Online: 11.09.2015 - ePaper: 12.09.2015

Marion Lippe wohnt seit 2012 wieder in Lüchow-Dannenberg

ZoomDamenschneidermeisterin Marion Lippe stammt aus Lüchow-Dannenberg, war zwischenzeitlich aber für rund 21 Jahre fort. Seit 2012 wohnt sie nun in Groß Breese – zurzeit noch alleine. Sie hofft, dass ihr Verlobter und seine Tochter irgendwann zu ihr ziehen.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 30: Marion Lippe aus Groß Breese.

 

fb Groß Breese. 21 Jahre lang lebte Marion Lippe im Süden der Republik - zunächst in Stuttgart, danach in Darmstadt. "Dort habe ich zwar auch in ländlicheren Gegenden gewohnt, aber die Autobahnen waren trotzdem sehr nahe", sagt die 47-Jährige. Die Folge: Sie musste viel Lärm und großes Verkehrsaufkommen ertragen. Das Leben in Ballungsgebieten sei ihr deshalb auf Dauer zu turbulent geworden, erklärt Lippe. So beschloss sie, wegzuziehen, und landete vor gut drei Jahren in Groß Breese.

Doch warum ausgerechnet Lüchow-Dannenberg und keine andere ländliche Region in Deutschland? Die Antwort fällt Lippe nicht schwer, schließlich ist sie in einem Nachbarort ihres jetzigen Wohnortes - nämlich Klein Breese - aufgewachsen: "Das ist hier einfach meine Heimat, der Landkreis hat eine magische Anziehungskraft." Das Leben im Wendland habe viele Vorteile, findet die Damenschneidermeisterin. Egal, ob an der Elbe, in der Clenzer Schweiz oder in der Göhrde: Die Landschaft sei sehr schön. Ein wichtiges Merkmal des Kreises sei für sie die Natur, da die Menschen viel mehr mit und in der Natur leben würden, als zum Beispiel in Stuttgart oder Darmstadt. "Hier hört man immer, wie viel Milliliter es pro Quadratmeter geregnet hat", sagt Lippe lachend. Das finde sie sehr positiv, weil es zeige, dass die Natur das Leben mitbestimmt.

Ebenso positiv finde sie die Größe der Dörfer in Lüchow-Dannenberg. Die seien klein und gemütlich mit wenigen Einwohnern, was viel Freiraum mit sich bringe, meint die Rückkehrerin und nennt ein Beispiel: In Darmstadt habe sie in einer alten Mühle gewohnt, die mit den umliegenden Gebäuden zu einem Wohnkomplex umfunktioniert wurde. Der gesamte Komplex sei in etwa so groß gewesen, wie ihr Hof in Groß Breese: "Da haben auf der Fläche 53 Menschen gewohnt, in ganz Groß Breese gibt es nur 45 Einwohner", betont Marion Lippe. Der Kontakt mit den Groß Breesern sei gut, sie kenne alle und verstehe sich auch mit allen. "Man fühlt sich hier einfach wohl", sagt sie.

Wohl gefühlt habe sie sich auch in Stuttgart und Darmstadt, erzählt Lippe. Dort arbeitete sie am Staatstheater als Schneiderin. Ihre Ausbildung hatte sie zuvor in Lüneburg und Lüchow gemacht. Das Leben und die Stimmung im Theater habe sie sehr genossen, schwärmt sie: "Dass mehrere Werkstätten zusammen auf ein Ziel, nämlich die Aufführung, hinarbeiten, finde ich toll." Ein Theater in unmittelbarer Nähe, das fehle ihr in Lüchow-Dannenberg. Dennoch sei das kulturelle Angebot im Kreisgebiet gut, unterstreicht Lippe, die immer noch Kostüme und Kleider für Theater und besondere Anlässe wie Hochzeiten näht und halbtags in einem Bio-Laden in Gartow arbeitet. Die Kulturveranstaltungen seien immer erlesen und in einem kleinen persönlichen Rahmen: "Hier gibt es keine unpersönlichen Massenveranstaltungen." Der Landkreis biete ihr eine gute Mischung, denn sie sieht sich selbst als "Landmensch, der gern Kunst und Kultur genießt".

Von diesen kunstliebenden Landmenschen gibt es in Lüchow-Dannenberg einige. Insgesamt sei die Vielfalt an Menschen groß, sagt Lippe. Durch den Widerstand gegen die Atomanlagen Gorleben gebe es sowohl individuell lebende Zugereiste als auch Einheimische - eine gute, bunte Mischung, findet sie. Zwei wichtige Menschen in ihrem Leben fehlen aber meist trotzdem im Wendland: Lippes Verlobter Marek Lufft und dessen zwölfjährige Tochter Yola leben noch in Darmstadt, weil der 51-Jährige dort arbeitet. In den Sommerferien waren nun aber beide zu Besuch, erzählt Marion Lippe glücklich: "Mein größter Wunsch ist es, dass die beiden hierher ziehen."

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