Online: 09.10.2015 - ePaper: 10.10.2015

Nach mehr als zehn Jahren hatten Frederik und Ingrid Holst genug vom Großstadtleben in Berlin und zogen nach Kolborn. Ein entscheidender Grund war die Familienplanung. Wie die beiden das Wendland und die Lüchow-Dannenberger wahrnehmen, erzählen sie im 33. Teil der EJZ-Serie "Na DAN(N).

Frederik und Ingrid Holst leben seit zwei Jahren glücklich im Wendland

ZoomEine kleine glückliche Familie: Frederik und Ingrid Holst fühlen sich wohl in Kolborn. Ihre Tochter Lisa war ein entscheidender Grund für den Umzug von Berlin nach Kolborn.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 33: Ingrid und Frederik Holst aus Kolborn.

 

fb Kolborn. Tausche Großstadtmief gegen Landluft - genau das haben Frederik und Ingrid Holst vor zwei Jahren getan: Aus Berlin zog das Ehepaar ins beschauliche Wendland, nach Kolborn. Ein Schritt, der vor allem mit der Familienplanung zu tun hatte, wie der 40-Jährige erzählt: "Für uns war klar, dass die Familiengründungsphase losgeht und dass wir das nicht in einer Drei-Zimmer-Wohnung tun wollen." In einer solchen lebte er zuvor zehn Jahre lang, insgesamt 18 Jahre lang in Berlin. Ingrid Holst wohnte zwölf Jahre lang in der Hauptstadt.

Dementsprechend lernten sich die beiden 2010 auch dort kennen und heirateten 2012. Schon damals seien sie auf der Suche nach einem neuen ländlichen Wohnort gewesen, erzählt Frederik Holst. Dabei sei das Wendland schnell ins Gespräch gekommen. "Wir kannten die Gegend schon aus der Zeit der Castor-Transporte." In Lüchow-Dannenberg gebe es einen großen politischen Aktivismus, sagt die 34-Jährige. Das sei absolut positiv. Er finde es faszinierend, dass selbst die Bauern politisch aktiv sind, betont ihr Ehemann: "Selbst die Menschen, die hier als konservativ gelten, sind ziemlich aufgeschlossen."

Aufgeschlossen auch was den Zuzug fremder Leute angeht, weiß Ingrid Holst: "Das ist hier eine Gegend, in der Zuziehen normal ist." Durch die offene Art der Einwohner hätten sie sich nicht lange wie Zugezogene gefühlt, erzählen die Holsts. Spätestens durch die Schwangerschaft und die Geburt ihrer jetzt knapp einjährigen Tochter Lisa sei der Kontakt zu anderen jungen Eltern entstanden. Für Kinder sei das Wendland ohnehin toll: "Man kann einen ganz anderen Schutzraum für Kinder bieten", sagt Frederik Holst. Bei einer Tagesmutter im Nachbardorf würden die Kinder einfach auf dem Bauernhof mitlaufen und so viel lernen. "Dabei habe ich sofort ein total gutes Gefühl gehabt." In Berlin wäre die Suche nach dem richtigen Kindergarten in Stress ausgeartet, vermutet Frederik Holst.

Stressig ist im Wendland höchstens die berufliche Situation der beiden: Frederik Holst arbeitet im akademischen Auslandsamt der Humboldt-Universität in Berlin. Immer montags fährt er mit dem Zug von Salzwedel aus in die Hauptstadt und kommt mittwochs wieder zurück. Seine Ehefrau muss sogar viermal pro Woche hin und her pendeln. Sie arbeitet seit dem Umzug im Gleichstellungsbüro der Leuphana-Universität in Lüneburg. Die Arbeitstage in Berlin würden ihn darin bestätigen, dass der Umzug aufs Land der richtige Schritt war, betont Frederik Holst: "Immer wenn ich aus Berlin zurückkomme, bin ich genervt von der Stadt."

In Kolborn sei das Leben entspannter, findet auch Ingrid Holst. Man habe viel mehr Platz als in Berlin, und die Lüchow-Dannenberger hätten alle eine "total angenehme Grundfreundlichkeit", schwärmt sie. In den ersten Wochen sei sie immer überrascht gewesen, wenn fremde Menschen sie auf der Straße grüßten. Die Leute würden mehr aufeinander zugehen, in Berlin grüße man sich nicht einfach auf der Straße, erzählt Ingrid Holst. Doch das sei nur einer von vielen positiven Aspekten: "Die Anbindung an die Kreisstadt und die Zugverbindung von Salzwedel aus sind sehr gut." Man könne Berlin immer noch schnell erreichen.

Was manchmal fehlt im Wendland, ist die Familie: "Meine Schwester wohnt in Berlin, die vermisse ich schon", sagt Ingrid Holst. Dennoch fühle sich die kleine Familie in Kolborn richtig wohl. Das habe auch folgende Gründe: "Es riecht hier einfach besser und es ist viel gesünder, hier zu leben, als in Berlin."

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