Online: 24.02.2016 - ePaper: 25.02.2016

Der Flüchtlingshelfer Tom Wittner aus Dannenberg hatte ein super Team von Flüchtlingen in der dortigen Notunterkunft betreut. Sie hätten sich gut in Lüchow-Dannenberg integrieren können, er besorgte ihnen eine Wohnung, wollte sogar die Mietkaution übernehmen. Doch sein Traum platzte. Er scheiterte am Gesetz.

Warum Tom Wittner aus Dannenberg mit der Idee einer Wohnung für Flüchtlinge aus der Notunterkunft scheiterte

ZoomDiese nun leerstehende Wohnung hatte der Flüchtlingshelfer Tom Wittner aus Dannenberg schon für Flüchtlinge aus der Notunterkunft Dannenberg klargemacht, wollte sogar die Mietkaution vorstrecken. Doch das Gesetz machte dem Integrationswilligen einen Strich durch die Rechnung.

tl Dannenberg. Tom Wittner berichtet von einem der wenigen Momente, in denen er wirklich stolz auf sein Land war. Ein Moment, in dem er glaubte, dass ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, Sozialarbeiter und sogar Behörden "an einem Strang ziehen". Doch dieser Moment verpuffte ganz schnell. Mit seiner Motivation, sich weiter ehrenamtlich für das zu engagieren, "wofür eigentlich der Staat zuständig ist", ist er am Ende.

Der 73-jährige Dannenberger nennt das, was ihm widerfahren ist, "grob fahrlässig, bösartig, menschlich gesehen eine Sauerei". Was ist passiert? Wittner ist Deutschlehrer in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Dannenberg. Die Teilnehmer seines Kurses waren stets diszipliniert, zuverlässig, willig. Deshalb setzte Wittner alles in Gang, um diese Menschen in Lüchow-Dannenberg zu halten. In seinem Wohnblock steht eine Wohnung leer, er holte sich das Okay seiner Hausverwaltung, wollte sogar die Mietkaution vorstrecken, "diese Menschen hatten die besten Aussichten auf eine erfolgreiche Integration im ländlichen Raum", betont Wittner. Als dann auch noch Mitarbeiter der Verwaltung in Dannenberg sich weit aus dem Fenster lehnten und ihm zusagten, war Tom Wittner überglücklich.

Doch die Freude hielt nicht lange. "Die tollen Mitarbeiter, die sich in Dannenberg wirklich einsetzen wollten, haben anscheinend von ihrer Spitze dermaßen einen auf den Deckel bekommen, dass sie sofort alles wieder abgesagt haben." Für Wittner brach eine Welt zusammen. Er hatte unzählige Tage damit verbracht, alles für den Einzug in die Wohnung vorzubereiten. "Und dann zerstört eine Behörde diese einmalig gute Prognose auf erfolgreiche Integration. Das ist menschlich gesehen eine Sauerei", findet der ehrenamtliche Helfer. Doch der "große Schock" kam erst noch: "Ich hatte mich dann bereit erklärt, meine Freunde wenigstens in ihre neue Unterkunft zu fahren, der sie nun zugewiesen worden waren. Doch was ich dort sah, schockierte mich zutiefst", beschreibt Wittner seine ersten Gedanken. Eine Turnhalle in Neustadt am Rübenberge in der Nähe von Hannover dient dort als Sammelunterkunft für gut 50 Flüchtlinge, und die sorgte auch schon in überregionalen Medien für Unmut. Die Privatsphäre sei dort schlechter als in der Notunterkunft in Dannenberg, "und das soll eigentlich die erste Wohnung der Flüchtlinge sein", erklärt Wittner. Ihn ärgert vor allem eines: "Mir wurde nur der einfache Satz an den Kopf geworfen: So will es das Gesetz. Doch diesen Satz kann ich nicht mehr akzeptieren." Er glaubt nicht daran, dass seine Freunde in Neustadt ein gutes Leben haben werden, "in der Turnhalle, wo jeweils Zehnbett-Zimmer spärlich voneinander abgetrennt sind, nach oben ist aber alles offen". Es gibt nur eine Großraumbeleuchtung und "zwei verranzte Sofas. Und so soll Integration gehen?"

Dass sein Integrationswille per Gesetz "mit einem einzigen Federstrich zerstört wird", macht Wittner fassungslos. "Warum hinterfragt denn niemand dieses Gesetz? Das zerstört jegliche Integrationsmöglichkeit", ist er überzeugt. "Wir machen die Aufgaben ehrenamtlich, für die der Staat zuständig ist. Und dann behindert er uns sogar bei dieser Arbeit. Das ist unbegreiflich, grotesk."

Die Antwort aus dem Kreishaus darauf: "Wir müssen uns an einen gesetzlichen Rahmen halten", erklärt der Erste Kreisrat Claudius Teske. Flüchtlinge aus den Notunterkünften sind dem Landkreis nicht zugewiesen, daher könne der Kreis nicht bestimmen, wo diese Flüchtlinge untergebracht werden. "Wir dürfen hier nichts aus dem Auge verlieren und werden bei allen die gleichen Maßstäbe ansetzen", sagt Teske. "Vorerst müssen wir unsere fest zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen", betont Susanne Lüth-Küntzel, Fachdienstleiterin Soziales beim Landkreis. Die Wohnungen würden immer knapper. Habe man erst einmal wieder den Punkt erreicht, an dem man leerstehende Wohnungen auch an nicht festzugewiesene Flüchtlinge vergeben könnte, "geben wir eine Empfehlung nach Braunschweig". Die Integrationsbeauftragte des Landkreises, Kerstin Prystuppa, kann den Ärger von Tom Wittner nachvollziehen. Aber: "Ich fürchte, da wurde einfach eine falsche Erwartungshaltung erzeugt, die keiner einhalten konnte."

Diese Antwort will Wittner "nicht mehr hören". Dennoch: Er engagiert sich weiter, "so ich noch die Kraft dazu habe".

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