Online: 06.09.2015 - ePaper: 07.09.2015

Notunterkunft über Nacht in Lüchow entstanden

ZoomEin Johanniter-Mitarbeiter säubert eine Feldküche, die innerhalb der ersten Tage im Einsatz ist. Später sollen festere Einrichtungen entstehen, beispielsweise ein Zelt.

bp/pw Lüchow. Fünf Tage früher als erwartet sind gestern rund 500 Flüchtlinge mit Bussen in Lüchow eingetroffen. Sie leben nun auf unbestimmte Zeit in der Polizeiunterkunft an der Saaßer Chaussee, die über Nacht zu einer Notunterkunft für Asylbewerber geworden ist. Feuerwehrleute, Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Johanniter Unfallhilfe, des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), des Technischen Hilfswerks (THW) und der Polizei leisteten in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag intensive Arbeit, um das sehr viel frühere Eintreffen zu ermöglichen.

Akut geworden war die Situation, weil am Sonnabend rund 7000 Flüchtlinge in München angekommen waren. "Gestern hat uns die Realität eingeholt", sagte Joachim Wolff, Sprecher der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen. Ein Zug mit 700 Männern, Frauen und Kindern war am Sonntagmorgen um 6.45 Uhr am Braunschweiger Hauptbahnhof eingetroffen. Dort gab es für die Menschen eine erste medizinische Versorgung, bevor es weiter nach Lüchow ging. Dort trafen die ersten beiden Busse um 9.45 Uhr ein. Möglich sei das schnelle Handeln nur gewesen, betonte Wolff, weil "starke Partner" dies innerhalb von nur 18 Stunden bewältigt hätten: "Das hat uns alle sehr berührt."

Berührend war auch, dass viele Lüchow-Dannenberger spontan zur Polizeiunterkunft kamen, um ihre Hilfe anzubieten. Rund 80 Menschen waren dem Aufruf der Initiative Zuflucht Wendland gefolgt, die Flüchtlinge mit einem Lied willkommen zu heißen. Singend marschierten sie zur Polizeiunterkunft, brachten als Willkommensgruß Sonnenblumen und Luftballons mit. Für die Aufnahme der Flüchtlinge sei man gut organisiert und brauche keine Hilfe, außer von Dolmetschern und Ärzten, sagte Harald Gottschalk von den Johannitern. Doch in den kommenden Tagen würden die Neuankömmlinge Unterstützung wie etwa Kinderbetreuung brauchen.

Wichtig sei es, die Menschen erst einmal ankommen zu lassen, betonte Wolff: "Die Leute haben viel hinter sich." Die Menschen sind gesundheitlich teils angeschlagen, verbreitet seien Erkältungen. Akute medizinische Fälle habe es bisher etwa drei gegeben.

Um die Menschen möglichst wenig zu belasten, haben die Helfer auch noch keine Übersicht über die Nationalitäten erstellt. Klar sei nur, dass viele aus Syrien kommen, darunter viele Familien mit kleinen Kindern. Die Neuankömmlinge erhielten Hausausweise, um das Gelände verlassen und betreten zu können. Dolmetscher informierten die Menschen, dass sie keine Angst haben müssten, bei der Polizei untergebracht zu sein. Die Atmosphäre war ruhig und unaufgeregt. "Alles ist gut angelaufen", betonte Wolff.

Man erwarte keine Übergriffe auf die Notunterkunft und auch von deren Bewohnern gehe "keine Gefahr" aus, betonte Hans-Jürgen Felgentreu, Leiter der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg. Zwar erhöhe die Polizei den Streifendienst, das aber habe "eher kommunikativen Charakter", etwa, um Flüchtlingen den Weg zu erklären. Die Bewegungsfreiheit der Menschen sei nicht eingeschränkt. Die Aus- und Fortbildung für Polizeikräfte auf dem Gelände ist für die kommende Woche gestrichen, ein "eingeschränkter Betrieb" soll anschließend möglich sein.

Noch laufe die "Notunterkunft im Notbetrieb", stellte Johanniter-Vorstand Hans-Joachim Halbach heraus, es seien deshalb Feldküchen im Einsatz. Geplant ist, am Mittwoch in den Regelbetrieb zu wechseln. Es sei "selbstverständlich, dass wir uns engagieren", betonte Lüchow-Dannenbergs Erster Kreisrat Claudius Teske, schließlich existiere in der Region eine "herausragende Willkommenskultur", außerdem sei Lüchow-Dannenberg krisenerprobt.

Wie lange die Flüchtlinge in Lüchow bleiben, dazu wollte sich niemand konkret äußern. Gut möglich ist offenbar, dass auch den Herbst und Winter über Flüchtlinge in der Polizeiunterkunft leben. Möglich ist offenbar auch, dass Erstaufnahmen durch Mitarbeiter der Braunschweiger Landesaufnahmebehörde in Lüchow stattfinden. Eine Informationsveranstaltung für Lüchow-Dannenberger ist bisher offenbar nicht geplant.

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