Online: 28.09.2015 - ePaper: 29.09.2015

Sowohl die Haupt- als auch die Ehrenamtler in Lüchow-Dannenberg sind platt, sie können nicht mehr, sagt der Erste Kreisrat Claudius Teske. Man sei in Sachen Notunterkünften für Flüchtlinge längst über die Kapazitätsgrenzen an Personal hinausgegangen.

Dritte Notunterkunft in Lüchow-Dannenberg vor Start - Ehrenamtler "sind platt"

ZoomSo leer wie auf diesem gestern aufgenommenen Foto, das eine Baracke zeigt, wird es auf dem Gelände der Woltersdorfer Üfest ab morgen nicht mehr aussehen. Dann sollen rund 250 Flüchtlinge in der neu geschaffenen Notunterkunft ankommen.

bp Woltersdorf. Hauptamtliche Mitarbeiter der Kreisverwaltung und des Bauhofs der Samtgemeinde Lüchow haben am vergangenen Wochenende die ehemalige Übersee-Funkempfangsstation (Üfest) zwischen Woltersdorf und Krautze als inzwischen dritte Lüchow-Dannenberger Notunterkunft hergerichtet (EJZ berichtete). Bereits morgen sollen 250 Flüchtlinge ankommen. "Wir sind glücklich, dass es so geklappt hat, aber es war eine Schweinearbeit", zieht der Erste Kreisrat Claudius Teske Bilanz.

Er betont, dass Lüchow-Dannenbergs ehrenamtliche Ressourcen "alle aufgebraucht" seien. Der Versorgungstrupp der Kreisfeuerwehrbereitschaft beispielsweise sei, nachdem er bereits in der Lüchower Notunterkunft tätig gewesen war, erneut eine Woche lang in Dannenberg tätig gewesen. "Die sind jetzt platt", unterstreicht Teske. Nur ein Beispiel, das verdeutlicht: Die Kräfte sind auch im krisenerprobten Kreisgebiet nicht grenzenlos. Teske sagt sogar: "Die Kapazitätsgrenzen sind längst überschritten." Es sei inzwischen zu wenig Zeit für Ehren- und Hauptamtliche, durchzuatmen, sich zu regenerieren. Überhaupt mangele es an allem. Aktuell sei es schwierig, Ärzte für die Erstuntersuchungen zu finden. Und wenn auch noch in Neu Tramm eine Notunterkunft - statt einer bisher geplanten aber noch nicht fest zugesagten Erstaufnahmestätte - entsteht? Darauf eine Antwort zu finden, fällt Teske momentan schwer.

Woltersdorfs Bürgermeister Klaus Böttcher (CDU) hatte "im Bauch, dass dieser Kelch nicht an uns vorübergehen würde", es biete "sich ja auch irgendwie an". Es müsse sein und sei "in Ordnung so". Er ist nun auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern (siehe Infokasten). Überrascht sei er, wie ordentlich die Baracken seien - "keine Absteige". Sicherlich seien nicht alle Woltersdorfer begeistert von der Entscheidung, Negatives sei ihm aber noch nicht zu Ohren gekommen. Aufgrund der recht weiten Entfernung zum nächsten Ort sei der Einsatz von Bussen geplant.

"Wir sind guten Mutes", betont Harald Kreft, Leiter der Schnell-Einsatz-Gruppe beim Arbeiter-Samariter-Bund, der die Unterkunft betreibt. Man sei "sehr eng in der Planung" gewesen und nicht ortskundig, was die Sache nicht leichter mache. Gestern seien zentrale Punkte wie Sicherheitsdienst, Reinigung und Aufbau der Registrierung über die Bühne gegangen.

Erfahrung mit Flüchtlingen in der Üfest hat die Gemeinde seit Jahrzehnten. 1946 hatte die britische Militärregierung das Areal zur Aufnahme von Flüchtlingen an den Landkreis übergeben. Und auch während der Jugoslawienkriege in den 90er-Jahren waren 700 Flüchtlinge dort untergebracht. "Damals ist alles gut gegangen", erinnert sich Böttcher.

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