Online: 25.09.2015 - ePaper: 26.09.2015

Es ist die zweite Notunterkunft für Flüchtlinge in Lüchow-Dannenberg: Das "Camp" am Dannenberger Stadtrand. 600 Menschen sind dort erst einmal untergekommen - doch keiner weiß derzeit so recht, wann und wie es weitergeht.

Camp Dannenberg noch im Notbetrieb

ZoomPetra Steckelberg kümmert sich im Flüchtlingscamp um alles – sie ist die Campleiterin und das Gesicht der DRK für die rund 600 Bewohner mit ihren Sorgen und Nöten.

rg Dannenberg. Petra Steckelberg kennt jeder in der Dannenberger Notunterkunft. Kaum ein Gang, den sie zu erledigen hat, ohne dass sie angesprochen wird, kaum ein Weg, den sie gehen muss, der nicht unterbrochen wird von Menschen, die etwas von ihr wollen. Vor allem Informationen. Wann geht es weiter, wie geht es weiter, was kommt auf die Menschen zu, die vor Krieg und Elend flüchteten und auf dieser Flucht in Dannenberg landeten. "Ganz ehrlich: Wir wissen es nicht", sagt Petra Steckelberg. Alles ist in der Schwebe. Alles ist derzeit ungewiss. Die Flüchtlingshilfe läuft im Notbetrieb. Auch in Dannenberg.

"Eigentlich soll es so laufen, dass die Menschen von hier nach und nach nach Braunschweig gebracht werden, um dort die Erstaufnahme zu durchlaufen - und ihren Asylantrag zu stellen", erklärt die Campleiterin. "Camp" - so nennen die Mitarbeiter und Freiwilligen des DRK-Kreisverbandes, die Feuerwehrleute, die THWler und die nicht-uniformierten Helfer die Notunterkunft im Dannenberger Gewerbegebiet Breeser Weg. "Lager klingt furchtbar", sagt Steckelberg. Camp hingegen hoffnungsvoll. Und die Menschen, die dort jetzt seit einigen Tagen leben, sind voller Hoffnung. Hoffnung auf Frieden und Sicherheit. Darauf, bald wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. "Daher wollen auch alle schnell ihre Papiere zusammenbekommen, ihren Asylantrag, Bescheinigungen. Doch das alles dauert derzeit länger. Viel länger", sagt Petra Steckelberg. Die große Flüchtlingsanzahl verlangsamt den Prozess. Was einst Tage oder Wochen dauerte, braucht heute Monate. Was früher Monate in Anspruch nahm, kann heute Jahre dauern. "Den Menschen bleibt nichts über, als zu warten", sagt die Campleiterin. "Wir wollen dafür sorgen, dass es ihnen beim Warten an nichts fehlt."

Das Essen für die 600 Menschen kam bis gestern aus der Feldküche der Kreisfeuerwehrbereitschaft. Tag und Nacht standen die Ehrenamtler des Versorgungszuges an den vier großen Kesseln. Heute hat diese Aufgabe ein Catering-Unternehmen übernommen. "Das sollte viel früher geschehen, aber wir hatten Probleme, einen Caterer zu finden. Die versorgen alle schon Flüchtlingseinrichtungen. Der Markt ist leergefegt", beschreibt Steckelberg eine Situation, die auch in anderen Bereichen nicht besser ist. Decken, Bettzeug, Hochbetten, Dixi-Klos, Wohncontainer, Bauzäune, mobile Küchen - nichts gibt es mehr. "Und wenn, dann muss man es selbst abholen, weil die Firmen nicht mehr zum Ausliefern kommen." Sie wissen nicht, wie man es bewerkstelligen wolle, noch weitere Flüchtlingsunterkünfte einzurichten. Es fehle schlicht an allem.

Auch an Menschen. "Das, was unsere DRK-Bereitschaft hier in den vergangenen Tagen und Wochen gemeinsam mit der Feuerwehr geleistet hat, ist unglaublich", weiß Steckelberg. Aber sie weiß auch: Lange geht das nicht mehr so weiter. "Die Leute sind fertig, seit Tagen bekommen sie kaum Schlaf, arbeiten Tag und Nacht." Daher zögen heute auch viele Ehrenamtler ab, werden durch hauptamtliche Kräfte des DRK ersetzt. "Wir werden hier eine ganze Reihe von Leute einstellen, Arbeitsplätze schaffen", sagt Steckelberg. Stellenanzeigen werden geschaltet, Leute hätten sich eigeninitiativ beworben, andere spreche man gezielt an. "Übergangsweise bekommen wir Personal vom Landesverband. Das braucht er aber bald zurück, wir müssen uns be-eilen", sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Hanelt.

Das Camp in Dannenberg läuft unterdessen weiter. "Es soll kein Dauerwohnsitz für Flüchtlinge werden, die Menschen sollen in Wohnungen ziehen. Aber es wird das Camp sicherlich länger geben", meint Petra Steckelberg. "Die Flüchtlingsbewegung nach Europa hat noch nicht einmal ihren Scheitel erreicht." In Dannenberg ist man vorbereitet. Es gibt ein TV-Kino mit syrischem Programm, W-Lan-Hotspots, einen Bolzplatz, Sitzgelegenheiten, ein Spielplatz soll gebaut werden. "Wenn sich ein Unternehmen findet, das Zeit hat, ihn zu bauen", sagt Steckelberg. Eine Nähstube gibt es, einen Friseursalon - von den Flüchtlingen organisiert, genau wie ein Müllsammeldienst. Und bald kommt auch noch ein Waschsalon hinzu. "Die Menschen möchten sich um sich selbst kümmern", sagt Steckelberg. "Und wir wollen ihnen das hier ermöglichen. So gut es eben geht."

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