Online: 14.10.2015 - ePaper: 15.10.2015

In Sumte im Amt Neuhaus hat man Angst. Angst vor einer riesigen Zahl an Flüchtlingen. Der Infoabend lief entsprechend kontrovers. Das interessierte auch im benachbarten Neu Darchau.

Kontroverser Infoabend zu Flüchtlingen in Sumte interessiert auch in Neu Darchau

ZoomÄngste, Forderungen, Wut: Die Informationsveranstaltung in Sumte im Amt Neuhaus zur dort geplanten Flüchtlingsunterkunft lief anders, als ähnliche Veranstaltungen in Lüchow-Dannenberg.

kre Neu Darchau/Sumte. 103 Einwohner, zwei landwirtschaftliche Betriebe, ein wenig Tourismus - das ist Sumte. Ein kleiner Ortsteil an der Elbe im Amt Neuhaus. Aber das ist auch der Ort, der mit einem Schlag bundesweit mediales Interesse geweckt hat. Der viele Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen anlockt. Denn Sumte, das kleine Dorf hinterm Deich, steht wie aus dem Nichts vor einer gewaltigen Herausforderung: Bis zu 1000 Asylbewerber sollen im ehemaligen Bürodorf untergebracht werden. Die ersten sollen noch in diesem Monat einziehen. Aus der Not heraus, weil es kalt wird, der Winter naht und Bundes- und Landesregierung kaum noch wissen, wie und wo sie die Flüchtlinge unterbringen sollen.

Dienstagabend in Neuhaus: Bürgerversammlung. Vorher sind schon TV-Teams durch die Landschaft gefahren, ZDF, ARD, Spiegel-TV, n-tv haben in Sumte gedreht, den Ortsvorsteher Christian Fabel und den Altbürgermeister Reinhold Schlemmer interviewt. In das Objekt der medialen Begierde - das ehemalige Bürodorf, in dem die Flüchtlinge untergebracht werden sollen - dürfen die Journalisten nicht. Das wird jetzt bewacht von der Polizei.

Ob sie Angst haben vor den Flüchtlingen? Welche Forderungen sie an die Politik stellen wollen? Verschiedene Fernsehteams, die gleichen Fragen: Ortsvorsteher Fabel ist binnen weniger Tage zum Medienprofi geworden. Nein, man sei nicht ausländerfeindlich; ja, man habe sich im Dorf mit den Problemen beschäftigt, die mit so einem großen Notunterkunft einhergehen. Fabel und die Bewohner haben einen Fragenkatalog erarbeit, den sie später in der Bürgerversammlung in Neuhaus vorstellen werden.

Doch schon zu Beginn der Infoveranstaltung werden bei so manchem Besucher Zweifel geweckt, ob die Behörden die Planungen überhaupt noch im Griff haben. Denn so, wie die Realität die Flüchtlingsprognosen der Bundes- und Landesregierung längst ad absurdum geführt hat, zeigen die Neuhäuser Bürgermeisterin Grit Richter und Alexander Götz vom niedersächsischen Innenministerium wenig Weitblick bei der Auswahl des Tagungsortes. Binnen Minuten ist der Saal des Hotels Hannover proppenvoll. Viele müssen draußen bleiben. Auch eine Form der Bürgerbeteiligung. "Ich habe nicht mit so vielen interessierten Einwohnern gerechnet", entschuldigt sich die Bürgermeisterin - und muss sich dafür einige Unmutsäußerungen anhören.

"Niedersachsen befindet sich in Schwierigkeiten. Niemand hat damit gerechnet, dass so viele kommen", eröffnet Dr. Götz seinen Vortrag und nennt zwei Zahlen zum Vergleich: 2014 seien 1850 Asylanträge in Niedersachsen gestellt worden, "jetzt sind es bereits über 75000". Und das Jahr ist noch nicht vorbei.

Das Land braucht Unterkünfte um - fast - jeden Preis. Das Bürodorf in Sumte sei von einer Firma mit Sitz in Hannover angeboten worden - und Götze hat das Objekt im Auftrag des Landes gemietet. "Nicht gekauft!", wie er auf Nachfrage betont. Nur für maximal ein Jahr sei die Immobilie als Notunterkunft geplant. Ob sie darüber hinaus benötigt wird, dazu will sich der Ministeriale an diesem Abend nicht äußern.

Ob das Objekt tatsächlich in wenigen Wochen bis zu 1000 Flüchtlinge beherbergen wird - diese Frage soll der Betreiber der Einrichtung der ASB Hannover-Land/Schaumburg beurteilen. Ob nur 300 - wie von den Sumtern gewünscht - 400, oder doch die 1000, "entscheidet alleine der ASB nach der Begehung des Objektes", versichert Dr. Götz.

Wie der Brandschutz gewährleistet wird, die medizinische Versorgung, die Abwasser- und die Müllentsorgung, das sind Fragen, auf die die Bürger Antworten erhoffen. Auch, ob es einen Shuttle-Service für die Flüchtlinge zum nächsten Einkaufsmarkt geben wird.

Auch Ängste werden laut: "Ich bin nicht ausländerfeindlich", sagt eine Frau, "nicht dass Sie mich falsch verstehen..., aber es sind vor allem Männer, die Zuflucht suchen. Und die haben Bedürfnisse."

"Wie soll die Bevölkerung sich, ihre Häuser und Höfe schützen", will Ortsvorsteher Christian Fabel wissen und weiter: "Wer trägt die Kosten?"

Auch eine ständig ansprechbare Stelle für die Bürger fordert er: "Wir brauchen Wachpersonal am Objekt, und die Polizei muss aufgestockt werden. In der Gemeinde haben wir nur vier Polizisten in Neuhaus und die Station ist auch nicht ständig besetzt, das muss sich ändern."

Am Ende der Veranstaltung ist viel gesagt, sind viele Ängste geäußert und manche Forderung gestellt worden. Wichtig bleibt am Ende vor allem aber festzuhalten, dass die Sumter vor allem eines nicht wollen - nämlich "zu einem Sprungbrett rechter Gesinnungen zu werden". Dirk Hammer hat diese Forderung klar formuliert - und dafür sehr viel Applaus bekommen.

^ Seitenanfang