Online: 15.09.2015 - ePaper: 16.09.2015

Anfangs hatte Bernd Kreutzkamp, der Schulleiter der Lüchower Grundschule, schon ein paar Bedenken, als er davon erfuhr, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner Schule eine Notunterkunft für Flüchtlinge entsteht. Bisher allerdings gibt es zwischen den neuen Nachbarn keinerlei Probleme.

Nachbarschaft zwischen Grundschule und Notunterkunft bisher harmonisch

ZoomAuch diese drei Jugendlichen aus Pakistan, die nicht erkannt werden möchten, wählen den Weg, der direkt an der Lüchower Grundschule vorbeiführt, Richtung Innenstadt und wie hier zurück.

tl Lüchow. Ja, zu Anfang habe er schon ein paar Bedenken gehabt, erzählt Lüchows Grundschulleiter Bernd Kreutzkamp. Als er hörte, dass direkt nebenan auf dem Gelände der Polizei eine Notunterkunft für 500 Flüchtlinge eingerichtet wird, konnte er nicht einschätzen, was das für den Betrieb seiner Schule bedeutet. "Aber es läuft alles harmonisch", sagt Kreutzkamp. Ab und zu laufe mal eine Familie direkt über den Schulhof. "Konflikte gibt es deswegen aber nicht", freut sich der Grundschulrektor.

Der Weg über den Schulhof ist neben jenem, der links an der Schule vorbeiführt, immerhin der direkte Weg für die Flüchtlinge in Lüchows Innenstadt. Die meisten von ihnen laufen anscheinend aber an der Schule vorbei, sagt Kreutzkamp. Und aus den anfänglichen Bedenken, ob der Grundschulbetrieb weiter reibungslos laufen könne, ist sogar Engagement geworden. Denn Kreutzkamp hat Kontakt zu Johannitern und Polizei geknüpft, will ein Sportangebot für Flüchtlinge in der Turnhalle an der Grundschule auf die Beine stellen (EJZ berichtete). Noch solle er damit aber ein bisschen warten, hätten die Johanniter gesagt.

Was die neuen Nachbarn auf dem Polizeigelände anbelange, hätte die Schule mit allen Kindern gesprochen. "Wir haben die Kinder gebeten, die Gäste freundlich zu empfangen, ihnen gesagt, dass diese Menschen in großer Not sind. Und das haben die Grundschüler auch verstanden", erklärt Kreutzkamp. Und von dem, was er gehört habe, sei die Stimmung auch bei den Eltern im Großen und Ganzen gut. Erschrocken sei er über die Aussage einer Mutter, die forderte, dass die Polizei von nun an auf dem Grundschulhof patrouillieren solle, weil die Menschen aus den Kriegsgebieten gefährlich seien (EJZ berichtete). Für solche verachtende Meinungen habe er kein Verständnis, betont der Grundschulrektor. Das sei aber auch die einzige abwertende Äußerung, die er bisher in diesem Zusammenhang von Eltern der Grundschulkinder gehört habe.

Hans-Jörg Pewsdorf ist stellvertretender Vorsitzender des Grundschulelternrates und glaubt, dass die Stimmung in der Elternschaft recht positiv sei: "Bisher gab es kein negatives Feedback, bisher musste ich noch mit keinem Elternteil darüber sprechen. In der Regel melden sich Leute immer erst, wenn sie etwas stört", sagt Pewsdorf. Schon im vergangenen Jahr habe man sich getroffen, um zu überlegen, wie man sich auf Flüchtlinge in der Schule einstellen könne, berichtet Pewsdorf. Ob man eine eigene Klasse bilden sollte oder sie in die bestehenden Klassen eingliedern sollte, um ihnen "bestmögliche Chancen" zur Integration zu geben. "Die Schule ist jedenfalls sehr gut darauf vorbereitet", betont der stellvertretende Elternratsvorsitzende. Das allerdings betrifft nur jene Flüchtlingskinder, die zurzeit in Lüchow-Dannenberg schulpflichtig sind - nicht jene aus der Notunterkunft. In diesem Jahr sind sieben Flüchtlingskinder eingeschult worden (EJZ berichtete).

Ob die Nähe der Grundschule zur Notunterkunft mit in die Bewertung eingeflossen ist, ob das Gelände der Polizei für eine Notunterkunft für Flüchtlinge geeignet ist oder nicht, kann Kreutzkamp nicht beantworten. Er habe jedenfalls im Vorfeld nichts aus dem Innenministerium oder von der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) gehört. Auf Nachfrage der EJZ beim Innenministerium verweist Sprecher Matthias Eichler auf die ZPD. Dort sei man für diese Sachen zuständig. Karsten Wolff, der Pressesprecher der ZPD, betont: "Die Entscheidung war nicht davon betroffen, dass es in direkter Nachbarschaft eine Schule gibt. Wo kämen wir denn dann hin? Wir reden hier über eine Notunterkunft für Flüchtlinge und nicht über eine Außenstelle einer Justizvollzugsanstalt."

Die ZPD habe von Anfang an auf Transparenz gesetzt und auch über die inoffiziellen Strukturen wie Landkreis und Samtgemeinde informiert. "Damit wollten wir die Menschen sensibilisieren. Und ich glaube, das ist uns ganz gut geglückt", erklärt Wolff. Bisher jedenfalls habe die Polizei keine besonderen Vorkommnisse an der Grundschule registriert.

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