardo ist zehn Jahre alt, Hana zwölf. "Beide sind viel draußen und immer mit dem Rad unterwegs", sagt die Schulpastorin zufrieden. "Das wäre in Ägypten nicht möglich gewesen, da konnten sie nie alleine raus." Die Freunde ihrer Kinder würden häufig zu Besuch kommen. Das einzige, was ihre Kinder manchmal stört, sei die Tatsache, dass viele den Nachnamen "Elhalafawy" nicht richtig aussprechen könnten, erzählt die 49-jährige Christin lachend. Das Ehepaar erzieht die gemeinsamen Kinder muslimisch, weil das in Ägypten so normal ist. Konflikte gebe es deshalb zu Hause aber nicht: "Wir verstehen und respektieren uns", betont Ahmed Elhalafawy. Letztlich sei eine der wichtigsten Aussagen aller Religionen, dass Menschen Gutes tun sollten. In diesem Punkt sei Ägypten deutlich fortschrittlicher als viele europäische Länder, meint Hülsebus: "Dort können verschiedene Religionen nebeneinander leben." Dennoch haben Tina Hülsebus, die aus dem Kreis Leer in Ostfriesland stammt, und ihre Familie die Lüchow-Dannenberger als freundlich kennengelernt. Allein schon wegen der Kinder bereuen sie den Umzug von Ägypten ins Wendland nicht.

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