Online: 04.12.2015 - ePaper: 05.12.2015

Die Innenarchitektin Sabrina Jakumeit ist vor zwei Jahren nach Weitsche zurückgekehrt

ZoomWenn Kater Gin mal wieder die fast leere Kaffeetasse ausschlabbern darf, dann fühlt er sich bei Frauchen Sabrina Jakumeit pudelwohl. Sie ist vor gut zwei Jahren ins Wendland zurückgekehrt.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt viele Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurückgezogen sind. Teil 39: Sabrina Jakumeit aus Weitsche.

 

tl Weitsche. Vom Leben in einem gläsernen Schweinestall hätte Sabrina Jakumeit nie zu träumen gewagt, als sie sich während des Studiums vor fast zehn Jahren selbst einen Brief schreiben sollte: einen Brief, der beschreibt, was in zehn Jahren ist. Der mit viel Glas umgebaute Schweinestall in Weitsche stand definitiv nicht in diesem Brief, erzählt die 30-Jährige und lacht. Die Interieur-Designerin (zu deutsch in etwa: Innenarchitektin) ist vor gut zwei Jahren nach Lüchow-Dannenberg zurückgekehrt, wohnt seitdem mit ihrem Freund, zwei Katzen und einem Hund in dem Dorf, in das es schon so einige Kreative gezogen hat. Sabrina Jakumeit gehört nun dazu.

"Das schönste hier auf dem Dorf ist der Blick in die Ferne", schwärmt sie bei einer Tasse Kaffee an ihrem großen Esstisch. Von dort aus kann sie durch die große Glasfront im offenen Wohn-/Koch-/Essbereich bis zu einem Waldrand schauen - unverbauter Blick inklusive 3000 Quadratmeter Grundstück. In Berlin, wo sie zuvor in einer Agentur gearbeitet hat, würde solch ein Haus mit Grundstück ein unvorstellbares Vermögen kosten. In Weitsche sind die Lebenshaltungskosten gering. Der Blick: unbezahlbar. Und das schätzt Sabina Jakumeit an ihrem Leben im Wendland. "Das Offene, die hellen Räume sorgen dafür, dass ich meine Kreativität so richtig ausleben kann", sagt sie. Und das muss sie auch: Denn als selbstständige Innenarchitektin hat sie so einige Großkunden an der Hand, für die sie zum Beispiel riesige Messestände entwirft. Von der ersten Idee bis zur Einrichtung kann gut und gerne ein halbes Jahr vergehen. "Wobei ich nicht durchgängig an nur einem Projekt arbeite", erklärt die 30-Jährige. "Manchmal sitze ich eine Woche von morgens bis spät abends am Schreibtisch, manchmal mache ich eine Woche lang gar nichts." Je nachdem, wie die Arbeit anfällt. Doch beschweren könne sie sich nicht, es gebe viel zu tun. Und trotzdem nimmt sie sich die Zeit, umherzureisen, Freunde zu besuchen: "Dann fahre ich nach Berlin, Hamburg oder Aachen. Die Stadt gibt mir wichtige Impulse. Ich sehe das als Ausgleich zum Landleben."

In Weitsche könne sie dann wieder zur Ruhe kommen. Und tun und lassen, was sie möchte, "ohne, dass hier gelästert wird. In diesem Dorf darf jeder so sein, wie er ist." So könne sie sich selbst und ihre Ideen dort deutlich besser weiterentwickeln, als müsste sie ständig auf alles achten. "In Weitsche bin ich mein eigener Chef. Hier lebe ich meinen Beruf aus extremer Leidenschaft."

Und weil sie von zu Hause aus arbeiten kann - es sei denn, sie muss zu einem Kunden oder einem Großprojekt fahren -, bleibt auch genug Zeit, sich um den großen Garten zu kümmern. Ein Garten, den sie in der Großstadt so nicht hätte, sagt sie. Außerdem würde ihr dort ihre Familie fehlen. Auch die war ein Grund, dass es "für mich selbstverständlich", war, ins Wendland zurückzuziehen. Denn ursprünglich kommt Sabrina Jakumeit aus dem Lemgow. Das Wendland ist ihr also bestens vertraut.

Ob sie in zehn Jahren auch noch Lüchow-Dannenbergerin ist? Wie würde sie heute einen Brief formulieren, der beschreibt, was in zehn Jahren ist? "Das kann ich überhaupt nicht sagen. Ich will mich da nicht festlegen. Das könnte alles sein, auch eine Surf-Schule auf Hawaii." Die 30-Jährige hat es für sich entdeckt, nicht immer nach vorgegebenen Strukturen zu leben und alles durchzuplanen. Und das funktioniert im Wendland "richtig gut".

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