Online: 17.08.2015 - ePaper: 18.08.2015

Viele Menschen vermissen ein Haustier, das spurlos verschwunden ist. Doch was Ria Wons für ihren vermissten einjährigen Jagdterrier Ebba tut, ist herzergreifend. Das ist wahre Tierliebe.

Ria Wons' selbstlose Suche nach ihrer geliebten Hündin Ebba

ZoomRia Wons sucht seit drei Wochen ihre geliebte Jagdhündin Ebba. Dafür zeltete sie sogar des Nachts in der Feldmark und suchte jeden Winkel ihres Heimatortes Bergen ab. Bisher ohne Erfolg.

tl Bergen. Jedes Wochenende kommt sie aus Hamburg nach Bergen, um nach ihrer Hündin Ebba zu suchen. Sie übernachtete in der Wildnis, um nach Ebbas Stimme zu hören. Jede Minute hofft sie, ihren geliebten Jagdterrier wieder in die Arme schließen zu können. Doch bisher hatte Ria Wons kein Glück.

Seit drei Wochen hat die 21-jährige Auszubildende nichts mehr von ihrer einjährigen Hündin gehört: "Sie hat am 25. Juli mit unserem Dackel zusammen Wildkaninchen gejagt, die es hier zuhauf gibt. Aber nur der Dackel ist vom Spielen zurückgekehrt", erzählt Wons, die ihre Hündin Ebba sehr vermisst. Noch am selben Abend macht sie sich auf die Suche nach dem Jagdterrier, fragt Nachbarn, fährt die Straßen in und um Bergen ab. "Ich habe an allen bekannten Orten mit der Pfeife gepfiffen, auf die sie trainiert ist. Aber sie kam nicht"; sagt die 21-Jährige, die seit 2013 auch Jägerin ist. Ebba war für die Jagd trainiert. "Wir haben dadurch so eine enge Bindung. Sie hätte sich für mich aufgegeben. Ich will sie unbedingt wieder haben", sagt Wons. Wie oft habe sich Ebba etwas einfallen lassen, um Ria Wons zum Lachen zu bringen, "sie war so intelligent, so liebevoll". Ria Wons habe die Hündin immer laufen lassen können, Ebba sei nie weiter als 20 bis 30 Meter vorweg gelaufen, und dann "immer wieder zurückgekommen, hat sich streicheln lassen und geschaut, ob's mir gut geht".

Im November vergangenen Jahres ist Ebba zu Ria Wons gekommen. Seitdem waren die beiden nicht einen Tag getrennt. Deshalb sucht sie so intensiv nach Ebba. Eine Nacht hat sie sogar südlich von Bergen gezeltet, dort wo einer ihrer Jagdkollegen vermeintlich einen Hund gehört hatte. "Entlaufene Hunde geben oft nachts Laute von sich. Aber ich habe Ebba nicht gehört." Deshalb fuhr sie die Gegend auch zig Mal mit dem Fahrrad ab und ritt dort mit dem Pferd entlang. Sie verteilte etliche Plakate, rief bei einem Radiosender an, suchte immer und immer wieder die Gegend ab, auch die bekannten Tierbauten im Wald. Bisher erfolglos. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie einfach jemand mitgenommen hat", sagt die 21-Jährige. Vielleicht wurde sie auch angefahren, überlegt sie, "ich wünsche mir einfach nur, dass sich diejenigen dann auch bei mir melden würden - gern auch anonym. Ich würde lieber hören, dass sie tot ist, als dass ich nie wieder etwas von ihr höre", erzählt Ria Wons sichtlich gerührt.

"Die Verzweiflung ist schon groß, diese Ungewissheit frisst einen auf." Deshalb hofft sie, dass jemand Hinweise geben kann, dass jemand den Hund gesehen hat. Ebba ist 36 Zentimeter groß, hat schwarz-braunes Fell, einen kupierten Schwanz und ist bei Tasso unter dem Züchternamen Ciska registriert.

Ria Wons hat trotz der bisher erfolglosen Suche noch nicht aufgegeben. "Klar gibt es traurige Momente, in denen ich nicht mehr daran glaube, dass sie noch lebt. Aber ich habe trotzdem die Hoffnung, dass Ebba zurückkommt. Auch, wenn das Jahre dauert. Hauptsache, sie kommt zurück." Dass sie die Hoffnung bisher nicht aufgegeben hat, liege auch an der großen Unterstützung, die sie bisher erfahren habe: "Der Mann vom Radiosender hat sich nach unserem ersten Gespräch von sich aus noch ein paar Mal gemeldet und nachgefragt. Die Leute aus dem Dorf haben gerade in der ersten Zeit bei mir angerufen und nach Details gefragt. Das war überwältigend", freut sich die 21-Jährige. Übers Internet sei sie auch auf einen ehrenamtlichen Suchtrupp gestoßen, die deutschlandweit mit Hunden nach Spuren suchen. "Zuerst gab es eine Zusage. Doch dann konnten sie plötzlich doch nicht, das war sehr schade." Für die Suche nach ihrem Hund hat Ria Wons die gesamten zwei Wochen Sommerurlaub geopfert, hat sich sogar ein Quad geliehen, um auch ins Gelände zu fahren. Doch weil sie ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in Hamburg absolviert, kann sie unter der Woche nicht weitersuchen. Dafür aber jedes Wochenende.

Ihre letzte Hoffnung sei nun der Zeitungsaufruf. Alles andere - ob Samtgemeinde, Tierheim oder Jagdkollegen - habe sie bereits ausgeschöpft. Was ihr im Moment bleibt, sind Fotos. Wer etwas gesehen hat, irgendeinen Hinweis geben kann oder suchen helfen möchte, kann sich direkt mit Ria Wons in Verbindung setzen: Telefon (05845) 1392 oder (0175) 4179302.

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