Online: 17.09.2015 - ePaper: 18.09.2015

Die Dannenberger Elbe-Jeetzel-Klinik hatte innerhalb der zurückliegenden Tage ungewöhnlich viel zu tun. Ärzte der Klinik untersuchten die Flüchtlinge, die in der Lüchower Notunterkunft angekommen waren. Dass viele Mediziner des Krankenhauses auch andere Sprachen als Deutsch sprechen, war ein großer Vorteil.

Dannenberger Klinik kümmert sich um medizinische Versorgung von Flüchtlingen

ZoomWenn Flüchtlinge aus der Notunterkunft in Lüchow medizinische Bahendlung brauchen, ist für sie die Capio Elbe-Jeetzel-Klinik zuständig. Und dort werden Neuankömmlige auch auf Tuberkulose untersucht.

rg Dannenberg/Lüchow. Es waren hektische Tage in Lüchow, als vor knapp zwei Wochen mehr als 500 Flüchtlinge in einer Hau-Ruck-Aktion in der Polizeikaserne am Stadtrand untergebracht wurden. Von jetzt auf gleich musste, wenn man so will, ein ganzes Dorf errichtet, mussten Infrastruktur und Logistik organisiert, eine Betreuung sichergestellt werden. Und man musste sich darum kümmern, dass die Menschen in der Notunterkunft nicht nur medizinisch untersucht, sondern auch versorgt werden konnten. Übernahmen Ersteres noch zumeist Ärzte, die sich freiwillig und ehrenamtlich meldeten, zog man für die medizinische Versorgung die Capio Elbe-Jeetzel-Klinik heran. Und dort hat man damit seither alle Hände voll zu tun.

"Wir hatten einen Vorlauf von gerade einmal sechs Stunden", berichtet Klinikchef Dr. Marcus Fröhling. Denn natürlich sei das Krankenhaus in die Planungen für die Unterkunft einbezogen worden, aber dort rechnete man eigentlich erst eine Woche später mit der Ankunft. "Das war eine ungewöhnliche Situation", so Fröhling, die man jedoch "gut gemeistert" habe. Auch, weil sich viele Ärzte der Klinik freiwillig gemeldet hätten, zum einen für die Erstuntersuchung der Flüchtlinge in der Unterkunft, zum anderen aber auch für die Behandlung der Menschen in der Klinik. Zugute gekommen sei der Klinik dabei die Tatsache, dass dort gleich mehrere Ärzte arbeiten, die die Sprachen der Flüchtlinge in der Notunterkunft sprechen. "Wir haben hier Mediziner, die Arabisch sprechen, Persisch und sogar Farsi", sagt Fröhling. Auch Russisch, Polnisch und natürlich Englisch und Französisch stehen auf der Liste, die man eigens anfertigen ließ um einen Überblick zu bekommen, welche Sprachen das Klinik-Personal spricht. "Das ist eine unglaubliche Hilfe, denn schließlich muss man die Menschen ja verstehen können, wenn man sie vernünftig behandeln will", sagt Fröhling.

Doch die Sprachbarrieren seien nur eines der Probleme in der aktuellen Situation. Vor allem die Röntgenabteilung komme an ihre Grenzen, weil die Flüchtlinge allesamt durchleuchtet werden müssten - ein Torax-Röntgenbild müsse erstellt werden, um auszuschließen, dass jemand mit Tuberkulose infiziert ist. "In der jetzigen Situation geht das gerade noch, es lässt sich noch bewerkstelligen, weil es ja, wenn man so will, einmalig war", sagt Fröhling. Sollte aber die geplante Erstaufnahmeeinrichtung in Neu Tramm Wirklichkeit werden, wo dann alle zwei Wochen über 600 Menschen untersucht werden müssten, lasse sich das nur mit einem mobilen Röntgengerät vor Ort schaffen. Die seien allerdings derzeit - eben wegen der zahlreichen Flüchtlinge - in Deutschland Mangelware. "Man muss sehen, wie man das handhabt."

Nach der Erstuntersuchung waren einige Menschen mit kleinen Blessuren vor Ort behandelt worden, zwölf Flüchtlinge kamen als Patienten ins Dannenberger Krankenhaus. "Einen Mann mussten wir mit Herzproblemen stationär aufnehmen, die anderen wurden ambulant behandelt", berichtet der EJK-Chef. Sie hätten Infektionskrankheiten gehabt, Erkältungen, einige litten an Krätze. "Nicht ungewöhnlich wenn man bedenkt, dass sie lange unterwegs waren und unter wenig hygienischen Verhältnissen leben mussten." Aktuell kämen die Flüchtlinge vor allem mit grippalen Infekten, aber auch wegen Laus-Befalls zur Behandlung. "Die medizinische Überwachung dort ist wichtig, weil viele Menschen mit möglicherweise angeschlagenem Immunsystem auf engem Raum zusammenleben - und das ist ein guter Nährboden für Infektionskrankheiten", weiß Fröhling. "Wenn dort eine Epidemie ausbricht, würde das unsere Möglichkeiten als Klinik übersteigen." In der Unterkunft würden - von den Johannitern organisiert - Ärzte Sprechstunden anbieten und die Menschen, wenn sie behandelt werden müssen, an die Klinik weiterleiten.

Unklar ist, wie die Behandlungen abgerechnet werden. "Klar ist, dass sie bezahlt werden, aber derzeit wissen wir noch nichts Genaues", erläutert Fröhling. Gleiches gelte für die verwendeten und verabreichten Medikamente und das Verbrauchsmaterial. "Aber letztlich geht es darum, Menschen zu helfen. Alles andere ist zweitrangig", findet er.

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