Online: 10.09.2015 - ePaper: 11.09.2015

Die Versorgung der Lüchower Flüchtlingsunterkunft stellt die Betreiber vor besondere Herausforderungen

ZoomEin Lunchpaket morgens und eines abends gibt es für die Menschen in der Lüchower Flüchtlingsunterkunft. Mittags isst man warm - und vegetarisch.

rg Lüchow. Einfach ist der Job von Robert Vietz nicht. Der junge Mann arbeitet ehrenamtlich für die Johanniter, und seit einigen Tagen tut er dies in Lüchow. In der Flüchtlingsunterkunft, die dort über Nacht aus dem Boden gestampft wurde. Die Aufgabe, die der Mann aus Celle wahrnimmt, ist mit großer Verantwortung verbunden: Vietz ist zuständig für die Verpflegung der mehr als 500 Männer, Frauen und Kinder, für die Versorgung der Flüchtlinge, dafür, dass alle satt werden. Aber auch dafür, dass das Essen, dass die Verpflegung nicht nur in ausreichenden Mengen ausgegeben wird, sondern dass sie auch den religiösen und kulturellen Vorgaben der Menschen in der Flüchtlingsunterkunft Rechnung trägt. Denn der überwiegende Teil der Menschen dort ist islamischen Glaubens, und sie müssen sich an ganz bestimmte Speisevorschriften halten.

"Am allerwichtigsten ist für uns, dass das Essen absolut kein Schweinefleisch enthält", sagt Robert Vietz. Das sei relativ einfach beim Mittagessen, wo man genau aus diesem Grunde vor allem Gerichte auf Gemüsebasis serviere. "Suppen vor allem, Eintöpfe, aber auch schon mal einen Gemüsebratling", erzählt der ehrenamtliche Helfer. Letzterer sorgte bei der Essensausgabe allerdings für Unmut, da einige Flüchtlinge meinten, es handele sich um eine normale Frikadelle - mit Schweinefleisch. "Wir konnte sie aber beruhigen, es ihnen erklären, und dann hat der Bratling auch allen geschmeckt", erzählt Vietz. Schweinefleisch zu essen ist gläubigen Moslems verboten, ebenso der Verzehr von Tieren, die nicht fachgerecht geschlachtet wurden. "Fleisch zu essen ist für Menschen muslimischen Glaubens nur erlaubt, wenn das Tier geschächtet, also ohne Betäubung durch Ausbluten getötet wurde. "Das ist ist Deutschland jedoch grundsätzlich untersagt - mit ganz wenigen Ausnahmen", erläutert Robert Vietz. Halal heißt diese Speisevorschrift aus dem Koran, dem Glaubensbuch der Muslime. Und halal heißt "erlaubt".

In der Unterkunft gibt es daher, wenn es Fleisch oder Wurst gibt, nur Produkte aus Hähnchenfleisch. Deren Verzehr ist Moslems erlaubt, Hähnchen ist halal. Außerdem werden sie im Schlachthof quasi geschächtet, auch wenn sie betäubt werden, bevor ihnen der Kopf abgetrennt wird und sie ausbluten. Also kommt Hähnchenwurst in die Lunchpakete, die morgens und abends an die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft ausgegeben werden. Dazu gibt es vier Scheiben Weißbrot, denn "unser Schwarz- oder Graubrot kennen und mögen die meisten nicht. Das gibt es so nur im deutschsprachigen Raum", weiß Vietz. Butter, Honig, Marmelade und auch Obst komplettieren das Lunchpaket. 1200 Stück werden jeden Tag von THW-Ehrenamtlern gepackt und mit Plastikmessern versehen. "Plastikbesteck deshalb, weil zum einen das Abwaschen zu aufwändig wäre, und zum anderen verhindert werden soll, dass das Besteck auf den Zimmern bleibt. Gar nicht mal, weil es wer stehlen will, sondern einfach aus Bequemlichkeit."

Kaffee und Tee gibt es den ganzen Tag über in einem der Zelte auf dem Gelände. Und Milch für die Kinder. Doch die Kleinen trinken sie etwas anders als die Kinder hierzulande. "Sie lieben es süß, machen sich nicht selten acht oder zehn Würfel Zucker hinein", schmunzelt Robert Vietz. 4000 Portionspackungen Zucker geben er und seine Mitstreiter Tag für Tag aus. "Ich bekomme zwar schon beim Gedanken daran Diabetes, aber mir soll es ja auch nicht schmecken", lächelt der Johanniter-Ehrenamtler. Auch Obst gibt es den ganzen Tag über, Bananen, Nektarinen, und jetzt auch Äpfel. "Die kannten viele der Flüchtlinge nicht, aber jetzt haben sie sie probiert und Gefallen daran gefunden."

Seit zwei Tagen kommt das Mittagessen für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft von einem Catering-Unternehmen. Einem halal-zertifizierten Caterer. Die Zutaten für die Lunchpackete liefern Edeka und C+C Schaper lastwagenweise. 700 Liter stilles Wasser täglich, 500 Liter Kaffee, 6000 Einwegbecher, kartonweise Obst und Weißbrot. Es hat sich eingespielt. "Jetzt wissen wir zum Beispiel, dass Wurst oder Fleisch in Aspik nicht in die Lunchpakete gehört", sagt Robert Vietz. "Weil im Aspik Schwein enthalten sein kann. Man lernt nie aus."

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