Online: 13.10.2015 - ePaper: 14.10.2015

Sascha Omari ist neuer Leiter der Notunterkunft für Flüchtlinge in Lüchow

ZoomSascha Omari ist der neue Leiter der Lüchower Notunterkunft für Flüchtlinge. Der Betriebswirt und Sozialpädagoge stammt selbst aus Damaskus, lebt aber seit 40 Jahren in Deutschland und hat jahrelang mit Migrantinnen und Migranten gearbeitet.

bp Lüchow. Sascha Omari kennt sich aus. Der neue Leiter der Lüchower Notunterkunft für Flüchtlinge ist in Syrien geboren, lebt aber seit 40 Jahren in Deutschland. Er hat erst Betriebswirtschaft, später Sozialpädagogik studiert, hat jahrelang mit Migranten, Flüchtlingen und Jugendlichen gearbeitet, war Vorstand des Berliner Migrationsrats. Er spricht Arabisch und kennt die Kultur der Herkunftsländer vieler Menschen, die in der Notunterkunft leben. Vor einem Jahr ist er in ein Dorf nahe Uelzen gezogen, raus aus Berlin: "Auf dem Land zu leben, das war ein Kindheitstraum von mir."

Vor allem eines ist dem 61-Jährigen bei seiner neuen Aufgabe wichtig: das Informieren. Die Menschen, die in der Notunterkunft ankommen, wüssten oft gar nicht so recht, was mit ihnen passiere. "Warum bin ich hier? Warum konnte ich noch keinen Asylantrag stellen?" Diese Fragen stellen die Menschen, viele sind verunsichert, können die Gesamtsituation nicht einschätzen. "Der Ablaufplan des Asylverfahrens ist für die Menschen oft undurchschaubar." Deshalb sei es wichtig, die Menschen aufzuklären. Omari ist deshalb gerade dabei, Informationsveranstaltungen zu organisieren. Denn von Informationen "zwischen Tür und Angel" hält er nicht viel. Es gehe darum, den Menschen "eine klare Sicht zu bieten auf das, was auf sie zukommt". Es brauche eine Struktur, die Sicherheit gebe. "Friede und Struktur, das ist erstmal das Wichtigste für die Menschen", sagt der Vater zweier Töchter.

Wichtig sei es außerdem, den Menschen Perspektiven zu eröffnen, ihre Ressourcen "möglichst bald" auszuschöpfen. "Die Fähigkeiten der Menschen darf man nicht vergammeln lassen", so drückt es Omari aus. Er will die Fähigkeiten und Berufe der Menschen erfassen, anstatt sie zu ignorieren, schließlich sei für viele Flüchtlinge vor allen ein großes Problem, zur Untätigkeit verdammt zu sein. Deshalb hat er nun Unterricht für Schulkinder organisiert. Lüchow-Dannenberger Lehrer bieten Deutschunterricht an. Lehrer aus Syrien und Afghanistan unter den Geflüchteten unterrichten Arabisch, Farsi und andere Fächer. Omari hat einen Stundenplan entwickelt, Ende vergangener Woche startete der Unterricht. Rund 25 Kinder sitzen jeweils in den beiden Klassen. Sein Credo: "Die Menschen sind hier nicht in einem Aufbewahrungskasten." Auch deswegen hat Omari das Essen etwas orientalischer gestaltet. Es gibt jetzt hin und wieder Couscous oder arabisches Brot.

Schwer überrascht ist Omari von der Hilfsbereitschaft der Lüchow-Dannenberger. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt er. Dass die Harmonie zwischen Flüchtlingen und Lüchow-Dannenbergern bestehen bleibt, ist ihm ein großes Anliegen. Das sei auch wegen der unterschiedlichen kulturellen Gepflogenheiten nicht einfach. In Syrien sei es beispielsweise üblich, Lebensmittel vor dem Kauf anzufassen, ein Brötchen in die Hand zu nehmen und die Konsistenz zu testen. In Deutschland sei das dagegen ein Tabu. "Das sind oft ganz einfache Dinge, die man erklären muss", sagt er und will auch dazu Themenabende für die Flüchtlinge organisieren. Er weiß schließlich, wovon er spricht: "Ich bin ja selbst Migrant."

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