Online: 09.02.2016 - ePaper: 10.02.2016

Die Flüchtlingshelfer in Dannenberg fordern vom Landkreis und den Kommunen geregelten Bustransport für die Kinder in der Notunterkunft zu den Schulen - um die Belastung für die ehrenamtlichen Helfer, die schon an ihre Grenzen stoßen, zu senken.

Flüchtlingsunterstützer in Dannenberger fordern für Kinder geregelten Bustransport zu Schulen

ZoomUnter anderem im Café Zuflucht in Dannenberg, aber auch direkt im Camp sind viele Flüchtlingsunterstützer im Nordkreis aktiv. Sie stoßen aber an ihre Belastungsgrenze und fordern, dass der Kreis und das Land Lösungen finden, um die Helfer zu entlasten.

tl Dannenberg. Immer mehr Aufgaben, die immer mehr Zeit in Anspruch nehmen: Flüchtlingshelfer aus Dannenberg und sicherlich auch anderswo sind längst an ihre Belastungsgrenze gestoßen. Dabei würden sie gern Kindern aus der Notunterkunft in Dannenberg den Weg zur Schule ermöglichen. Etliche Schulen im Nordkreis hätten sich bereits dafür geöffnet, berichten Irid Gebhard, Claudia Dittrich-Kloth und Friederike Borowsky. "Für die Unterstützerinnen und Unterstützer, die zum Teil bereits viele Stunden in der Woche in verschiedene Aktivitäten im Rahmen der Flüchtlingshilfe eingebunden sind, würde dies einen zusätzlichen Halbtag Arbeitszeit bedeuten - unbezahlt natürlich", erklären die Flüchtlingshelfer. Deshalb fordern sie Kommunen auf, eine Lösung zu finden.

Bestünde etwa eine Schulpflicht auch für Kinder aus der Notunterkunft, wäre der Kreis für den Bustransport zu einer Schule zuständig. Der befürwortet die Idee sogar, berichtet der Erste Kreisrat Claudius Teske, würde sogar gern unterstützen. "Doch ganz so einfach ist das nicht. Es ist sogar höchst kompliziert", erklärt Teske. Denn: "Wir können und dürfen das gar nicht so einfach." Schülerbeförderung gehöre zu den freiwilligen Ausgaben des Landkreises, deren Rahmen im Moment auch nicht weiter ausgereizt werden könne.

Die zweite Frage, die sich stellt, sei die nach der "Versicherung der Flüchtlingskinder für diesen Weg und die Versicherung der Lehrer in solchen Fällen", meint Teske. Zudem beruft sich der Erste Kreisrat auf "Erfahrungen aus anderen Kommunen in Niedersachsen, denen die Beschulung von Flüchtlingskindern fürchterlich auf die Füße gefallen ist". Dort sei es sogar unter Androhung von Prozessen zum Vorwurf "Erschleichen von Leistungen" gekommen. Fakt sei, dass für Kinder aus Notunterkünften für Flüchtlinge bisher keine Regelbeschulung stattfinden dürfe.

Das alles hindere den Kreis im Moment daran, spontan eine Lösung für das Ansinnen der ehrenamtlichen Helfer zu finden. "Daher müssen wir im Moment noch auf die Unterstützung der Ehrenamtlichen setzen", erklärt Teske. Genau das aber kritisieren die Unterstützer, der Kreis verlasse sich "zu sehr" darauf. Doch Teske gibt einen Ausblick und hofft, dass danach eine Lösung gefunden werden könne: "Am 22. Februar gibt es ein großes Treffen mit Verantwortlichen des Landkreises, sämtlichen Schulleitern des Landkreises und der Landesschulbehörde. Dann wollen wir beraten, wie man die Beschulung von Flüchtlingskindern ordentlich regeln kann."

Zudem pochen die Freiwilligen darauf, dass sie Kosten für Unterrichtsmaterialien und andere Dinge, die zur Bildung der Flüchtlinge dienen, ersetzt bekommen. An der Finanzierung sollte es nicht scheitern, erklärt Teske, denn der Kreistag habe einen Vorstoß gewagt und Mittel für Flüchtlinge in den Haushalt einstellen lassen, aus denen zum Beispiel solche Materialien finanziert werden könnten.

Kritik der Ehrenamtlichen geht auch in Richtung Land. Nach Ansicht der Helfer "muss die Verweildauer in Notaufnahmeeinrichtungen dringend auf deutlich unter sechs Monate beschränkt bleiben. Die Umsiedlung von einem Camp ins nächste ist zu stoppen." Die EJZ hat beim Innenministerium des Landes nachgefragt. Eine Antwort blieb bisher aber aus.

Und so bleibt auch den Unterstützern im Moment nur ein Aufruf zur weiteren Hilfe von Ehrenamtlichen. "Auch, wenn wir der Meinung sind, dass jetzt in erster Linie die politisch Verantwortlichen in der Pflicht sind, möchten wir weitere Menschen darum bitten, sich an einem Vormittag in der Woche an der Begleitung der Flüchtlingskinder zu beteiligen, damit nicht noch mehr Zeit ohne Schule verstreicht", sagen Gebhard, Dittrich-Kloth und Borowsky für die Helfer im Nordkreis. Interessierte können sich bei Irid Gebhard per Mail an i.gebhard@online.de melden. Oder im Café Zuflucht in Dannenberg in der Marschtorstraße 59a ihre Telefonnummer hinterlassen.

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