Online: 21.10.2015 - ePaper: 22.10.2015

Rund 100 Interessierte nahmen an dem Info-Abend zur Flüchtlingssituation in Lüchow-Dannenberg in der Vietzer Dorfscheune teil. Unter ihnen war auch rund ein Dutzend Flüchtlinge. Insgesamt leben im Kreisgebiet derzeit 2200 Flüchtlinge. Großer Dank wurde den vielen ehrenamtlichen Helfern ausgesprochen.

Dorfscheune Vietze bei Info-Abend zur Flüchtlingssituation prall gefüllt

ZoomAuch rund ein Dutzend Flüchtlinge kamen zu der Infoveranstaltung in Vietze. Einer von ihnen ist Kamal al Rahmoun, der in den vergangenen zwei Jahren so gut Deutsch lernte, dass er kurz vor der Prüfung zum LKW-Führerschein steht und bereits eine Arbeitsstelle in Aussicht gestellt bekommen hat.

asb Vietze. Mehr als 100 Interessierte drängten sich am Dienstagabend in der Vietzer Dorfscheune bei einer Informationsveranstaltung über die Flüchtlingssituation in der Samtgemeinde Gartow. Nicht nur Höhbecks Bürgermeister Hans-Joachim Schenk (Freie Wählergemeinschaft Höhbeck) bedankte sich überschwänglich für die "phänomenale" Hilfe, die viele Bürger aus der Samtgemeinde leisten. "Dass das hier so problemlos läuft, hat nicht nur etwas damit zu tun, dass wir alles gute und ordentliche Menschen sind, sondern vor allem damit, dass sich hier so viele Menschen ehrenamtlich engagieren. Darauf bin ich stolz", drückte Schenk in der Begrüßungsrede seine große Zufriedenheit mit der aktuellen Situation im Ostkreis im Allgemeinen und in seiner Gemeinde im Speziellen aus.

Insgesamt sind es in der Samtgemeinde Gartow rund 40 Menschen, die sich aktiv und stetig an der Flüchtlingshilfe beteiligen. "Ohne diese Hilfe könnten wir die Arbeit, gar nicht bewältigen", betonte auch Susanne Lüth-Küntzel, Fachdienstleiterin Wirtschaftliche Hilfen bei der Verwaltung des Landkreises Lüchow-Dannenberg.

Lüth-Küntzel hatte umfangreiche Fakten über die Flüchtlingssituation im hiesigen Kreisgebiet mitgebracht. Demnach leben derzeit 457 Schutzsuchende in Lüchow-Dannenberg, dazu kommen noch 1700 Menschen, die in den Notunterkünften in Dannenberg, Lüchow und Woltersdorf untergebracht sind. Von den fest im Kreisgebiet lebenden Flüchtlingen kommen 147 aus den Balkanstaaten, darunter rund 20 Menschen aus dem Kosovo. 100 Menschen kommen aus Syrien, weitere aus Afghanistan, dem Irak und Iran. "In den nächsten Wochen werden nach der uns zugewiesenen Quote weitere 260 Flüchtlinge in den Landkreis kommen", kündigte die Fachdienstleiterin an. "Außerdem hat das Innenministerium angekündigt, dass die Quote im nächsten Jahr vermutlich verdoppelt werden muss."

Doch auch diese Tatsache schreckt Lüth-Küntzel nicht. "Wir haben noch viele leerstehende Wohnungen und öffentliche Gebäude wie das ehemalige Verwaltungsgebäude der Capio-Klinik, die wir nutzen können", betonte die Fachdienstleiterin ihre optimistische Einschätzung. Die Fachdienstleiterin räumte auch mit erstaunlich weit verbreiteten Vorurteilen auf. "Die Flüchtlinge erhalten die gleichen Leistungen, die auch einem Hartz-IV-Bezieher zustehen", betonte sie, "allerdings bekommen sie keinen Möbelzuschuss, da die ihnen zugewiesenen Wohnungen ausgestattet übergeben werden." Ebenso verhält es sich mit der Miete, die vom Sozialamt übernommen wird. Auch diese richtet sich nach den geltenden Sätzen der Sozialhilfe.

Inzwischen helfen auch viele Flüchtlinge bei der Flüchtlingsarbeit mit, die bereits länger im Landkreis leben und inzwischen bereits gut Deutsch gelernt haben. Eine Hilfe, auf die Benjamin Schmidt, der bei der Gartower Samtgemeindeverwaltung unter anderem auch für die Wohnraumbeschaffung zuständig ist, angewiesen ist. "Bei der Suche nach Übersetzern stoße ich bei den Flüchtlingen auf große Hilfsbereitschaft", freut sich Schmidt. 55 Flüchtlinge leben derzeit im Bereich der Samtgemeinde Gartow, nämlich konkret in Nienwalde, Restorf, Gartow und Vietze. Weiter entlegene Orte wie Prezelle oder Schnackenburg sind bisher nicht für die Belegung vorgesehen. "Wir haben uns einerseits dagegen entschieden, weil diese Orte kaum Infrastruktur haben", unterstrich Schmidt, außerdem fehle es dort an Hilfsangeboten, ohne die weder Flüchtlinge noch Verwaltung auskommen würden.

Auch bei der Vietzer Informationsveranstaltung blieben mögliche Kritiker oder Gegner der Flüchtlingsaufnahme im Dunkeln. Allerdings ließ die prall gefüllte Tagesordnung auch wenig Raum für offene Fragen, Bedenken oder Anmerkungen kritischer Natur. Wer für die Flüchtlingsarbeit in der Samtgemeinde Gartow spenden möchte, kann dies über folgendes Konto tun: Samtgemeinde Gartow, Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, IBAN: DE86 2585 0110 0045 00 62 28, NOLADE21UEL. Als Verwendungszweck "Flüchtlinge" angeben.

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