Online: 29.09.2015 - ePaper: 30.09.2015

Mitglieder der Initiative ZuFlucht Wendland bauen in Kroatien und Serbien Camps für Flüchtlinge

ZoomDie Mitglieder der Initiative ZuFlucht Wendland bauen in Ungarn, Serbien und Kroatien im Krisengebiet Flüchtlingscamps auf. Hier ist ein Lager bei Röszke an der serbisch-ungarischen Grenze zu sehen.

fb Meuchefitz. Am Stacheldrahtzaun an der serbisch-ungarischen Grenze patrouilliert die Polizei. Im Flüchtlingslager wecken andere Polizisten die Flüchtlinge, indem sie an den großen Zelten wackeln, und pferchen sie dann in die Busse. "Wie soll man da keine Angst bekommen", schimpft Theres. Ihr selbst falle es schwer, die Bilder aus dem Kopf zu kriegen. Bei den Flüchtlingen müsse das schwere Traumata auslösen, vermutet die 59-Jährige. Eine Woche lang war die Meuchefitzerin mit anderen Mitgliedern der Initiative ZuFlucht Wendland im ungarischen Röszke und im serbischen HorgoÅ¡, um im Krisengebiet aktiv Hilfe zu leisten.

Und obwohl sie nur helfen wollte, sei sie mehrmals in Situationen geraten, in denen man mit sich selbst hadere, sagt sie. So zum Beispiel, als die Polizisten die schlafenden Flüchtlinge nachts aufweckten, damit sie im Bus abtransportiert werden konnten. "Die haben einfach an den Zelten gerüttelt und waren laut", schildert Theres. Deshalb seien sie und andere freiwillige Helfer dann in die Zelte gegangen, um "die Menschen sanfter zu wecken". Das Gefühl, jemanden geweckt zu haben, nur damit er danach abtransportiert wird, sei dennoch schlimm gewesen - genau wie die Tatsache, dass "man da selbst so wenig helfen kann", meint sie.

Zelte, Decken, Schlafsäcke - all das nehmen die Helfer aus dem Wendland mit nach Serbien und Kroatien, erzählt Hansel. Der 71-Jährige ist einer der Organisatoren. Zurzeit seien sieben oder acht Leute vor Ort, um zu helfen. Insgesamt bestehe die Initiative ZuFlucht Wendland aus 30 Personen. Meist würden die Gruppen für eine Woche im Krisengebiet bleiben, bevor sich dann die nächste Gruppe auf den Weg mache - zusammen mit anderen Gruppierungen aus Berlin, Polen und Tschechien. Einige seien sogar schon mehrmals in Röszke oder HorgoÅ¡ gewesen.

Für Theres war es das erste Mal. Rund 15 Stunden dauert die Fahrt. Sie erlebte die letzten Tage, an denen der Grenzübergang Röszke zwischen Serbien und Ungarn noch geöffnet war: "Die Flüchtlinge kamen aus Mazedonien nach Serbien", sagt Theres, "so viele wie möglich wurden zur ungarischen Grenze nach Röszke gebracht." Dort habe es deshalb viel zu viele Flüchtlinge auf einmal gegeben, weil die Flüchtlingslager der ungarischen Hilfsorganisationen voll gewesen seien. Schnelle Fluchtpunkte mussten also her. Die Wendländer haben mitgebrachte Zelte aufgebaut, Lebensmittel, die sie vor Ort gekauft haben, verteilt. Das seien immer Aufenthaltsorte für ein bis zwei Tage oder auch mal nur wenige Stunden gewesen, erklärt Theres. Unterstützung habe es auch aus der einheimischen Bevölkerung gegeben: "Die haben Klamotten und Brot verteilt."

Die Flüchtlinge seien alle erschöpft gewesen, sagt Theres. Kein Wunder, nach den ganzen Strapazen der Flucht. Dankbar für die Hilfe hätten sich die meisten dennoch gezeigt: "Die Flüchtlinge sagen tausend Mal: ‚Thank you, thank you'." Sie sei beeindruckt von den Flüchtlingen gewesen, betont Theres. Sie seien alle solidarisch untereinander: "Es geht ihnen nicht nur darum, selbst zu überleben, sondern darum, dass so viele wie möglich überleben." Bei der Essensausgabe sei es deshalb vollkommen normal für die Flüchtlinge, dass Kinder und schwache Menschen zuerst dran kommen. Und auch die einheimischen Polizisten hätten ab und an eine Suppe abgegriffen, erzählt Theres.

Wenn die Flüchtlinge mit dem Bus weitergebracht wurden, sei es für sie und die anderen Helfer noch einmal anstrengend geworden: "Dann geht es darum, so viele Zelte wie möglich zu retten." Außerdem müsse man den hinterlassenen Müll entsorgen - und da kaum Dixie-Toiletten vorhanden seien, auch die Fäkalien der Flüchtlinge. Viel Arbeit und Hilfe leistet die Initiative ZuFlucht Wendland also vor Ort. Von der ursprünglichen Idee, Flüchtlingen über die Grenze nach Deutschland zu helfen, habe man aber Abstand genommen, sagt Hansel: "Bei der Masse der Flüchtlinge kommt einem eine direkte Fluchthilfe mit dem Auto oder so wie die reinste Sisyphusarbeit vor." Zudem würden die Zollbeamten an den Grenzen jedes Auto kontrollieren. "Es gibt sicher Menschen, die es versuchen, aber ich würde mich das nicht trauen", meint Theres. So bleibt es bei der Flüchtlingshilfe direkt im Krisengebiet.

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