Online: 25.02.2016 - ePaper: 26.02.2016

Flüchtlinge: Lüchow-Dannenberg bastelt an einem individuellen Integrationskonzept

ZoomDie Willkommenskultur für Flüchtlinge in Lüchow-Dannenberg ist noch immer ausgeprägt. Noch schafft der Kreis das, ist der Erste Kreisrat Claudius Teske überzeugt.

tl Lüchow. Im Kreishaus ist man froh, endlich einmal durchatmen zu können. "Bis Ende April gibt es definitiv keine neuen Zuweisungen an Flüchtlingen für den Landkreis", erklärt Susanne Lüth-Küntzel, Fachdienstleiterin Soziales beim Landkreis. In den zwei Monaten, die bis dahin verbleiben, "arbeitet der Kreis an einem individuellen Inte-grationskonzept", berichtet der Erste Kreisrat Claudius Teske. Wie das genau aussehen könnte, darüber werde man in den kommenden Wochen reden.

Lüth-Küntzel und die Integrationsbeauftragte Kerstin Prystuppa sind derzeit noch damit beschäftigt, alle ehrenamtlichen Initiativen zusammenzusuchen. "Wir wollen sie dann möglichst zeitnah kreisweit koordinieren", sagt Teske. Auch das wolle man in diesen zwei Monaten Verschnaufpause schaffen, "das ist aber gleichzeitig auch sehr ambitioniert gedacht", sagen die drei. "Am Ende soll ein Konzept stehen, dass die Menschen aus den Kriegsländern integriert, ihnen Deutschkurse bietet, ihnen eine neue Heimat gibt", skizziert der Kreisrat. Für solche Gedanken war bisher gar keine Zeit. "Bisher hieß der Auftrag für die Unterbringung der Flüchtlinge: trocken, warm, gesund, satt. Jetzt können wir weiter planen", ergänzt Teske. Der Landkreis habe in der Zeit gezeigt, wie krisenerprobt er ist.

Claudius Teske vergleicht das Aufziehen der drei Notunterkünfte in Lüchow, Woltersdorf und Dannenberg "mit einem Katastrophenfall". Dass bisher vieles reibungslos geklappt habe, sei auch den vielen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken. "Was soll ich dazu sagen? Außer: tausend Dank", sagt Teske. Man verfüge über einen großen Pool an Ehrenamtlichen. "Das Feld ist aber sehr lebendig. Einige hören auf, weil sie nicht mehr können. Dafür kommen andere nach", weiß Prystuppa. Viele unterschiedliche Menschen arbeiten ehrenamtlich, mal klappt's gut, mal weniger gut im Zusammenspiel mit den Behörden. "Es ist nicht immer leicht, manchmal passt die Erwartungshaltung der Helfer nicht mit der rechtlichen Realität zusammen", sagt Susanne Lüth-Küntzel. "Und wenn wir dann auch mal Nein sagen müssen, dann gelten wir eben als ewige Nein-Sager", ergänzt Prystuppa. Trotzdem sei man froh und stolz darauf, so viele Ehrenamtliche im Boot zu haben, ohne die "die Willkommenskultur nicht so lebendig wäre und gar nicht zu schaffen wäre", betont der Kreisrat. Deswegen wolle man nun koordinieren und so entlasten, hoffen die drei. Sicherlich sei bisher nicht alles richtig gelaufen, "auf diesem neuen Gebiet hat jeder Fehler gemacht. Aber aus denen haben wir eben auch gelernt, wie man es dann besser machen kann." Das System Ehrenamt stehe immer noch auf festen Beinen, sind Lüth-Küntzel, Prystuppa und Teske überzeugt. "Wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, dass wir es nicht schaffen würden", betont Teske.

Interessante Zahlen nannte Prystuppa in Bezug auf freiwillige Ausreisen: "In der letzten Zeit haben mehr als 40 Flüchtlinge den Landkreis Richtung alte Heimat verlassen." Aus verschiedenen, meist persönlichen Gründen, mehr wisse man nicht bei der Kreisverwaltung. "Und mehr wollen wir auch gar nicht wissen. Wir stehen diesen Menschen auf jeden Fall mit Rat und Tat zur Seite", ergänzt Lüth-Küntzel. Zuletzt sei eine Familie aus der Unterkunft in Wittfeitzen zurück in ihr Heimatland gereist. Mehrere Flüchtlingsunterstützer aus der Initiative "Zuflucht Lüchow" glauben eher, dass es sich um "zwangsweise freiwillig abgeschobene" Flüchtlinge aus den Gebieten von Ex-Jugoslawien, "sogenannte sichere Herkunftsländer" handelt.

Nach wie vor Klärungsbedarf sieht Teske in Sachen Gastbeschulung von Flüchtlingen aus Notunterkünften - "Obwohl: Die Idee ist bestechend charmant. Aber die Frage nach der Versicherung für den Weg zur Schule ist ungeklärt. Ebenso die Bezahlung. Denn wir müssen immer die gleichen Maßstäbe ansetzen, wie bei Hartz-IV-Empfängern, für die wir die Bustransportkosten zu Schulen übernehmen, aber eben auch nicht jede Summe. Wenn wir das plötzlich bei Flüchtlingen tun würden, dann wäre das schwierig zu verstehen."

Deshalb hat es am Montag ein Treffen mit der Landesschulbehörde, sämtlichen Schulleitern und dem Landkreis gegeben, bei dem man genau diese Fragen klären wollte (siehe Artikel unten rechts). Teske erinnert in diesem Zusammenhang noch einmal an die einmütige Haltung aus dem Kreistag: "Wir wollen integrieren und Hilfestellungen für Flüchtlinge geben. Da müssen wir Gott sei Dank nicht gegen den Kreistag arbeiten."

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