Online: 28.09.2015 - ePaper: 29.09.2015

Wer keine Krankenversicherung hat, kann in Lüchow-Dannenberg auch künftig auf eine Behandlung beim Arzt hoffen. Mediziner Karlheinz Pralle und andere Ärzte wollen das System "Praxis ohne Krankenschein" weiterführen und dezentralisieren.

Einige Mediziner wollen Menschen ohne Krankenschein im normalen Praxisbetrieb behandeln

ZoomAm nächsten Mittwoch wird der Allgemeinmediziner Karlheinz Pralle die Behandlung von Patienten, die keinen Krankenversicherungsschutz haben, zum letzten Mal im Allerdlüd in Lüchow anbieten. Die Resonanz der Patienten sei dort zu gering gewesen. Patienten ohne Krankenschein werden ab Anfang Oktober in den Praxen der teilnehmenden Mediziner zu den üblichen Sprechzeiten behandelt.

as Lüchow. Das Angebot der "Praxis ohne Krankenschein" (PoK) für Menschen, die keine Krankenversicherung haben oder sich illegal in Deutschland aufhalten, wird ab dem 1. Oktober umstrukturiert und dezen-tralisiert.

Das hat Karlheinz Pralle, Allgemeinmediziner aus Lüchow, gegenüber der EJZ angekündigt. Das Neue: Das Behandlungsangebot wird künftig dezentral in den Praxen jener Mediziner angeboten, die beim PoK-Projekt mitmachen. Jene Patienten, die keine Versichertenkarte besitzen, werden wie andere Behandlungsbedürftige auch während der normalen Sprechstundenzeiten von den Ärzten versorgt. Das Beratungsangebot der AWO sowie die Betreuung durch ehrenamtliche Kümmerer wird es natürlich auf Anfrage auch weiterhin geben.

War die PoK zunächst in der Tarmitzer Straße in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt untergekommen, so wagte Karlheinz Pralle den Versuch, die Patienten im Allerlüd zu behandeln und auch dort mit der qualifizierten Sozialberatung zu verknüpfen.

Doch der Versuch war nicht von Erfolg gekrönt. Es seien nur "sehr wenige Patienten" ins Allerlüd gekommen, um sich dort behandeln zu lassen. Das habe möglicherweise an der kurzen wöchentlichen Behandlungszeit oder an der Lage des Allerlüds außerhalb des Lüchower Zentrums gelegen, obwohl die PoK mittlerweile auch einen Fahrdienst anbiete. Inwieweit diese Menschen skeptisch seien, ob im Allerlüd die ausreichende Anonymität gewährleistet ist, darüber lasse sich nur spekulieren. Fakt sei aber, dass die Zahl der behandelten Patienten in der Tarmitzer Straße größer gewesen sei.

Die neuen Rahmenbedingungen für die Mediziner, die sich in ihren Praxen nun an der PoK beteiligen: Jede Praxis erhält einen Stempel der PoK, der für die Verordnung von Medikamenten auf grünen Rezepten genutzt werden muss. Jede teilnehmende Praxis behandelt Patienten ohne Krankenversicherung zu den normalen Sprechzeiten in den jeweiligen Praxisräumen. Einen separaten Praxisraum wird es somit im Allerlüd in Zukunft nicht mehr geben. Die Arbeiterwohlfahrt führt eine Liste mit Sozialarbeitern, Dolmetschern und Kümmerern, auf die jede Praxis telefonisch und beizeiten auch über die Website der PoK zugreifen kann. Dort soll auch die Liste der beteiligten Apotheken und Fachärzte sowie Physiotherapeuten bereitliegen.

Stationäre Behandlungen müssen auch künftig mit Pralle abgesprochen werden, weil sich bisher keines der näheren Krankenhäuser genauer zu einer kostenlosen Behandlung entsprechender Patienten bereit erklärt habe. Indessen habe das Labor Kramer angekündigt, auch künftig ein Basislabor auf Nachfrage kostenfrei anzubieten; auch dahierfür hätten die behandelnden Mediziner den Stempel der PoK zu nutzen und in einem kurzen Telefonat den Labor-Bedarf zu besprechen.

Menschen ohne Krankenschein, die eine anonyme und kostenlose medizinische Hilfe benötigen, können sich bei folgenden Medizinern ab dem 1. Oktober behandeln lassen:

Karlheinz Pralle, Lange Straße 10, Lüchow, Telefon (05841) 9600, Sprechzeiten Mo-Fr von 8 bis 12 Uhr, Mo+Di+Do von 17 bis 18.30 Uhr.

Lars Kämpfer, Hans-Borchardt-Platz 1, Gartow, Telefon (05846) 980479, Sprechzeiten Mo-Fr von 8.30 bis 12 Uhr und Di+Do von 16 bis 18 Uhr.

Dr. med. Jonas Niemann, Lindenallee 22, Schweskau, Telefon (05883) 1331, Sprechzeiten Mo-Fr von 8.30 bis 12 Uhr und Mo+Do von 16 bis 18 Uhr.

Thomas Mrozek, Marschtorstraße 12, Dannenberg, Telefon (05861) 98980, Sprechzeiten Mo-Fr von 8 bis 12 Uhr und Di+Do von 15 bis 18 Uhr.

Marcus Hinner, Salzwedelerstraße 17, Lüchow, Telefon (05841) 3344, Sprechzeiten Mo-Fr von 8 bis 12.30 Uhr und Di+Do von 15 bis 18 Uhr.

Wer die Sozialberatung der Arbeiterwohlfahrt in Anspruch nehmen möchte, kann einen Beratungstermin unter Telefon (05841) 979211 absprechen.

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