Online: 11.02.2016 - ePaper: 12.02.2016

Die Polizei hat im Fall der verschwundenen Ina K. aus Gorleben eine Mordkommission eingerichtet

ZoomMit einem Sonarboot aus Hannover hat die Polizei gestern nach der Vermissten Ina K. aus Gorleben gesucht. Gefunden haben die Beamten nichts. Die Frau und ihr Auto sind seit Anfang November unauffindbar.

bp Gorleben. Es gibt schöneres Wetter, um nach einer Leiche zu suchen. Der Wind schneidet den Polizisten ins Gesicht. Immerhin regnet es nicht. Andreas Rusche zündet sich noch einen Zigarillo an. Der Kriminaloberkommissar hat schon viele Tote gesehen. Heute nicht. Ina K. aus Gorleben ist und bleibt verschwunden. Ob sie noch lebt, wissen die Beamten nicht.

Am Donnerstag hat die Polizei mit einem Sonarboot in einem Elbeabschnitt nahe des Gorlebener Fähranlegers und im Schnackenburger Hafenbecken nach Ina K. und ihrem Auto gesucht. Es sind Stellen, an denen sie mit ihrem Auto möglicherweise ins Wasser gefahren sein könnte. Doch die Suche bleibt ohne Erfolg. Die Ermittler hatten ohnehin nicht sehr stark damit gerechnet, fündig zu werden, denn dann müsste das Auto in die Fahrrinne geraten und untergegangen sein. Sehr wahrscheinlich ist das nicht, zumal Ina K. offenbar keine leidenschaftliche Autofahrerin ist oder war. "Aber suchen mussten wir - allein schon, um diese Möglichkeit auszuschließen", findet Rusche. Bereits Anfang der Woche hat ein Hubschrauber nahe Elbeabschnitte überflogen. Auch von dort aus war nichts von Ina K. oder ihrem Auto zu sehen.

Weil die Polizei inzwischen auch ein Verbrechen nicht mehr ausschließen kann, hat sie in Lüchow die neunköpfige Mordkommission (Moko) "Matiz" eingerichtet, die sich nun ausschließlich mit diesem ungewöhnlichen Fall beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat ein Strafverfahren wegen Mordverdachts eingeleitet. Ungewöhnlich ist, dass die 55-Jährige bereits seit dem 1. oder dem 2. November verschwunden ist und es seitdem nicht den geringsten Hinweis auf ihren Verbleib gibt. Ina K. hat kein Geld mehr abgehoben, was sie sonst überdurchschnittlich häufig getan hatte, hat sich weder bei ihrer Familie noch bei sonst jemandem gemeldet - auch nicht zu Weihnachten oder Silvester. Selbst ihr Auto ist innerhalb von drei Monaten nicht gefunden worden. "Eigentlich hätte das auffallen müssen, aber das ist nicht passiert", sagt Rusche. Nun will die Polizei die Wälder rund um Gorleben mit einem Hubschrauber überfliegen und aus der Luft nach Auffälligem suchen.

Zwar können die Kriminalisten auch einen Selbstmord oder ein anderweitiges Verschwinden nicht ausschließen, allerdings hatte Ina K. kurz vor ihrem Verschwinden noch mehrere Termine gemacht, hatte offenbar Pläne. Zuerst war angenommen worden, Ina K. könnte nach Italien gefahren sein, weil sie dorthin Beziehungen hat. Aber auch diese Spur ist bisher ins Leere gelaufen. Trotzdem wollen die Ermittler auch diese Variante weiterverfolgen und nun die Zeit des Verschwindens genau rekonstruieren. "Nach so langer Zeit und mit so einem langen Abstand ist das eine schwierige Situation", erläutert Rusche. Er weiß, wovon er spricht, reibt sich bis heute auch im Fall der vor mehr als 15 Jahren verschwundenen damals 15-Jährigen Katrin Konert auf. "Und in dem Fall weiß ich heute so viel wie vor 15 Jahren", sagt er.

Die Polizei bittet Menschen, die Ina K. oder ihr Auto Anfang November gesehen haben oder Zeugen einer möglichen Straftat dringend, sich unter der Telefonnummer (05841)1220 zu melden.

Weitere Fotos und ein Video von der Suche in Gorleben stehen im Internet auf www.ejz.de.



^ Seitenanfang