Online: 29.12.2015 - ePaper: 30.12.2015

Johanniter wollen neuen Standort für Notunterkunft für Flüchtlinge nahe Lüchow

ZoomDie Johanniter sind offenbar bemüht, einen Standort für eine andere Notunterkunft für Flüchtlinge im Umkreis von 50 Kilometern um Lüchow herum zu finden.

tl Lüchow. Die Johanniter sind offenbar bemüht, nach dem plötzlichen Aus für die Notunterkunft für Flüchtlinge in Lüchow (EJZ berichtete) einen Alternativstandort für eine neue Notunterkunft zu finden. Das hat Lena Kopetz, die Sprecherin der Johanniter, gegenüber der EJZ bekräftigt.
„Wir sind mit dem Innenministerium im Gespräch, hier in der Nähe Alternativen für eine andere Notunterkunft zu finden, um dort unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen zu können.“ Martin Wüppen, ein Sprecher des Innenministeriums, bestätigt, dass es Gespräche gebe. Allerdings: Von einem näheren Umkreis zu Lüchow sagt er nichts. Die Johanniter hätten konkret eine Unterkunft für bis zu 200 Flüchtlinge im Kopf, sagt Kopetz. Einen genauen Standort, den sich die Johanniter bis zu 50 Kilometer rund um Lüchow wünschen, habe man aber noch nicht bestimmt. Auch Neu Tramm sei dafür bisher nicht im Gespräch, bekräftigt die Sprecherin. Nebenbei sickern immer wieder Gerüchte durch, dass unter anderem ein Teil der ehemaligen Berufsbildenden Schulen (BBS) in Lüchow genutzt werden könnte. „Wir haben in diesen Räumen zwar mal über eine kommunale Unterbringung nachgedacht“, erklärt Lüchow-Dannenbergs Landrat Jürgen Schulz (parteilos). „Aber das war für eine absolute Notlage gedacht. Bisher hat das Land noch nichts mit uns besprochen.“ Zudem müsse ein nicht unerheblicher Teil an Geld in das Gebäude investiert werden. Und Schulz rechnet nach neusten Zahlen des Landes zum einen nicht mit einer großen neuen kommunalen Zuweisung an Flüchtlingen für den hiesigen Kreis und zum zweiten durch Bereitstellungen von großen Kasernentrakten auch nicht mit einem „riesiggroßen Bedarf“ an neuen Notunterkünften. Er könne es aber nachvollziehen, dass die Johanniter ihr Team weiterbeschäftigen wollen, sieht „aber keine Notwendigkeit“, das ausgerechnet im hiesigen Landkreis zu tun. Kopetz betont, dass man die jetzigen Mitarbeiter nicht aus der Region herausreißen und in anderen Notunterkünften der Johanniter beschäftigen wolle. Aus dem Innenministerium heißt es dazu: „Das Land sucht fortlaufend nach neuen geeigneten Standorten für Notunterkünfte für Flüchtlinge. Das ist auch Teil der Gespräche mit den Johannitern. Die Prüfung geeigneter Standorte dauert dabei noch an.“
Um das plötzliche Aus für die Notunterkunft stricken sich derweil weitere Ungereimtheiten. Kopetz moniert, dass ihr der konkrete Endtermin für Lüchow Ende Januar nie offiziell mitgeteilt worden sei. „Bis heute warten wir auf diese Auskunft, damit wir endlich alles weitere planen können“, sagt Kopetz. Ministeriumssprecher Martin Wüppen hält dagegen: „Die Johanniter als Betreiber wurden zeitnah nach der Entscheidung des Landespolizeipräsidiums vom 16. Dezember über die Auflösung der Notunterkunft in Lüchow mit Ablauf des Monats Januar 2016 von hier informiert.“ Den Johannitern gehe es dabei auch um die 56 Mitarbeiter, die die Johanniter für den Betrieb der Notunterkunft eingestellt haben. „Die Mitarbeiter kommen zum größten Teil aus der Region rund um Lüchow.“ Am Montag gab es eine Dienstversammlung, auf der die Johanniter ihre Angestellten informiert haben.
Angestellt seien Rettungssanitäter und -assistenten und medizinisches Fachpersonal, dazu kommen Sozialarbeiter, -pädagogen, Sozialassistenten und Erzieher sowie Hauswirtschaftskräfte und Küchenmitarbeiter. „Was diese Menschen hier in der Notunterkunft innerhalb kürzester Zeit geschaffen haben, ist unglaublich. Diese Leute leben für die Flüchtlingshilfe und sehen ihren Job bei uns als Berufung“, ist Kopetz überwältigt von den Mitarbeitern. „Auch in den jetzigen völlig ungewissen Zeiten noch.“ Die Stimmung sei aber dennoch angeschlagen, weil niemand bisher wisse, wie es konkret weitergeht. „Alle hoffen, dass es nicht zum Worst-Case-Szenario kommt, dass das Aus für Lüchow das endgültige Aus für die Notunterkunftsmitarbeiter bedeutet“, sagt Kopetz. Doch noch sei nichts entschieden, betont die Sprecherin. Man warte nun dringend auf ein Signal aus Hannover.

^ Seitenanfang