Online: 14.08.2015 - ePaper: 15.08.2015

Anja und Markus Wölk haben vor zwei Jahren Berlin den Rücken gekehrt und sind nach Reitze gezogen. Von der Stadt aufs Land. Über ihre Gründe sprachen sie mit der EJZ im Rahmen der Serie "Na DAN(N).

Anja und Markus Wölk: Von Berlin nach Reitze

ZoomBereits in seiner Jugend lebte Markus Wölk mit seinen Eltern in Lüchow-Dannenberg. Vor knapp zwei Jahren zog der 45-Jährige zusammen mit seiner Frau Anja Wölk von Berlin zurück aufs Land – nach Reitze.

fb Reitze. Ihre Berliner Wohnung lag direkt in einer Flugschneise. Ständig waren Sirenen zu hören. Besoffene randalierten regelmäßig. Vor der Tür eine Motorradwerkstatt. Dem Berliner Großstadtlärm sind Anja und Markus Wölk im Oktober 2013 entflohen. Nach Reitze. Seit knapp zwei Jahren wohnt das Ehepaar nun dort und genießt die Ruhe und den Raum. Der Grund für den Umzug sind aber nicht in erster Linie sie selbst gewesen: Ihre zweijährige Tochter Charlotte kam in Berlin zur Welt. "Wir sind beide auf dem Land aufgewachsen", sagt Anja Wölk. Für Kinder sei das einfach besser. Deshalb ist die Entscheidung schnell getroffen - raus aus Berlin, zurück aufs Land.

Doch warum ausgerechnet Lüchow-Dannenberg? Den Kontakt gibt es schon lange: Im Alter von zehn Jahren zieht der gebürtige Lüneburger Markus Wölk mit seinen Eltern nach Lüchow-Dannenberg, verbringt dort seine Jugend und verlässt den Kreis erst zu Beginn des Studiums. 1998 hätten seine Eltern ihr Haus verkauft, berichtet der 45-Jährige. Seitdem habe für ihn festgestanden, dass er "irgendwann hierher zurückkommen würde". Anja Wölk ist auch auf dem Land aufgewachsen, in Altenbeken in der Nähe von Paderborn. Der Schritt zurück aufs Land fiel auch ihr nicht schwer.

Kennengelernt haben sich Anja und Markus Wölk 2010 in Berlin. Seit 2012 sind sie verheiratet. Mittlerweile sind sie sogar zu viert: Vor zwei Monaten kam Sohn Karl zur Welt. "Karl ist ein echter Lüchow-Dannenberger", betont Markus Wölk schmunzelnd. Das Landleben sei gut für die Kinder. In Berlin sei Tochter Charlotte sehr unruhig gewesen und habe viel geschrien, sagt Anja Wölk: "Hier ist sie viel ruhiger geworden." Positiv sei auch, dass die Kinder einfach rausgehen und auf dem Hof spielen können. Doch nicht nur für die beiden Kinder ist das Wendland ein guter Ort: "Wir genießen hier einfach die Ruhe und den großen Raum zum Leben", sagt Markus Wölk. Die Atmosphäre im Dorf sei sehr schön, sie hätten mit fast allen guten Kontakt. Zwischen den Menschen in Berlin und Lüchow-Dannenberg gebe es keinen großen Unterschied, findet der Familienvater. Seine Frau sieht das anders: "Hier gibt es keine ganz bunte Mischung." In Berlin sei alles etwas offener und internationaler, meint die 30-Jährige. Schön finde sie vor allem die alten Rundlinge: "Die kannte ich vorher nicht, die sind schon süß." Auch die Lage ihrer neuen Heimat sei gut. Berlin, Hamburg und Hannover könne man schnell erreichen, sagt sie.

Störend seien hauptsächlich zwei Aspekte. Zum einen fehle im Kreisgebiet eine gute Ganztag-Kinderbetreuung. "Es gibt keine Krippe, die länger als 14 Uhr geöffnet ist, und die Kindergärten höchstens bis 17 Uhr", betont Anja Wölk. Zudem seien die guten Tagesmütter schnell ausgebucht. Um eine solche zu bekommen, müsse man sich schon sehr bemühen und kümmern.

Zum anderen sei die Breitband-Internetverbindung insgesamt nicht ausreichend. Als Manager in der Unternehmenskommunikation von Continental habe er sein Büro in Hannover, könne aber oft im Home-Office, also von zu Hause aus, arbeiten, erklärt Markus Wölk. Auch seine Frau, die im Bereich Interfacedesign, also der Gestaltung von Internetseiten, aktiv ist, könne ihre Aufgaben ebenfalls gut von zu Hause aus erledigen. "Home-Office ist für uns nur möglich, weil wir unsere Internetverbindung über Satellit beziehen", sagt Markus Wölk. So muss er seltener zwischen Hannover und dem Wendland pendeln und hat mehr Zeit für seine Familie. Und Ruhe, weit weg vom Berliner Großstadtlärm.

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