Online: 24.09.2015 - ePaper: 25.09.2015

Neben aller Willkommensstimmung macht sich langsam auch Unmut breit in Lüchow-Dannenberg. Vor allem bei jenen, die gerne in den Notunterkünften helfen wollen, aber nicht hereingelassen werden. Die EJZ hat mit beiden Seiten gesprochen.

Einige potenzielle Helfer fühlen sich von der Lüchower Notunterkunft für Flüchtlinge ausgesperrt

ZoomHinter schweren Toren: Einige potenzielle Helfer bemängeln, dass die Johanniter als Betreiber der Notunterkunft nicht auf die angebotene Hilfe zurückgreifen würden. Der Frust sitzt inzwischen offenbar tief.

bp Lüchow. Dass so viele Menschen den Flüchtlingen helfen möchten, die auf dem Gelände der Lüchower Notunterkunft leben, ist keine Selbstverständlichkeit. Zahlreiche Initiativen haben sich gegründet (EJZ berichtete), viele Menschen möchten anpacken. Doch: Die potenziellen Helfer fühlen sich nicht selten ausgegrenzt, sind teilweise verärgert, wünschen sich eine Verbesserung der Kommunikation mit den Johannitern, dem Betreiber der Notunterkunft.

Die gleicht aus Sicht der Kritiker einer Festung. Zwar können sich die auf dem Gelände Lebenden frei bewegen, allerdings können Besucher und Helfer nur nach vorheriger Absprache das Areal betreten. "Deutliche Kritik" formuliert Hauke Stichling-Pehlke aus Hitzacker, Mitglied der Initiative Zuflucht Wendland. Die Kooperationsbereitschaft sei vonseiten der Betreiber gering, viele Hilfswillige hätten nach einigen Tagen des Stillstandes auch schlicht "keine Lust mehr, hinzugehen und sich wegschicken zu lassen". Er berichtet von mehreren Menschen, die am Eingangstor abgewiesen wurden. "Und da waren keine Bemühungen da, uns das zu erklären", bemängelt er.

Unter anderem sei ein Flüchtling aus Hitzacker extra mit dem Bus nach Lüchow gefahren, um als Übersetzer zu helfen. Auch er sei abgewiesen worden und musste unverrichteter Dinge die Rückfahrt antreten. Solche Erlebnisse würden potenzielle Helfer frustrieren, meint Pehlke. Auch, weil die Ablehnung mitunter "auf nicht so angenehme Art und Weise" kommuniziert werde. Zwar seien ein paar Leute als Unterstützer aufs Gelände gekommen, allerdings lasse die Zusammenarbeit mit den Johannitern bis heute zu wünschen übrig. Ihn ärgert vor allem, dass das große Potenzial an "Menschen, die viel Erfahrung mit Geflüchteten haben, nicht ausreichend ernst genommen", werde. Obwohl stellenweise mitzubekommen sei, dass die Johanniter mit manchen Aufgaben überfordert seien, so Stichling-Pehlkes Sicht, würden diese nicht oder zu wenig auf die Freiwilligen zurückkommen. Sein Fazit: "Da passiert gar nichts." Auch Alexander Ottavio von der Facebook-Gruppe "Wendland-Humanity - Hilfe für Flüchtlinge" bemängelt, dass die großen Ressourcen an Lüchow-Dannenberger Helfern nicht ausgeschöpft würden.

Johanniter-Sprecherin Lena Kopetz sieht das anders. Täglich seien zehn bis 15 ehrenamtliche Helfer auf dem Gelände aktiv. Die Hilfsbereitschaft sei groß, die Johanniter würden die Einstellung der Lüchow-Dannenberger sehr schätzen. Allerdings wirbt sie auch für Verständnis dafür, dass nicht jeder Helfer berücksichtigt werden kann: "Wir müssen Wege und Strukturen finden, die Hilfe gut zu koordinieren." Sie unterstreicht, dass es sich eben um eine Notunterkunft handle, was bezüglich der dort bestehenden Strukturen etwas anderes sei, als wenn Flüchtlinge regulär auf die Kommunen verteilt würden. Besonders wichtig sei es vor diesem Hintergrund, die Hilfsangebote an dem Bedarf der Menschen auszurichten. Das sei in jeder der acht Notunterkünfte, die die Johanniter landesweit betreiben, ähnlich. In Lüchow komme allerdings hinzu, dass stets eine "Abstimmung mit der Polizei" notwendig sei. "Menschen können weiterhin auf uns zukommen, dann schauen wir, wie wir die Helfer integrieren können", betont Kopetz und nennt die Telefonnummer (0511)67896633. Wichtig sei es, sich zusammenzusetzen und eine Lösung zu finden.

Auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen hat sich inzwischen in die Unstimmigkeiten eingeschaltet. "Unterstützerinnen und Unterstützer sollten als Chance und nicht als Sicherheitsproblem behandelt werden", betont dessen Geschäftsführer Kai Weber. Die "fortgesetzten Beschwerden über Lüchow" seien für den Flüchtlingsrat "Anlass, uns die Einrichtung einmal genauer anzusehen". Weber hat auch eine Mail, die der EJZ vorliegt, an Susanne Graf, die Leiterin der Landesaufnahmebehörde (LAB) für Asylsuchende in Niedersachsen, geschrieben. Darin heißt es: "Offenkundig gibt es beim Träger noch Nachhilfebedarf, was den Umgang mit Unterstützergruppen und Flüchtlingshilfe angeht." Weber hat die LAB darum gebeten, "dafür zu sorgen, dass auch in Lüchow-Dannenberg die Geflüchteten eine Unterstützung von außen erhalten können, und dass haupt- und ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer nicht diskriminiert und ausgegrenzt, sondern unterstützt werden".

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