Online: 30.03.2016 - ePaper: 31.03.2016

Der Arzt Ijos Bietzker aus Lüchow-Dannenberg hat sich aufgemacht, um Flüchtlingen, die in Griechenland festsitzen, zu helfen. Er konnte den Anblick leidender Menschen in Regen, Nässe und Schlamm aus der Ferne nicht mehr ertragen.

Ijos Bietzker aus Lüchow-Dannenberg hilft Flüchtlingen in Idomeni

ZoomAuf diesem Foto ist Ijos Bietzker (links) noch als Flüchtlingshelfer am Uelzener Bahnhof tätig. Mittlerweile ist der Arzt nach Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze gereist, um dort bei der Flüchtlingsversorgung zu helfen.

fk Lüchow. So unterschiedlich können Reaktionen sein. Die einen sehen in den Bildern der Flüchtlinge in Griechenland und anderswo eine Bedrohung und würden im Zweifelsfall sogar schießen. Die anderen leiden beim bloßen Anblick der Fernsehbilder von Menschen in Regen, Nässe und Schlamm und suchen nach Möglichkeiten, ihnen zu helfen. Einer von Letzteren ist Ijos Bietzker aus Lüchow-Dannenberg. Der Arzt machte sich am Wochenende nach Griechenland auf. Helfen, egal wie, möchte er am Krisenpunkt Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Dort, wo über 10000 Menschen nicht über die Grenze kommen, wo sie auf ein Schlupfloch im von der mazedonischen Regierung neu errichteten Zaun hoffen, der ihnen den Weg auf der so genannten Balkan-Route versperrt. Inzwischen gibt es erste Berichte von Bietzker über seine Ankunft im Internet.

Eigentlich wollte er sich für seinen Einsatz einer der Hilfsorganisationen anschließen. Doch die ist auf Katastropheneinsätze spezialisiert. Mit der Situation in den Flüchtlingscamps kam sie offenbar nicht zurecht. Immer wieder wurde von ihrer Seite der Abreisetag Bietzkers verschoben. Die Zeit verrann, die Bilder über die Situation in Idomeni wurden schlimmer. Jetzt entschloss sich Bietzker, statt mit der Hilfsorganisation auf eigene Faust zusammen mit einer Gruppe weiterer Helfer aufzubrechen.

Was ihn an der griechisch-mazedonischen Grenze erwartet, wusste Bietzker bei seiner Abfahrt nicht. Es gebe unterschiedliche Äußerungen, berichtete er der EJZ. Die einen sagen: nicht fahren. Man werde sofort wieder ausgewiesen. Die anderen sagen: fahren, kein Problem, hin zu kommen. Aber es gibt eine weitere Hürde. Um als Arzt arbeiten zu können, braucht der Mediziner, der zuletzt in einer Psychiatrie gearbeitet hat, eine Akkreditierung. Doch die kam nicht. Die Zeit, die er zur Verfügung hatte, verstrich. "Ich warte jetzt lange genug auf die Akkreditierung", meinte er kurz vor seiner Abreise. Jetzt wollte er nicht mehr warten. Wenn er nicht als Arzt arbeiten könne, dann eben anders. Irgendetwas zu tun würde es schon geben. "Es gibt viele Basisaufgaben, die erledigt werden müssen", meinte Bietzker. Essen verteilen, Wasser besorgen, für Wärme sorgen, das Notwendigste eben. Das würde er schon machen, wenn man ihn nicht als Mediziner einsetzen könne. Außerdem müssten die Verhältnisse dokumentiert werden. Denn: "Den Menschen ist nicht klar, dass dort Kinder verrecken."

Für die Reise vertraute er der Gruppe, der er sich in den zurückliegenden Tagen angeschlossen hatte. Einige kannten die Situation in Idomeni. Auch Ärzte waren dabei, die schon einmal tagelang nicht dort arbeiten durften. Wie sich zeigte, waren alle Befürchtungen falsch. In seinen ersten Berichten schreibt Bietzker nach seiner Ankunft von einer Station der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Die ist verwaist, weil die Organisation angesichts der Verhältnisse die Arbeit eingestellt hat. Aber Ärzte werden gebraucht. So bekam er sofort ein Stethoskop umgehängt und los gingen die Reihenuntersuchungen.

Der Einsatz in Idomeni ist nicht die erste Hilfsaktion des Arztes aus dem Südkreis. In Uelzen hatte er vor Monaten eine Zufluchtsstätte im Bahnhof mitorganisiert, die "Zuflucht Bahnhof" (EJZ berichtete). Die Aktion entstand spontan, als in den Gängen des Hundertwasserbahnhofes nachts Flüchtlinge, die weiter reisen wollten, ihr Lager aufschlugen und niemand sich kümmerte. Das sei jetzt gut eingespielt mit Helfern und Übersetzern, meinte Bietzker. Es kommen kaum noch Flüchtlinge an. Deshalb kann er es sich leisten, ein paar Wochen nicht nachts Flüchtlinge in Uelzen zu betreuen, sondern in Griechenland zu helfen, glaubt er.

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