Online: 22.12.2015 - ePaper: 23.12.2015

Dannenberger Gymnasiasten sammelten fürs Flüchtlingscamp

ZoomUnter anderem einen ganzen Anhänger voller Fahrräder brachten die Dannenberger Gymnasiasten am Montag in das Flüchtlingscamp nach Dannenberg. Sozialarbeiter Frank Freudenthal (Mitte) nahm die Fahrräder entgegen.

tl Dannenberg. Gleich fünf Autos, eines davon mit Anhänger, rollen auf das Grundstück des Flüchtlingscamps vom Deutschen Roten Kreuz in Dannenberg. Es sind Schülerinnen und Schüler des Fritz-Reuter-Gymnasiums (FRG) Dannenberg. Im Gepäck haben sie jede Menge Spenden im Wert von insgesamt wohl an die 2000 Euro für die Flüchtlinge. Doch der Anhänger zieht die meiste Aufmerksamkeit der Flüchtlinge auf sich. Kein Wunder, befinden sich doch ein Dutzend Fahrräder darin, die die Gymnasiasten während einer großen Sammelaktion zusammengetragen haben.

"Wir wollten etwas Gutes für die Flüchtlinge tun. Deshalb haben wir dieses Großprojekt für Flüchtlinge im Dannenberger Camp im Unterricht auf die Beine gestellt", erklärt Lea Gebert für das Projektteam. Zusammengekommen sind dabei neben einem Anhänger voller Fahrräder von Kleinkind- bis Herrengröße Musikinstrumente, Tuschkästen, Malbedarf, Spielsachen. Und eine Geldspende von 360 Euro, die sie mit dem Verkauf von Kaffee und Kuchen eingesammelt haben. "Wir haben viel über Flüchtlinge gesprochen und wollten etwas tun", sagt Gebert.

Im Camp sind nicht nur die Flüchtlinge, die sich rund um den Anhänger versammeln, begeistert. Auch die stellvertretende Camp-Leiterin Tine Meyer-Hagen ist überwältigt: "Fahrräder sind einfach spitze. Der Bedarf ist riesig. Die Schüler helfen uns sehr." Auch die anderen Spenden kommen gut an. "Oft herrscht hier Langeweile im Camp. Da kommen solche Spenden genau richtig", weiß Sozialarbeiter Frank Freudenthal. Die Fahrräder kommen erst einmal in eine Sammelhalle. Dort stehen schon andere Räder, die noch aufgerüstet werden müssen. "Wir wollen eine Werkstatt mit den Flüchtlingen zusammen aufbauen. Vielleicht kann man mit dem Geld der Schüler die nötigen Werkzeuge anschaffen", sagt Meyer-Hagen.

Schon länger engagiert sich das Fritz-Reuter-Gymnasium für das Flüchtlingscamp in Dannenberg. Seitdem Ende September Hunderte von Geflüchteten in die Notunterkunft eingezogen waren, entwickelte sich bei Lehrern, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern schnell der Wunsch, den neuen Mitbewohnern auch aktiv zu helfen. Seit Mitte November geben zehn Lehrinnen und Lehrer des FRG ehrenamtlich Deutschunterricht für Erwachsene, der überwiegend im Camp am Breeser Weg in Dannenberg stattfindet.

"Die wenigsten von uns hatten Erfahrungen in Deutsch als Zweitsprache. Mit ausgeprägter Gestik und Mimik, sprichwörtlich mit Händen und Füßen funktionierte die Verständigung zu Anfang, als noch kaum Wörter zur Verfügung standen. Inzwischen erweitern die hochmotiviert Lernenden nach und nach ihren Wortschatz", berichtet Jutta Weingarten, die Leiterin des Gymnasiums. Allerdings hätten manche der Lernenden Dannenberg inzwischen auch wieder verlassen.

"Dass viele Kinder und Jugendliche im Camp leben, die über lange Zeit keine Schule besucht haben, macht uns Sorgen", betont Weingarten. Solange jene Kinder in Notaufnahme-Unterkünften wohnten, seien sie nicht schulpflichtig.

"Damit sie zumindest schon Kontakt zu Gleichaltrigen haben und auch schon einen Eindruck von einer Schule in Deutschland gewinnen, haben wir sie eingeladen, als Gastschüler ans FRG zu kommen.

Seit Mitte Dezember sind Kinder und Jugendliche aus dem Camp im Unterricht dabei, pro Klasse zwei. In den Klassen kümmern sich jeweils Paten um die Flüchtlingskinder. Die Verständigung klappe - manchmal auch ohne Worte - erstaunlich gut. Beim Basteln und beim Weihnachtsbasar sind die Flüchtlingskinder auch dabei.

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