Online: 03.09.2015 - ePaper: 04.09.2015

Jetzt ist es amtlich: Die Polizei bereitet die Wohncontainer auf dem Lüchower Polizeigelände als Notunterkunft für bis zu 500 Flüchtlinge vor. Das bestätigte gestern Karsten Wolff, der Sprecher der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) Niedersachsen, die das Projekt federführend antreibt. Ab Freitag kommender Woche soll die Notunterkunft für die Aufnahme von Flüchtlingen bereit sein.

Fix: Notunterkunft für 500 Flüchtlinge in Lüchow

ZoomDie Wohncontainer auf dem Lüchower Polizeigelände werden derzeit für die Ankunft von bis zu 500 Flüchtlingen vorbereitet. Das hat ein Polizeisprecher gestern endgültig bestätigt. Sie sollen als Notunterkunft dienen, um vor allem Erstaufnahmelager zu entlasten.

tl Lüchow. Jetzt ist es amtlich: Die Polizei bereitet die Wohncontainer auf dem Lüchower Polizeigelände als Notunterkunft für bis zu 500 Flüchtlinge vor. Das bestätigte gestern Karsten Wolff, der Sprecher der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) Niedersachsen, die das Projekt federführend antreibt.

Ab Freitag kommender Woche soll die Notunterkunft für die Aufnahme von Flüchtlingen bereit sein. "Die Vorbereitungen laufen, den Termin werden wir halten", bekräftigte Wolff. Lüchow ist damit eine von drei kurzfristig geschaffenen Notunterkünften für Flüchtlinge in Niedersachsen. In der Polizeiakademie in Hannoversch Münden sind bereits 140 Flüchtlinge angekommen, die Turnhalle der ZPD in Hannover wird für rund 200 Menschen vorbereitet. Die Notunterkunft in Lüchow soll dazu dienen, Menschen aus Erstaufnahmelagern, die bereits völlig überfüllt sind, erst einmal aufzunehmen. Diese seien in der Regel schon registriert. "Wir bereiten uns in Lüchow aber auch darauf vor, im Zweifel Flüchtlinge aufzunehmen, die noch nicht registriert sind und wollen so die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen entlasten", erklärt der Polizeisprecher. Lüchow werde aber definitiv kein reines Erstaufnahmelager. Ein solches plant das Innenministerium bekanntlich in Neu Tramm einzurichten. "Dazu gibt es aber noch keinen neuen Sachstand. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer laufen noch", erklärt Pressesprecherin Nadine Bunzler. Warum sich die Verhandlungen hinziehen, dürfe sie nicht sagen. Die Planungen für Neu Tramm laufen in jedem Fall völlig unabhängig von jenen in Lüchow.

Die Polizei spricht für Lüchow immer wieder von einer "Planungsgröße von 500 Flüchtlingen". Höhere Zahlen, die kurzzeitig in der Bevölkerung im Umlauf waren, dementiert Karsten Wolff: "Das ist reine Spekulation." Die Polizei dürfe nie die eigene Arbeitsfähigkeit gefährden, erklärt er. Deshalb seien Obergrenzen gesetzt, in Lüchow in dem Fall die 500. Zudem sickerten Zweifel durch, ob der Aus- und Fortbildungsbetrieb in der Polizeikaserne durch die Notunterkunft nicht doch behindert werde. Wolff: "Der Betrieb soll weitestgehend ungehindert weiterlaufen."

Ulrich Constabel, der Leiter des Polizeikommissariates in Lüchow, weiß aber: "Der Betrieb wird mit Einschnitten weiterlaufen." Denn: "Das Gelände der Kaserne muss aufgeteilt werden. Ein Fünftel des Areals wird dann noch für den Aus- und Fortbildungsbetrieb zur Verfügung stehen." Lehrgänge in Sachen Unfallaufnahme beispielsweise könnten nicht mehr in Lüchow angeboten oder müssten ausgelagert werden, erklärt Constabel. Auch mehrtägige Veranstaltungen könnten nur noch mit Einschränkungen stattfinden, denn Teile der Systembauten, also der Wohncontainer, wurden dafür bisher regelmäßig genutzt. "Aber wir haben auch in den festen Bauten mehr als 100 Übernachtungsplätze, die werden dann genutzt." Ab spätestens Montag kommender Woche werde ein Planungsbüro in Lüchow eingerichtet - "die Notunterkunft muss dann innerhalb einer Woche zum Laufen gebracht werden. Das Polizeikommissariat an sich wird aber aus der Arbeit ausgespart", sagt Constabel.

Nun müsse das Gelände in Lüchow entsprechend vorbereitet werden. Karsten Wolff spricht von Sichtschutz-Zäunen, um die Privatsphäre der Flüchtlinge wahren zu können. Zudem müsse ein separater Eingang zur Notunterkunft geschaffen werden, "die Flüchtlinge sollen mit der Polizei möglichst wenig in Berührung kommen". Für die Versorgung der Flüchtlinge haben sich die Johanniter bereiterklärt, freut sich der Polizeisprecher. "Wir arbeiten Hand in Hand. Das wird ein gutes Ergebnis."

Am Donnerstagvormittag hat es eine größere Gesprächsrunde mit der Polizeidirektion und -inspektion gegeben, an der auch die Samtgemeinde und Stadt Lüchow, der Landkreis, die Johanniter und der Lücho-wer Orts- sowie Lüchow-Dannenbergs Kreisbrandmeister beteiligt waren. Lüchows Samtgemeindebürgermeister Hubert Schwedland (parteilos) erzählt: "An der Grundorganisation ist die Samtgemeinde erst einmal nicht beteiligt." Doch was kann die Samtgemeinde konkret tun? "Wir wollen den Flüchtlingen auf jeden Fall eine herzliche Willkommenskultur schaffen, dass sie sich hier wohlfühlen." Zudem wollen Stadt und Samtgemeinde Lüchow die Bürger "ordentlich informieren, um ein klares Bild zu schaffen", betont der Samtgemeindebürgermeister.

Der Erste Kreisrat Claudius Teske begrüßt das Vorhaben, die Erstaufnahmelager zu entlasten, "ganz generell". Die jetzige Situation in einigen Aufnahmelagern sei ein "Trauerspiel für den Staat". Er wisse aber auch, "dass es für die Stadt Lüchow eine große Herausforderung" sein werde, hoffe, dass keine Übergriffe wie in anderen Gegenden stattfinden. Auch der Kreis sei organisationstechnisch aus der Angelegenheit raus, weiß Teske. "Wenn aber Unterstützung gebraucht wird, dann helfen wir. Wir haben ein Sozialamt, Integrationshelfer, ein Netz an Ehrenamtlichen und Kontakt zu Dolmetschern. Dann würden wir einspringen", verspricht der Erste Kreisrat. An der Zuteilungsquote von Flüchtlingen für den Landkreis ändere die Notunterkunft in Lüchow übrigens nichts. "Erst wenn der Kreis ein Erstaufnahmelager in Neu Tramm bekäme, würde sich der Verteilungsschlüssel für Lüchow-Dannenberg um rund 40 Prozent senken", erklärt Teske. Das sei aber nie ein Thema in irgendwelchen Gesprächen gewesen. Nach Teskes Infos sollen die Notunterkünfte bereits im Frühjahr 2016 wieder obsolet sein: "Wenn alles nach Plan läuft, gibt's dann genug Erstaufnahmelager."

 

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