Online: 23.10.2015 - ePaper: 24.10.2015

Seit zwei Jahren lebt Andreas Baumeier in Damnatz. Er hat vorher in Berlin gewohnt, wo er so krank geworden war, dass er eine Lebertransplantation hatte.

Andreas Baumeier zog vor gut zwei Jahren von Berlin nach Lüchow-Dannenberg

ZoomAndreas Baumeier zog vor gut zwei Jahren aus Berlin nach Damnatz. Seine Freundin Marion Fabian lebt immer noch in Berlin, besucht ihn aber so oft es geht in Lüchow-Dannenberg. In der Kulturtenne Damnatz ist noch bis Ende November eine Ausstellung mit verfremdeten Landschaftsfotos von Baumeier zu sehen.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 35: Andreas Baumeier aus Damnatz.

 

fb Damnatz. Das Leben in Berlin kann ziemlich stressig sein. Jemand, der ein Lied davon singen kann, ist Andreas Baumeier: "Ich bin dort ziemlich krank geworden." So krank, dass er eine Lebertransplantation hatte und ihm ein Arzt dazu riet, den Rest seines Lebens an einem ruhigen Ort zu verbringen, erzählt der 60-Jährige. 2013 zog er deshalb nach Damnatz. "Hier bin ich wieder putzmunter", sagt er zufrieden.

Den Ort Damnatz kannte Baumeier schon fast sein ganzes Leben lang. Er selbst lebte zwar immer in Berlin, aber: "Mein Vater war hier in Damnatz Jagdpächter, und so war ich oft zu Besuch hier", erinnert sich der Wahl-Lüchow-Dannenberger. In seiner Kindheit habe er dort viele schöne Dinge erlebt: Mit einem Freund habe er immer Baumhäuser gebaut und Stichlinge in der Elbe gefangen. "Das sind Sachen, die man in der Großstadt überhaupt nicht machen kann."

Die Erinnerungen an die Urlaubserlebnisse als Kind seien ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung für Damnatz gewesen, betont Baumeier. Ein anderer ist die Elbe: "Wenn ich im Sommer an der Elbe sitze, komme ich mir ein bisschen vor wie am Mississippi." Die Elbe fasziniere ihn - genau wie die Landschaft. "Ich wohne hier fast im Feld, kann aus meinem Fenster fast bis in die Göhrde gucken", schwärmt Baumeier. Er wohne nun dort, wo andere Urlaub machen würden. "Das ist schon Luxus."

Auch die fehlende Anonymität in einem Dorf wie Damnatz störe ihn nicht. Ganz im Gegenteil: "Ich lebe nur noch, weil sich die Menschen hier so gut umeinander kümmern", betont Baumeier. Ein guter Freund komme regelmäßig bei ihm vorbei, um zu schauen, wie es ihm geht. "Einmal bin ich hier zu Hause umgekippt, weil ich unterzuckert war", schildert Baumeier, "nur weil mein Kumpel nach dem Rechten gucken wollte, bin ich noch rechtzeitig ins Krankenhaus gekommen."

Nicht nur deshalb findet er die Menschen im Ort toll: Damnatz sei ein "progressives Dorf mit vielen lustigen Leuten". Bei Veranstaltungen sei immer viel los, und die Menschen seien für jeden Spaß zu haben, schwärmt Baumeier: "Man wird hier gut unterhalten." Das sieht mittlerweile auch seine Freundin Marion Fabian so, die in Berlin lebt, aber so oft wie möglich zu Besuch in Damnatz ist: "Am Anfang konnte ich nicht verstehen, warum Andreas hier leben wollte." Doch das Landleben sei ein guter Kontrast zur Großstadt: "Letztens haben wir mit einem Nachbarn zusammen einen entflohenen Hahn wieder eingefangen", erzählt Fabian. In solchen Momenten fühle sie sich in Damnatz integriert und zu Hause.

In seinem neuen Zuhause erfüllte sich Baumeier, der als Künstler mit verfremdeten Fotos sein Geld verdient, einen Traum: Er richtete sich im Garten sein eigenes Atelier ein. Insgesamt ist er sehr zufrieden in Damnatz: "Es ist ein einfaches, aber gutes Leben."

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