Online: 25.10.2015 - ePaper: 26.10.2015

Freiwillige bauen gerade die Initiative "Zuflucht Lüchow" für Flüchtlinge auf

ZoomMit viel Eifer und Spaß malten einige der Flüchtlinge aus der Lüchower Notunterkunft am Freitagabend auf einer Tapete ein gemeinsames Bild. Sie schätzen den festen Anlaufpunkt für sie außerhalb der Polizei-unterkunft.

tl Lüchow. Sie malen, spielen, häkeln, reden: Es ist laut an diesem Freitagabend bei "Frei im Raum" im Hälleforsvägen im Lüchower Industriegebiet Loger WInkel. Mehr als 50 Flüchtlinge aus der Notunterkunft der Kreisstadt haben sich dort mit Einheimischen getroffen. Auf den ersten Blick wirkt es chaotisch, doch bei näherem Hinschauen ist erstaunlich viel Struktur vorhanden.

Die Initiative "Zuflucht Lüchow", die eine Gruppe Freiwilliger um Uta Müller und Dorothee Rabe-Ostwald ins Leben gerufen hat, steckt noch in ihren Kinderschuhen. Doch schon bald wird es mehr Räume geben, erzählt Müller gut 15 Freiwilligen aus Lüchow-Dannenberg, die sich am Freitagabend in einen Nebenraum zurückgezogen haben - um die neue Initiative zu koordinieren. "Wir haben mit Hettig erfolgreich verhandelt und können ab 1. November zwei Räume neben dem Dönerladen am Busbahnhof nutzen", freut sich Uta Müller. Auch, wenn es kein zukunftssicherer Standort ist, weil das Gebäude seit einiger Zeit zum Verkauf steht: Die Freude ist groß.

Dort wolle man in der Innenstadt einen festen Anlaufpunkt für Flüchtlinge schaffen. "Es soll ein Treffpunkt werden, an dem man sich austauschen kann, wo Flüchtlinge vielleicht an Computern ins Internet gehen können", erklärt Rabe-Ostwald. Bisher sei nämlich die Kleiderkammer in den Räumen der ehemaligen Hauswirtschaftsschule ein Ersatztreffpunkt, weiß Uta Müller, die sich seit 15 Jahren in der Migrantenarbeit engagiert und auch in der Kammer hilft. "Der Bedarf nach einem richtigen Anlaufpunkt fernab der Kleiderkammer ist groß", schätzt die Lüchowerin. Deshalb nun die Initiative "Zuflucht Lüchow". Ähnliche Angebote gibt es auch schon in anderen Teilen des Kreises.

Doch bevor es bei Hettig in Lüchow losgehen kann, müssen die Räume auf Vordermann gebracht werden: "Malen, neuer Fußboden, Toiletten herrichten und Möbel besorgen, da steht noch einiges auf dem Plan", sagt Müller. Die Freiwilligen, die sich bei "Frei im Raum" getroffen haben, wollen mitmachen, Möbel spendieren, streichen. Auch bei der Stadt Lüchow habe man nach Unterstützung gefragt, berichtet Müller. Anfängliche Gerüchte, die Stadt habe die Unterstützung abgelehnt, dementiert Bürgermeister Manfred Liebhaber (SPD) jedoch: "Entsprechende Anträge sind bei uns eingegangen", weiß Liebhaber. "Wenn es aber um Geld, um weiteres Personal geht, dann können wir das leider nicht von heute auf morgen entscheiden. Da müssen wir schon den für eine Verwaltung vorgegebenen Weg durch die Gremien einhalten." Man wolle unbedingt helfen, und das habe man auch von Anfang an zugesagt. Konkret geht es zum Beispiel um ein festes Ergänzungsangebot für Flüchtlinge im Allerlüd. Diese Nachricht, die Liebhaber am Freitagabend überbringt, stimmt die Runde dann doch wieder hoffnungsvoll.

Der Grundstein für "Zuflucht Lüchow" ist also gesetzt. Unterstützung ist da, und die Flüchtlinge freuen sich, dass sie ein Angebot außerhalb der Unterkunft wahrnehmen können. Das zumindest erzählt Arif. Der 25-Jährige malt voller Begeisterung zusammen mit anderen Flüchtlingen und Lüchowern auf einem Stück Tapete: "Ich bin sehr dankbar, mit meiner Familie hier sein zu dürfen. Und es freut uns, dass wir hier so herzlich aufgenommen werden. So etwas wie dieses Angebot toppt das Ganze noch einmal."

Auch Uta Müller ist von dem Anblick in dem großen Raum begeistert: "Wir haben gefragt, ob wir den Raum bekommen können. Und zack, war der Raum voll. Es ist total toll, dass es so gut angenommen wird." Es ist das dritte Treffen dieser Art. Möglichst soll dieses Treffen am Freitagabend in diesen Räumen im Hälleforsvägen gegenüber der Polizeiunterkunft bestehen bleiben. "Die Räume sind ideal", findet Müller.

Das Angebot ist spontan, nichts geplant: "Manche bringen einfach ihr Strickzeug mit, andere Flüchtlinge, die schon vor mehreren Jahren kamen, kochen einfach für die gesamte große Gruppe. Und wieder andere Flüchtlinge wollen hier spontan ein bisschen Deutsch lernen." Man sei im Übrigen offen für jede weitere Idee, sagt Müller. Wer Interesse hat, mitzumachen, kann sich immer freitags ab 18 Uhr direkt vor Ort im Hälleforsvägen 2 anschließen, "beim nächsten Mal könnten wir vor allem Garn und Häkelnadeln gebrauchen".

^ Seitenanfang