Online: 22.12.2015 - ePaper: 23.12.2015

Das Aus für die Notunterkunft für Flüchtlinge in Lüchow ist besiegelt. Jetzt hat sich das Niedersächsische Innenministerium zu den Gründen geäußert. Mit einer neuen Entwicklung in Neu Tramm habe das jedenfalls nichts zu tun.

Aus für Notunterkunft Lüchow: die Gründe

ZoomEnde Januar, so ist der Plan des Innenministeriums, soll die Notunterkunft für Flüchtlinge in Lüchow aufgelöst werden. Damit dort wieder Platz für den Aus- und Fortbildungsbetrieb der Polizei ist.

tl Lüchow. Nach nur viereinhalb Monaten Betrieb wird die Notunterkunft für Flüchtlinge in Lüchow auf dem Gelände der Polizei voraussichtlich Ende Januar kommenden Jahres geschlossen. Das hat Svenja Mischel, eine Sprecherin des Niedersächsischen Innenministeriums, am Dienstagvormittag bestätigt.

Wie bereits in der gestrigen Ausgabe angedeutet, sollen die Containerblöcke und festen Bauten wieder für den dringend benötigten Aus- und Fortbildungsbetrieb genutzt werden, erklärt Mischel. Die Entscheidung, die Notunterkunft aufzulösen, habe in keinem Fall etwas mit einer möglichen neuen Entwicklung in Sachen Neu Tramm zu tun. Dort hatte es in der Vergangenheit Gespräche mit dem Eigentümer gegeben, ob die Gebäude samt Gelände für eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes genutzt werden könnten. Auch eine mögliche Notunterkunft war im Gespräch: "Es gab dort aber bisher keine Einigung zwischen Land und Besitzer. Von daher gibt es dort bis auf Weiteres nach unserem Kenntnisstand weder eine Erstaufnahmeeinrichtung, noch eine Notunterkunft", betont Mischel.

Unklar hingegen ist entgegen erster Gerüchte noch, wohin die zurzeit 280 verbliebenen Flüchtlinge aus der Lüchower Unterkunft verteilt werden. "Es ist noch nicht entschieden, ob sie auf andere Notunterkünfte oder gleich auf Kommunen verteilt werden", erklärt die Sprecherin. Ob einige Flüchtlinge aus der Notunterkunft auch auf Lüchow-Dannenberger Gemeinden verteilt werden, davon ist im Kreishaus noch nichts bekannt, sagt Kreis-Sprecherin Julia Rutzen. Bisher habe man nur Kenntnis von dem Erlass des Innenministeriums.

Die Entscheidung für die Notunterkunft in Lüchow sei Anfang September kurzfristig gefallen, erklärt Svenja Mischel. "Es war der akuten Lage im September geschuldet. Und dort konnten wir relativ einfach und schnell eine Notunterkunft schaffen." Mittlerweile habe das Land viele weitere Notunterkünfte geschaffen. Zusammen mit dem Flüchtlingsstrom harmoniere das jetzt so gut, dass man die Unterkunft in Lüchow auflösen könne. Daran hängt ein langer logistischer Rattenschwanz. Die Johanniter als Betreiber der Unterkunft und die Zentralstelle für Flüchtlingsunterbringung im Innenministerium werden diesen Hand in Hand bewältigen, kündigt Ministeriumssprecherin Mischel an. Zelte müssen abgebaut werden, die Container wieder aufbereitet werden, alle Materialien aus der Kleiderkammer, die Vorräte, Umzäunungen müssen wieder weggeschafft werden.

Vor allem aber hängen bei den Johannitern in Lüchow eine ganze Reihe von Jobs an der Entscheidung, die Notunterkunft aufzulösen: 56 Mitarbeiter haben die Johanniter dort angestellt, um den Betrieb der Notunterkunft zu gewährleisten. Hinzu kommen eine ganze Menge ehrenamtlicher Mitarbeiter. Frage an die Johanniter: Wie geht es mit diesen kurzfristig geschaffenen Jobs weiter? "Wir bitten um Verständnis, dass wir dazu derzeit noch nichts Konkretes sagen können", erklärt Johanniter-Sprecherin Lena Kopetz. Noch für den gestrigen Dienstag war ein Koordinierungstreffen mit dem Innenministerium geplant. "Unsere Mitarbeiter wollen wir dann in der kommenden Woche informieren, wie es mit den Arbeitsplätzen weitergeht." Und danach wolle man mit dieser Information dann auch an die Öffentlichkeit gehen.

Ein "harter Schlag" war die Nachricht auch für die Initiative "Zuflucht Lüchow", die in wenigen Wochen vieles auf die Beine gestellt hat, um den in der Notunterkunft wohnenden Flüchtlingen etwas zu bieten. "Jetzt werden wieder viele Bindungen, die entstanden sind, auseinandergerissen", sagt Uta Müller von der Initiative. Und im Organisationskreis habe man sich schon gefragt, ob die Initiative dann überhaupt noch einen Sinn habe. Aber: "Wir wollen weitermachen. Viele fest zugewiesene Flüchtlinge kommen zu uns in die Kleiderkammer oder zum Treffen am Freitagabend. Und es gibt ja noch die Notunterkunft in Woltersdorf", sagt Müller. Sie sei froh und dankbar für jeden einzelnen Kontakt, der zu den Flüchtlingen entstanden ist. Denn die hätten Lüchow bereichert.

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