Online: 28.08.2015 - ePaper: 29.08.2015

Steffi Bendig zog im Winter 2012 von Hamburg nach Zebelin. Über die Gründe und darüber, wie sie den Landkreis und seine Menschen wahrnimmt, spricht sie im 29. Teil der EJZ-Serie "NaDan(n).

NaDan(n): Steffi Bendig wohnt seit dem Winter 2012 in Zebelin

ZoomSteffi Bendig zog im Winter 2012 von Hamburg nach Zebelin, wo sie mit ihrem Sohn Tammo das Leben auf dem Land genießt. Dort näht die Gewandmeisterin Klüfte für Zimmermänner auf Wanderschaft.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 29: Steffi Bendig aus Zebelin.

 

fb Zebelin. Daran, wie sie auf das Wendland aufmerksam geworden ist, erinnert sich Steffi Bendig noch genau: "Während meiner traditionellen Wanderschaft nach der Schneiderinnenausbildung hatte ich einen Altgesellen, der im Wendland wohnte." Er habe sie bei der Wanderschaft unterstützt, Fragen beantwortet und ihr zudem einen Platz gegeben, an dem sie ihre Aufträge bearbeiten konnte, erzählt die 34-Jährige. Deshalb sei sie oft zu Besuch in Lüchow-Dannenberg gewesen und habe den Kreis lieben gelernt: "Schon damals stand für mich fest, dass ich dort irgendwann leben möchte", betont die Gewandmeisterin, die Klüfte für Zimmermänner auf Wanderschaft herstellt.

Im Winter 2012 war es dann soweit: Steffi Bendig zog von Hamburg nach Zebelin. Von der Großstadt aufs Land - ein Schritt, der für sie schon lange feststand. "Ich bin in einem ländlichen Stadtteil von Leipzig aufgewachsen", erzählt Bendig. Das Landleben habe sie schon damals gemocht. Doch zunächst ging der Beruf vor: In Dresden lernte sie am Kinder- und Jugendtheater den Beruf der Herrenschneiderin, ging dann für drei Jahre auf Wanderschaft und besuchte im Anschluss zwei Jahre die Gewandmeisterschule in Hamburg.

Das Leben in der Großstadt Hamburg habe durchaus seine Vorteile gehabt, findet Bendig. Die Hansestadt an der Elbe sei sehr schön, es sei immer etwas los. "Ich hatte meine Stammkneipe auf dem Kiez, wo ich auch alleine einfach mal hingehen konnte", sagt sie. Das fehle ihr in Lüchow-Dannenberg - vor allem in Zebelin direkt. Aber Hamburg habe auch viele Nachteile: "Schlimm finde ich, dass es dort Kindergärten ohne Garten gibt, die einfach zwischen Geschäften stehen", schimpft Bendig. Sie habe sich nicht vorstellen können, ein Kind in einer Großstadt aufwachsen zu lassen.

Umso glücklicher ist sie, dass ihr Sohn Tammo, der im November zwei Jahre alt wird, nun auf dem Land groß wird. "Mein Sohn kann hier einfach vor die Tür gehen, ohne dass ich Angst haben muss, dass etwas passiert", sagt Bendig. Außerdem sei es sehr wichtig, dass Kinder von kleinauf die Natur kennenlernen - so wie sie selbst auch: "Mein Vater war Schäfer und so bin ich zwischen Schafen und Pferden groß geworden", erzählt die gebürtige Leipzigerin lächelnd.

Mit Tieren aufwachsen - das könne Tammo in Zebelin auch. Zweimal täglich treibt der Bauer von nebenan seine Kühe an ihrem Haus vorbei: "Mit meinem Sohn kann ich jederzeit die Kälbchen streicheln gehen, oder im Wald Pilze sammeln", schwärmt sie. Von Anfang an zu lernen, wo das Essen herkommt, sei wichtig für die Erziehung. Kinder, die in Großstädten aufwachsen, wüssten oft nicht mal, wie verschiedene Getreidesorten aussehen, meint Bendig: "Mein Sohn lernt sowas kennen, das ist doch einfach geil." Man könne beim Landleben vom "echten Leben" sprechen, findet sie, "weil man hier einfach lernt, wie alles funktioniert".

Aber nicht nur für ihren Sohn sei Zebelin ein guter Wohnort. Sie habe sich mit den Menschen, die dort leben, sofort gut verstanden und "nie das Gefühl gehabt, zugezogen zu sein", betont Bendig. Die Lüchow-Dannenberger nehme sie als offen, lustig, bunt und engagiert wahr: "Bei uns in Leipzig waren Bauern halt Bauern, hier sind sie alle sehr engagiert und setzen sich für irgendwas ein", stellt sie fasziniert fest.

Das sei eine Besonderheit des Kreises. Eine weitere seien die schönen Sonnenuntergänge: "Ich habe vorher noch nirgends so viele gigantische Sonnenuntergänge gesehen wie hier", schwärmt Bendig, die das "echte" Leben auf dem Land voll und ganz genießt.

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