Online: 01.11.2015 - ePaper: 02.11.2015

Ohne Kunden keine Läden keine lebendigen Orte: Darum, wie es dem lokalen Einzelhandel in Zeiten des Internethandels geht und vor allem, welche Perspektiven er hat, geht es in der Serie "DAN kauft hier". Zu Wort kommen auch die Kunden

Neue EJZ-Serie "DAN kauft hier": Lebendige Ortszentren gibt es nicht am Laptop

ZoomDas 'non-virtuelle Kaufhaus' Lüchow-Dannenberg hat mehr zu bieten als mancher glaubt.

Wie sieht die Zukunft des Einkaufens in Lüchow-Dannenberg aus? Während der Themenwochen "DAN kauft hier" befasst sich die EJZ mit Händlern, Kunden, Produkten und Ideen.

 

by Lüchow. Leerstand - nicht nur in Lüchow-Dannenberg ist der seit einigen Jahren für alle sichtbar. Noch vor 25 Jahren waren familiengeführte Einzelhandelsgeschäfte die Regel. Beispiel Lüchow: Zwischen "Hoffmann und Hettig", so die übliche Abgrenzung der Einkaufsmeile, konnte man schauen und kaufen. Und heute? Beide Geschäfte existieren nicht mehr. Und die, die dazugekommen sind, können die entstandenen Leerstände nicht füllen.

Ursache sind Bevölkerungsrückgang, Veränderungen im Konsumverhalten und der wachsende Online-Handel. Die Orte in Lüchow-Dannenberg haben aufgrund der Abseits-Lage verglichen mit anderen Kleinstädten sogar Glück, was den hier Lebenden bewusst wird, wenn sie Besuch bekommen: "Bei Euch kann man ja noch einkaufen, hier gibt es ja noch richtige Läden." Wer sich andere Kleinstädte anschaut, stellt fest, dass die Innenstädte mit denselben Filialisten immer austauschbarer werden, und freut sich über Geschäfte, die Persönlichkeit haben.

Damit das so bleibt, hat die EJZ zusammen mit den örtlichen Vereinen für Handel und Gewerbe die Themenwochen "DAN kauft hier" gestartet. In den kommenden drei Wochen wird die Redaktion das Thema Einkaufen vor Ort beleuchten. Wir sprechen mit Einzelhändlern darüber, wie sie sich auf die neuen Zeiten einstellen, werden Kunden befragen. Darüber hinaus sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, eingeladen, sich per Telefon, Brief, Mail oder Facebook zu Wort zu melden.

Dabei geht es nicht darum, das Internet zu verteufeln. Denn manches wird es bei noch so gutem Willen der Einzelhändler in Lüchow-Dannenberg nicht geben können, und den Versandhandel - Stichwort Quelle-Katalog - hat es schon immer gegeben. Es geht vielmehr darum bewusst zu machen, welche Folgen es hat, wenn nur noch bei Amazon, Zalando & Co. eingekauft wird.

Für das Einkaufen vor Ort spricht viel: Jeder Euro, der in der Region bleibt, sorgt für den Erhalt von Arbeitsplätzen und erhöht durch die Steuereinnahmen die Lebensqualität aller. Ein starker und vor allem inhabergeführter Einzelhandel macht Innenstädte attraktiv und unverwechselbar. Lebendige Ortszentren lassen sich nicht am Laptop bestellen. Geschweige denn Praktikums- und Ausbildungsplätze für die Kinder. Und es gilt: Jede Kleinstadt ist so attraktiv wie die Menschen, die darin leben. Deshalb müssen sich alle entscheiden: Wollen wir (nur) vom Sofa aus bestellen? Oder kaufen wir dort ein, wo wir leben, im "non-virtuellen Kaufhaus" Lüchow-Dannenberg und stärken so unsere Region, in der es jeden braucht, in der die Menschen mehr als woanders auf ein Mit- und Füreinander angewiesen sind? Eine große Auswahl an Produkten und Dienstleistungen nur garantiert werden kann, wenn es dem hiesigen Handel gut geht und er nicht aus dem letzten wirtschaftlichen Loch pfeift.

Wenn Kaufkraft aber in den Online-Handel wandert und die Kundenfrequenz in den Läden abnimmt, sind Probleme vorprogrammiert - für den Handel, aber auch für die Stadt und die Region. Und das nicht nur, weil es dann auch für manche Vereine schwierig wird, Zeltlager für den Nachwuchs zu finanzieren oder Tombolas zu bestücken: Lokale Kaufleute sind auch Sponsoren, unterstützen Institutionen vor Ort. Es ist also durchaus keine schlechte Idee, mal wieder in die Geschäfte zu gehen, die die eine oder der andere schon lange nicht mehr besucht hat. Den Kaufleuten ist bewusst, dass ihre Kunden längst nicht mehr von alleine in den Laden kommen. Sie versuchen mit Service und individueller Beratung gegenüber dem Netzladen zu punkten, wollen überraschen, das Besondere bieten. Die Kundschaft kann sich nicht nur über das gewünschte Produkt informieren, sie kann es auch in die Hand nehmen, sofort nach Hause nehmen. Und ist etwas nicht vorhanden, wird es bestellt. Der neue Fernseher wird gebracht und angeschlossen - und der alte entsorgt.

Klar ist: die Kunden tragen die Hauptverantwortung. Sie entscheiden mit ihrem Einkauf, welches Angebot in ihrer Stadt bleibt und welches verschwindet. Dass sie mit ausschließlichen Online-Einkäufen zur Verödung der Städte beitragen, sollte allen klar sein.

Ganz zu schweigen von den Folgen für die Umwelt durch die Verpackungsflut und den zunehmenden Verkehr. Wer im Internet kauft, fördert zugleich eine Branche, in der teils sklavenähnliche Arbeitsbedingungen herrschen. Diejenigen, die die vielen Pakete ausfahren, sind meist Subunternehmer mit langen Arbeitstagen und Löhnen unter dem Mindestlohn. Gleichgültig kann das niemanden lassen.

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