Online: 09.09.2015 - ePaper: 10.09.2015

Ohne Ehrenamtler würde der Betrieb in der Notunterkunft für Flüchtlinge wohl nicht laufen: Fabian Schridder ist einer von diesen Helfern, die Stunde um Stunde um die Ohren schlagen. Warum, das erzählt er im Gespräch mit der EJZ.

Fabian Schridder aus Braunschweig hilft als ehrenamtlicher Johanniter in der Lüchower Flüchtlingsunterkunft

ZoomSeit fast einer Woche arbeiten Fabian Schridder und seine Kollegen von den Johannitern und anderen Hilfsorganisationen an und in der Flüchtlingsunterkunft. Ehrenamtlich - viele nehmen dafür eigens Urlaub.

rg Lüchow. Bis vor einer Woche kannte Fabian Schridder Lüchow nicht. Woher auch. Er kommt aus Braunschweig. Seit Sonnabend weiß er es. Seither lebt er in Lüchow, sozusagen. In der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der Polizei am Stadtrand. Fabian Schridder ist ehrenamtlicher Helfer bei den Johannitern, der Hilfsorganisation, die das Auffanglager betreibt. Unterbringung, Verpflegung, Versorgung, medizinische und soziale Betreuung koordiniert. Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen halten die Johanniter die Unterkunft am Laufen. Vor allem Menschen wie Schridder: Ehrenamtler.

Vergangene Woche war der Anlagen-Mechaniker gefragt worden, ob er Zeit habe, nach Lüchow zu fahren, um bei der Einrichtung einer Notunterkunft für Flüchtlinge zu helfen. "Nachdenken musste ich nicht", sagt er. Es musste nur sein Chef zustimmen. Und das tat er. "Eigentlich sollten wir später abreisen, doch dann ging alles ganz schnell, die Planung wurde über den Haufen geworfen und wir gingen fünf Tage früher an die Arbeit", erzählt Schridder, der seit zehn Jahren für die Arbeit bei den Johnanniter seine Freizeit opfert. Nur wenige Stunden lagen zwischen dem Ende seines Einsatzes beim "Magnifest", einem Stadtteilfest in Braunschweig und seiner Abreise nach Lüchow, erinnert sich der Ehrenamtler. "Und viel Schlaf gab es seither nicht."

Es galt schließlich, eine Unterkunft für über 500 Menschen aus dem Boden zu stampfen. "Es mussten Vorbereitungen getroffen werden, die Flüchtlinge zu registrieren, medizinisch zu untersuchen, auf die Zimmer zu verteilen. Die Zimmer mussten eingerichtet, eine Versorgung aufgebaut, sanitäre Anlagen den Anforderungen angepasst werden", erzählt Schridder. Auch eine Sanitätsstation wurde gebraucht - man richtete also eine Rettungswache ein. Die wurde mit einem Rettungswagen aus dem Johanniter-Bestand versehen, ein neues Fahrzeug "ist im Zulauf", sagt Schridder. Das wird dann der Leitstaelle in Lüchow unterstellt, kann bei Bedarf Einsätze außerhalb der Flüchtlingsunterkunft fahren. "Aber eigentlich ist es hier, um bei Notfällen Patienten schnell und fachgerecht erstzuversorgen und ins Krankenhaus zu bringen."

Das alles leisten die Johanniter natürlich nicht allein. Beim Aufbau der Unterkunft halfen Feuerwehren, THW und DRK aus Lüchow-Dannenberg, Polizeikräfte und viele andere. "Alles wurde hauptsächlich von Ehrenamtlern auf die Beine gestellt", sagt Schridder, der in Lüchow als Zugführer fungiert. "Ohne die Ehrenamtlichen würde hier nichts laufen." Freiwillige des THW aus ganz Norddeutschland kümmern sich um die Verpflegung, Ehrenamtler des Lüchow-Dannenberger DRK haben das Sammeln, Sortieren und die Ausgabe von Kleider- und Sachspenden übernommen. "Bis auf jene Stellen, wo die ganz übergeordneten Entscheidungen getroffen werden, sind hier fast ausschließlich Freiwillige im Einsatz", sagt Schridder.

Aber warum? Warum kommt jemand aus Braunschweig nach Lüchow, um dort eine Flüchtlingsunterkunft zu unterstützen? "Diese Frage stellt sich eigentlich gar nicht. Wir helfen, weil wir helfen wollen. Aus Liebe zum Leben, das ist schließlich der Leitspruch der Johanniter", sagt Fabian Schridder. Bei den Johannitern gehe es, wie auch bei DRK oder den anderen Hilfsorganisationen, immer um die Menschen, da "braucht man nicht lange nachdenken, warum man das macht". Auch die Herausforderung, solche komplexen Aufgaben zu bewältigen, reize ihn. "Ich denke, ich bin ganz gut darin. Und warum soll ich das dann nicht auch machen?"

Das Camp steht mittlerweile, hat den sogenannten Regelbetrieb aufgenommen. Für Schridder und die anderen heißt das aber noch lange nicht, dass sie nicht mehr gebraucht würden. "Es geht ja weiter. Materialbeschaffung, das Schaffen von Infrastruktur, und nicht zuletzt auch das Verbessern der Abläufe - das alles wird noch dauern. Es war ja wie gesagt eine echte Hau-Ruck-Aktion."

Es könnten also noch einige Wochen werden, die Fabian Schridder und die anderen Helfer bleiben. "Je nachdem, ob mein Chef mich lässt. Und falls nicht, habe ich noch einige Wochen Urlaub, den ich nehmen könnte. Und das gilt für uns alle hier."

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