Online: 30.10.2015 - ePaper: 31.10.2015

Als Benjamin Schmidt zu Beginn seinen Freund als Partner zu einem Feuerwehrball nach Lomitz mitbrachte, habe man ihn noch komisch angeguckt. Jetzt sieht sich der 26-jährige Verwaltungsangestellte aus Gartow mit seiner Homosexualität so akzeptiert, "wie ich bin". Ein weiterer Teil der EJZ-Serie "Na DAN(N)"

In Gartow so akzeptiert,

ZoomDer 26-jährige Benjamin Schmidt wohnt seit November 2014 in Gartow und arbeitet bei der Samtgemeindeverwaltung. Wichtig ist ihm, dass die Menschen mit seiner Homosexualität locker umgehen und ihn so akzeptieren, wie er ist.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 36: Benjamin Schmidt aus Gartow.

 

fb Gartow. Da schauten die Lomitzer Feuerwehrleute nicht schlecht, als Benjamin Schmidt zu ihrem Feuerwehrball kam: "In der Einladung stand ‚mit Partner'", sagt der 26-Jährige. Also fragte er seinen damaligen Freund, ob er mitkommen wolle. Und der wollte. Das sei eine der wenigen Situationen gewesen, in denen er wegen seiner Homosexualität "komisch angeguckt wurde", betont Schmidt.

Seit November 2014 wohnt er in Gartow, arbeitet als Verwaltungsfachangestellter im Bürgeramt. Zuvor hatte Schmidt sechs Jahre lang in Hamburg gewohnt und bei mehreren Verwaltungen gearbeitet: "Mal waren es kleinere, mal größere", erzählt er. Obwohl er kein gebürtiger Lüchow-Dannenberger ist, war der Umzug nach Gartow eine Rückkehr für ihn, denn: "Von 2005 bis 2008 habe ich bei der Samtgemeindeverwaltung meine Ausbildung gemacht", erklärt der gebürtige Leppiner. Es sei nie sein Plan gewesen, wieder zurück aufs Land zu ziehen, gibt er zu. Doch im Internet las er die Stellenausschreibung und bewarb sich, weil sein befristeter Arbeitsvertrag in Hamburg auslief.

Bei der Samtgemeinde Gartow ist er als Sachbearbeiter für Brandschutz, Ordnungs- und Baurecht zuständig. "Zurzeit fällt auch die Flüchtlingsunterbringung in meinen Aufgabenbereich", sagt Schmidt. Das sei besonders spannend, und er könne viel lernen. Doch auch seine übrigen Aufgaben machen ihm viel Spaß, betont er. Durch die unbefristete Anstellung könne er erstmals in größeren Schritten denken. Deshalb wolle er auf jeden Fall ein paar Jahre dort bleiben: "Ob ich mein Leben lang hier bleibe, kann ich nicht sagen. Man sollte nichts wirklich ausschließen", blickt Schmidt in die Zukunft.

Aktuell fühlt er sich in Gartow wohl - vor allem, weil die Menschen mit seiner Homosexualität locker umgehen: "Sicher gibt es Menschen, die hinter meinem Rücken über mich sprechen", vermutet Schmidt. Aber öffentlich angefeindet oder komisch angeguckt werde er nicht. Schwierigkeiten habe er anfangs in seinem Heimatort Leppin gehabt, nachdem er sich geoutet hatte: "Dort nehmen mich die Menschen mittlerweile aber so wie ich bin", betont er. Schließlich verhalte er sich immer noch genauso wie vorher. Die Gartower, mit denen er viel zu tun hat, würden ihn auch so akzeptieren wie er ist. Und letztlich ist es ihm auch nicht so wichtig, was andere über ihn sagen: "Ich bin so, wie ich bin, und werde mich nicht verstellen." Mit dieser Haltung habe er bislang nichts Schlechtes erfahren.

Schlecht findet er auch seine neue Heimat nicht: "Ich habe total liebe Nachbarn und kann die Ruhe nach dem stressigen Job genießen." Die Distanz zu den Menschen sei deutlich geringer als in Hamburg, und vor allem in einem "Beruf, in dem einen die meisten kennen", fühle man sich öfter mal beobachtet. Diese fehlende Anonymität empfinde er mal als positiv und mal als negativ: "Es gibt Menschen, die man vielleicht nicht unbedingt im Supermarkt treffen möchte, aber auch viele, mit denen ich abends mal ein Bier trinken kann", erklärt Schmidt.

In seiner Freizeit besuche er oft seine Freunde in Hamburg oder seine Eltern in Leppin, erzählt der Verwaltungsfachangestellte. Die Gestaltung der Freizeit sei für junge Menschen in Gartow etwas komplizierter als in Hamburg: "Dort war ich gerne in der Kletterhalle, musste mich dafür immer nur kurz in die U-Bahn setzen." Um in die Kletterhalle nach Lüchow zu fahren, fehle oft die Motivation. Bei schönem Wetter fährt er deshalb oft auf dem Deich am Gartower See Longboard oder Fahrrad. Dabei gucken die Menschen manchmal etwas komisch, sagt Schmidt grinsend: "Leute, die in der Verwaltung arbeiten und dann Longboard fahren, gibt's hier wohl nicht so oft." Letztlich nehmen ihn die Gartower aber genau so, wie er ist.

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