Online: 29.09.2015 - ePaper: 30.09.2015

Warum ist es so schwierig, in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Lüchow zu helfen? Es war die zentrale Frage, die sich durch den Infoabend zur Notunterkunft in der St.-Johannis-Kirche in Lüchow zog.

Helfer kritisieren hohe bürokratische Hürden in Sachen Notunterkunft bei Infoveranstaltung zu Flüchtlingen in Lüchow

ZoomInfos zur Lüchower Notunterkunft für Flüchtlinge: Dirk Verleger (rechts), im Landesinnenministerium aktuell mit der Unterbringung von Flüchtlingen betraut, beantwortete die Fragen der Besucher, Lüchows Bürgermeister Manfred Liebhaber (SPD) moderierte.

bp Lüchow. Die Lüchow-Dannenberger sind ein besonderes Völkchen. Das mag sich während der Infoveranstaltung zur Lüchower Notunterkunft am Donnerstagabend in der St.-Johannis-Kirche auch Dirk Verleger, im Landesinnenministerium mit der Unterbringung von Flüchtlingen betraut, gedacht haben. Denn während solche Veranstaltungen anderswo aus dem Ruder laufen, weil sich Menschen bedroht fühlen, ging es in der Lüchower Kirche - ein Ort der aufgrund seiner beruhigenden Ausstrahlung geschickt gewählt war - fast ausschließlich um eine Frage: Warum können die Lüchow-Dannenberger nicht so helfen, wie sie es gern täten? Verleger dankte den Bürgern "dieses Landkreises für das besondere Engagement" und sprach von einer "schwierigen Situation, die wir durchleben". Manch einem war die Hilfsbereitschaft aber auch zu viel: "Die wendländischen Eigenarten sollten zugunsten der Bedürfnisse der Menschen in der Notunterkunft zurücktreten", meinte einer der rund 130 Besucher.

Eines wurde ganz deutlich: Niemand weiß im Moment, wohin die Reise geht. Gesungene Willkommensgrüße mögen schön sein, haben aber den Nachteil, dass niemand in ihnen schlafen kann. Ein Dach über dem Kopf und ein Bett - allein diese Minimalversorgung für die massenweise Ankommenden sicherzustellen, ist ein riesenhaftes Problem, berichtete der Beamte. Das Ministerium muss derzeit jeden Tag eine Notunterkunft wie in Lüchow oder Dannenberg aus dem Boden stampfen. Ein Ding der annähernden Unmöglichkeit. Es ist Krise und kaum Land in Sicht.

Ein Arzt, der als solcher und als Übersetzer oft auf dem Gelände ist, überbrachte den "großen Dank" der Geflüchteten: "Die Menschen fühlen sich sicher."

Die gestellten Fragen lauteten: Wie lange bleiben die Flüchtlinge?

Wahrscheinlich mehrere Monate, antwortete Verleger. Genau beantworten lasse sich das derzeit nicht, alles hänge davon ab, wie sich der anhaltende Zustrom entwickle. Besonders wichtig sei es, über den Winter zu kommen.

Wie können Helfer die als (zu) hoch empfundenen bürokratischen Hürden überwinden?

"Wir freuen uns über die vielen Hilfsangebote", betonte Harald Gottschalk, kommissarischer Leiter der Notunterkunft. Allerdings sei es vorerst darum gegangen, die Hilfe zu strukturieren. Er räumte ein, dass die Aufgabe für ihn ungewöhnlich gewesen sei, denn er sei Lagen gewohnt, die nach Stunden oder Tagen beendet seien. Eine so lang anhaltende Situation sei Neuland für ihn. Ulrich Constabel, Leiter des Lüchower Polizeikommissariats, betonte, dass "nicht jeder x-beliebige" das Gelände betreten dürfe. Man wolle "nicht, dass Flüchtlinge beäugt werden".

Welche Angebote sind geplant?

In einer Notunterkunft gehe es erstmal um Elementares, betonte Verleger. Gottschalk ergänzte, den Johannitern liege es am Herzen, Angebote zu machen. Es gebe bald ein Nähzimmer, Deutschunterricht starte in dieser Woche. "Wir hoffen, mit den Helfern nun in einen besseren Dialog zu kommen", betonte Johanniter-Sprecherin Lena Kopetz. Bald werde ein neuer Leiter, der viel Erfahrung mit der Betreuung von Asylbewerbern habe, eingesetzt.

Gibt es auch unbegleitete Jugendliche in der Notunterkunft?

Nein, denn diese kommen nach Braunschweig.

Warum nutzen die Flüchtlinge eine Abkürzung über ein Feld und zertrampeln dieses?

"Menschen suchen sich immer den kürzesten Weg", antwortete Constabel. Man habe das hintere Tor geöffnet, damit die Menschen beim Verlassen der Anlage nicht gleich auf der Bundesstraße stehen. Man sei noch auf der Suche nach einer Lösung, damit die Flüchtlinge nicht über das Feld laufen.

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