Online: 23.10.2015 - ePaper: 24.10.2015

Auch in Lüchow-Dannenberg starten bald großangelegte Sprachkurse für einige Asylbewerber

ZoomAuf diesem Formular sollen arabischsprachige Flüchtlinge ihre beruflichen Neigungen und Qualifikationen angeben. Damit will die Bundesagentur für Arbeit erreichen, dass Asylbewerber später leichter und zügiger in den Arbeitsmarkt integrierbar sind.

bp Lüchow. "Wir haben lange danach geschrien", sagt Lüchow-Dannenbergs Erster Kreisrat Claudius Teske. Was lange ein Wunsch war, wird nun Wirklichkeit: In Deutschland lebende registrierte Asylbewerber bekommen ab Anfang November einen vom Bund finanzierten Basissprachkurs à 330 Stunden. Dadurch soll sichergestellt sein, dass Flüchtlinge ein sprachliches Fundament haben, um im deutschen Alltag zurecht zu kommen und es später auf dem Arbeitsmarkt leichter zu haben.

Auch für die aktuell rund 450 in Lüchow-Dannenberg lebenden zugewiesenen Asylbewerber - also nicht die in den Notunterkünften - gilt: Sie bekommen einen Sprachkurs ausschließlich dann, wenn sie aus Syrien, Eritrea, Iran oder dem Irak stammen. Das sind die Länder, die in der Vergangenheit hohe Anerkennungsquoten hatten. Natürlich könne man das "kritisch sehen", meint Jens Mathias, Geschäftsführer Operativ bei der Lüneburger Bundesagentur für Arbeit (BA). Allerdings sei dies "gesetzlich normiert".

Finanziert werden die Deutschkurse mit einem Volumen von bundesweit 120 Millionen Euro aus einer Reserve der BA, die eigentlich für Wirtschaftskrisen gedacht ist. Wichtig ist es nun, die dazu Berechtigten in einem Sprachkurs unterzubringen. Dabei will der Landkreis helfen. Voraussetzung für die Finanzierung ist, dass die Kursteilnehmer bis Ende des Jahres beginnen. In Lüchow-Dannenberg stehen fünf Träger bereit, die die Kurse recht unbürokratisch abrechnen können.

Außerdem existieren nun Erfassungsbögen in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch, auf denen Asylbewerber ihre beruflichen Neigungen oder Qualifikationen notieren können. Bisher waren diese Fakten lange im Dunkeln geblieben. Als "völlig richtig und positiv" bewertet Teske den Schritt. Vor allem, weil vonseiten der hiesigen Behörden sehr stark spürbar sei, wie groß bei den Flüchtlingen der Wunsch nach Arbeit sei. Das Ziel sei, "Integration so schnell wie möglich zu realisieren", betont Andreas Rösler, Geschäftsführer des Lüchower Jobcenters. Schließlich gelte auch: "Wir brauchen den Nachwuchs."

Darauf, dass es auch Kritik geben könnte, hat Christian Schlenker, Fachdienstleiter Ordnung beim Kreis, eine klare Antwort: "Lieber 80 Prozent richtig machen zur richtigen Zeit als 101 Prozent richtig, aber eine Sekunde zu spät."

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