Online: 11.10.2015 - ePaper: 12.10.2015

In den kommenden Wochen werden rund 130 weitere Flüchtlinge im Nordkreis erwartet, die ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht haben. Dafür hat die Verwaltung bereits 26 Wohnungen angemietet, von denen die ersten bezugsfertig seien. Doch da die Zahlen weiter steigen, denkt man jetzt darüber nach, ein Hotel in Hitzacker anzumieten, um dort vorübergehend Flüchtlinge unterzubringen.

Hotel in Hitzacker als Verteilzentrum für Flüchtlinge im Gespräch

ZoomIn Hitzacker soll ein Hotel zum Flüchtlings-Verteilzentrum werden. Dort sollen rund 90 Menschen untergebracht werden, die dann von dort in Wohnungen umziehen sollen. Noch sei das aber nicht in trockenen Tüchern, heißt es aus der Verwaltung.

rg Dannenberg. Wenn es derzeit um Flüchtlinge geht, dann ist die Rede zumeist von jenen, die von den Grenzen der Bundesrepublik abgeholt und bundesweit auf die Notunterkünfte verteilt werden. Oder es ist die Rede von den überlaufenen und überforderten Erstaufnahmeeinrichtungen. In Lüchow-Dannenberg gibt es drei Notunterkünfte mit rund 1500 Bewohnern - aber es gibt auch zahlreiche Flüchtlinge, die hier dauerhaft leben. Die ihren Asylantrag gestellt haben, teilweise schon asylberechtigt ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht haben. Diese Menschen leben dezentral in Wohnungen und Häusern im Kreisgebiet verteilt. Und es sind zumeist Familien.

Seit Anfang des Jahres kamen allein in der Samtgemeinde Elbtalaue 72 solche Flüchtlinge an, direkt aus den Erstaufnahmeeinrichtungen. Sie alle wurden in Wohnungen untergebracht, vor allem in Dannenberg, Hitz-acker und Neu Darchau. "Dort, wo es Infrastruktur gibt", erläuterte Joachim Schulz, der bei der Samtgemeinde Elbtalaue für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, im für Migration zuständigen Ratsausschuss. "Dort, wo es Einkaufsmöglichkeiten gibt, einen Arzt, eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr." In den kommenden Wochen werden rund 130 weitere Menschen dazukommen, so Schulz. Man arbeite daran, für alle Wohnraum zu schaffen, habe bereits 26 Wohnungen angemietet, von denen die ersten bezugsfertig seien. "Das reicht für 100 Menschen, und ich bin sicher, dass wir die anderen auch noch untergebracht bekommen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck."

Doch es sei absehbar, dass die Zahl der den Kommunen zugewiesenen Flüchtlinge erheblich ansteigen werde, betonte Schulz. Davon gehe man nicht nur bei der Samtgemeinde Elbtalaue aus, sondern überall, wo man mit Flüchtlingen zu tun hat. Daher gebe es jetzt Überlegungen, ein Hotel in Hitzacker anzumieten, um dort vorübergehend Flüchtlinge unterzubringen - so lange, bis Wohnungen für sie bereitstehen. "Die Luft brennt hier jeden Tag, wir kommen mit der Arbeit kaum nach." Derzeit gelinge es noch, "das Soll, das wir vom Innenministerium bekommen, überzuerfüllen". Das sehe und schätze man in Hannover. Aber man könne nicht sagen, ob das auch weiterhin so gut laufe.

Derzeit seien es vor allem Familien, die in der Elbtalaue untergebracht werden. Das sei nicht selbstverständlich, erläuterte Joachim Schulz, und liege daran, dass man seine Hausaufgaben erledige. "Wir reagieren sofort, erfüllen unser Soll, melden freie Wohnungen. Das kommt gut an, wir haben einen Bonus", glaubt er. Von den 72 in diesem Jahr untergebrachten Flüchtlingen sei etwa ein Drittel Kinder, die jetzt in die Kindertageseinrichtungen und Schulen im Nordkreis gingen. Und die dort "sehr schnell Deutsch lernen", wusste Schulz zu berichten. "Ohne irgendwelche Vorkenntnisse: Sie verständigen sich mit Handen und Füßen, mit Mimik - und lernen es so. So gut, dass sie für ihre Eltern oftmals schon nach Wochen, spätestens nach Monaten dolmetschen können." Für den Fall, dass die Zahl der Zuweisungen weiter steigt, habe die Samtgemeinde noch Wohnungen und Häuser in der Hinterhand. "Nicht ideal, aber wenn es sein muss, bringen wir da auch Menschen unter", so Joachim Schulz. In Zernien etwa. Dort bilde sich gerade ein Flüchtlingshelferkreis, eine der Voraussetzungen für die Unterbringung. Sowieso gebe es viele dieser Gruppen, die sich um Flüchtlinge kümmern: "Witzigerweise häufig aus Castor-Gruppen heraus gebildet - die haben ja gerade nicht so viel zu tun." Im Mittel blieben die zugewiesenen Menschen ein halbes Jahr in der Elbtalaue. So lange dauert ein Asylverfahren. Bekommen sie Asyl, können sie wählen, ob sie bleiben oder fortgehen wollen. Wird der Antrag abgelehnt und sie legen Widerspruch dagegen ein, dauert es in der Regel bis zu zwei Jahre, bevor sie abgeschoben werden. So lange wohnen sie hier. Wenn sie nicht von sich aus gehen. "Auch das erleben wir immer wieder", sagt Schulz und räumt auch mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: "Wenn sie in den Wohnungen Schäden anrichten, müssen sie dafür aufkommen. Die Samtgemeinde geht zwar in Vorkasse - aber die Flüchtlinge zahlen das zurück. In Raten. Und das so gut wie immer pünktlich."

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